Der italienische Künstler Maurizio Cattelan bekommt den Preis der Nationalgalerie 2026. Die zugehörige Ausstellung in der Neuen Nationalgalerie in Berlin soll während der kommenden Art Week im September 2026 eröffnen. Das gab das Museum am heutigen Mittwoch bekannt. Mit Cattelan, 1960 in Padua geboren, werde einer der einflussreichsten Künstler der Gegenwart geehrt, der erstmals mit einer Einzelschau in Deutschland vertreten sein werde. Zur Jury gehörten Emma Lavigne (Direktorin der Pinault Collection, Paris) Sam Keller (Direktor der Fondation Beyeler, Riehen) sowie Klaus Biesenbach, Leiter der Neuen Nationalgalerie.
Maurizio Cattelan wurde mit Skulpturen und Installationen bekannt, die sich zwischen Humor und Provokation bewegen. So sorgten seine Darstellungen eines betenden Adolf Hitlers oder eines Papstes, der von einem Meteoriten erschlagen wird, für Kontroversen. Der Künstler gilt als "Trickster" im Kulturbetrieb. Er ließ seinen Galeristen für die Laufzeit einer Ausstellung mit einem Phalluskostüm mit Hasenohren herumlaufen, stellte eine Marmorhand mit Stinkefinger vor die Mailänder Börse und klebte eine Banane mit Gaffer-Tape an die Wand, um sie für viel Geld als Kunstwerk verkaufen zu lassen. Cattelan sieht sich selbst als professioneller Narr, der Göttern wie Götzen die Clownsnase aufsetzt.
2006 kuratierte er die 4. Ausgabe der Berlin Biennale mit, die auch in der Begründung der Jury erwähnt wird. Mit der Schau habe Cattelan "entscheidend zur internationalen Positionierung Berlins als Zentrum der Gegenwartskunst beigetragen", heißt es in einer Mitteilung. "Heute, 20 Jahre später, eröffnet eine Einzelausstellung in der Neuen Nationalgalerie die Möglichkeit, diesen prägenden Einfluss in einem neuen gesellschaftlichen und kulturellen Kontext zu reflektieren."
"Je weniger ich erkläre, desto mehr schreiben sie"
Der Künstler selbst kommentiert den Preis in bekannt lakonischer Manier. In seinem Statement heißt es unter anderem: "Die radikalste Geste ist, nichts zu tun und die Leute darüber reden zu lassen. Je weniger ich erkläre, desto mehr schreiben sie."
Die Auszeichnung an einen etablierten Star der internationalen Kunstwelt bedeutet eine Neuausrichtung des Preises der Nationalgalerie zum 25-jährigen Bestehen. Bisher war er als Ehrung für Künstlerinnen und Künstler unter 40 konzipiert, die in Berlin arbeiten. So war er auch als Förderung einer jungen Szene in der Hauptstadt gedacht. Die Ausstellungen der Geehrten, darunter Cyprien Gaillard, Elmgreen & Dragset, Monica Bonvicini, Sandra Mujinga und Anne Imhof, fanden in der Haupthalle des Museums Hamburger Bahnhof statt. 2024 wurden vier Positionen gleichzeitig mit einem geteilten Preis der Nationalgalerie bedacht.
Nun zieht die Auszeichnung in die Glashalle des Mies-van-der-Rohe-Baus der Neuen Nationalgalerie um. In Zukunft sollen Positionen prämiert werden, "die international Maßstäbe setzen und deren Werk in Berlin bislang noch nicht umfassend präsentiert wurde", hieß es. "Mit dem Ortswechsel wird die aktuelle Kunst in Dialog mit der Sammlung der Neuen Nationalgalerie und ihrer Geschichte gestellt."
Seit 2013 ist der Preis nicht mehr mit einem Geldbetrag dotiert, stattdessen wird die Produktion einer Ausstellung finanziert. Träger sind die Freunde der Nationalgalerie.