Martha Rosler stolpert in Frankfurt durch die Stadt

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„Warum hat Wiesbaden eine Giftmülldeponie und Frankfurt so viele Banker?“ fragt ein (besonders in Wiesbaden) beliebter Witz. Die Antwort, dass Wiesbaden eben zuerst wählen durfte, könnte Martha Rosler gefallen. Sie weiß: Eine moderne Stadt entwickelt sich nicht urwüchsig, sondern durch konkrete Entscheidungen. Die Amerikanerin, die an der Frankfurter Städelschule unterrichtet, hat über die Stadt am Main nachgedacht und stellt das Ergebnis unter dem Titel „location, location, location“ im Portikus vor. Der Ausstellungsort der Städelschule ist vor zwei Jahren umgezogen, an die Alte Brücke. Hier beginnt Rosler eine assoziationsreiche Exkursion: Welche Handelswege eröffnete die Brücke einst? Was wurde aus dem ehedem angrenzenden Juden ghetto? Wo und wie baut die Europäische Zentralbank ihre neue Repräsentanz?

 

Bei Martha Rosler hängt offenbar alles mit allem zusammen. Diese Fähigkeit, scheinbar Fernstes heranzuzoomen, gab ihren Arbeiten einmal Kraft. In den sechziger Jahren etwa holte sie mit der Collagenserie „Bringing the War Home“ die Grausamkeiten des Kriegs in amerikanische Wohnzimmer. In Frankfurt aber wirkt die Suche nach Verknüpfungen zwanghaft; es gelingt Rosler nicht, die Beziehungen zwischen Stadtgeschichte und heutigem Stadtmarketing überzeugend darzustellen.
 

Stattdessen verwandelte sie den Portikus in ein biederes Heimatmuseum – obwohl sie den Hang zum Pittoresken anprangert. Der Boden zeigt einen historischen Stadtplan, darauf stehen Pulverfässer, zwischen denen Ratten aus Plastik ihre Nasen in die Höhe strecken. Daneben eine Replik des Euro-Zeichens, ein neueres Wahrzeichen Frankfurts. Ein Film tastet in wirren Ausschnitten Architektur ab. Und wer es genauer wissen will, benutze bitte an Terminals bereitgestellte Informationen zur Alten Brücke, zur Börse, zur Messe. Gäbe es ein bildnerisches Äquivalent zur Geschwätzigkeit, so sähe es aus.
 

Portikus, Frankfurt am Main, bis 14. September

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