Mit der Ausstellung "Maria Magdalena" widmet sich das Städel Museum einer der vielschichtigsten Frauenfiguren der Kunstgeschichte. Zwischen Sünderin, Heiliger und Vertrauter Christi wurde sie über Jahrhunderte unterschiedlich interpretiert – und oft sah ein männlich geprägter Blick sie als erotische Sünderin. Gerade darum ist sie für die zeitgenössische Kunst eine so ergiebige Figur, wie die vom Städel Museum und dem Liebieghaus konzipierte Ausstellung zeigt: Kunstwerke von Kiki Smith oder Marlene Dumas befragen Themen wie Identität, Geschlechterrollen, Sexualität, aber auch Widerstand, körperliche Unabhängigkeit und spirituelle Stärke. So verschränkt die Ausstellung das historische Bilderbe mit zeitgenössischen Diskursen.
Die Fotografien von David LaChapelle übertragen die biblischen Szenen in Pop und Modefotografie, verkörpert durch Kim Kardashian. Ähnlich nutzt Lady Gaga in ihrem Musikvideo "Judas" die Figur der Maria Magdalena, um die moralische Ambivalenz sichtbar zu machen – die der Betrachter, nicht die von Maria Magdalena.
Bei der jungen spanischen Malerin Nieves González wird die historische Nacktheit abgeschafft, ihre Figur trägt moderne Kleidung. Mit mehr als 100 hochkarätigen Gemälden, Skulpturen und Grafiken vom Mittelalter bis in die Gegenwart öffnet die Schau mit dem einnehmenden Untertitel "Sin. Pray. Love" den Blick für eine zeitlose Frau.
Dieser Artikel erschien zuerst in Monopol 9/2026.