Ich habe ein riesiges Problem: Ich kann und will nicht gut fotografieren. Ich bin einfach denkfaul oder auch nur faul mit der Kamera. Ich sage, wie es ist. Das als Reporter und Journalist zuzugeben, ist ein großes Risiko. Auch wenn mein Medium, mein Metier, eigentlich der Text ist. Akzeptable Fotos schießen zu können, müsste drin sein. Ich versage in dieser Hinsicht einfach komplett.
Wem soll ich hier auch etwas vormachen? Leserinnen und Leser dieser Kolumne haben längst bemerkt, dass meine Texte mit DIY-Bildern bestückt sind, für die ich mich zumindest ein bisschen schäme. Vergangenen Monat habe ich der Redaktion meine Kolumne per Mail geschickt und einige Bilder angehängt. Ich konnte ein paar Nächte nicht ruhig schlafen, weil der Kuchen auf den verschickten Bildern eben nicht von seiner Schokoladenseite abgebildet war. Ich habe mich also schriftlich bei den Kolleginnen und Kollegen entschuldigt, einen neuen Kuchen gebacken und akzeptable Bilder versendet. Bei denen mich aber meine Freundin Alice moralisch und praktisch unterstützt hat. Es ist einfach auch peinlich, wie ich mich als Fotograf gehen lasse.
Ich glaube, ich bin als Millennial offiziell bei Insta-Fatigue angekommen. Ich verachte schöne Bilder irgendwie. Ich empfinde die Inszenierung, insbesondere von Essen, als unangenehm. Die Zurschaustellung von Konsum juckt mich irgendwie nicht. Der Tag hat auch nur 24 Stunden, und da will ich nicht viel Zeit und Mühe für das perfekte Licht, den perfekten Winkel, den perfekten Schuss investieren. Zur Wahrheit gehört aber auch: Was haben mir meine Rezepte eigentlich getan, dass ich sie nicht im perfekten Licht abbilde? Das jeweils präsentierte Rezept kann ja nichts für mein inneres Widerstreben gegenüber einer Ästhetik des Scheins. Und gegenüber den Lesenden, die ja letztendlich Betrachtende von Bildern sind, ist das auch unfair. Ich kann mich bei allen nur entschuldigen.
Ästhetik-Upgrade mit neuem Geschirr
Eine andere Freundin hat mich für meine Kolumne neulich gelobt. Die Texte seien lustig und politisch zugleich, hat sie gesagt. Das hat mich sehr gefreut. Dann hat sie erwähnt, dass die Bilder, naja, schöner sein könnten. Das stimmt. Deswegen gebe ich mir jetzt dahingehend ein bisschen mehr Mühe. Die mindere Qualität meiner Bilder hat sie anscheinend so aufgerüttelt, dass sie mir neues, schönes Geschirr geschenkt hat. Das ästhetische Problem bestehe nämlich nicht nur darin, dass ich mir beim Fotografieren wenig Mühe geben würde, auch die ollen Teller und Schüsseln in meiner Küche seien einem Kunstmagazin nicht würdig. Obwohl Kunst oft hässlich ist, will ich das natürlich nicht.
Wegen all dieser Gespräche und Selbstreflexionen gibt es also in Zukunft ein bisschen bessere Fotos, mit sehr schönem Geschirr. Die Premiere des fotografischen Relaunchs von "Mohameds Küche" macht ein Meal Prep für das nächste Picknick im Park. Schön verpackt in neuen Vorratsdosen aus Edelstahl mit Bambusdeckel. Wie edel! Das Rezept klingt etwas aufwändig, aber ich war mit allem drum und dran in 30 Minuten fertig. Wer auf der Wiese schlemmen möchte, sollte dieses Rezept unbedingt ausprobieren.
Lachsfilets mit Reis und Gemüse und Sauce
Gemüse der Wahl – ich habe grüne Bohnen, Karotten, Kartoffeln und etwas Pilze genommen, alles tiefgekühlt – in Olivenöl, Salz und Pfeffer mit etwas Chili schwenken und auf einem Backblech ausbreiten. Auf einem zweiten Blech habe ich gewaschene und trocken getupfte Lachsfilets platziert, mit etwas Zitronensaft beträufelt, etwas Olivenöl darübergegeben und sie mit Petersilie, Salz und Pfeffer gewürzt. Die Mengen müssen natürlich an die Anzahl der Personen angepasst werden: Pro Person circa 150 g Gemüse und ein Filetstück. Alles im vorgeheizten Ofen bei 180 °C circa 20 Minuten backen. Zwischendurch habe ich das Gemüse gewendet. An den Rand, auf ein kleines Stück Backpapier, habe ich 2 TL Sesam mit in den Ofen geschoben.
Während Fisch und Gemüse vor sich hin garten, habe ich Reis vom Vortag (man kann ihn selbstverständlich auch frisch kochen) in Olivenöl angebraten, mit etwas Paprikapulver, Kurkuma, Ingwerpulver, Chili, einer zerhackten Knoblauchzehe, Pfeffer, Salz und Petersilie abgeschmeckt und als Erstes in die Vorratsdosen geschichtet. Obendrauf kam dann das Gemüse aus dem Ofen, und in die Mitte habe ich jeweils ein Lachsfilet platziert. Den gerösteten Sesam habe ich darübergestreut. In einem Einmachglas habe ich folgende Zutaten zu einer Sauce gemischt: 3 TL mittelscharfer Senf, eine Prise Chili, Salz, Pfeffer, Petersilie, ein Schuss Sesamöl, ein Schuss Zitrone, ½ TL Honig und einen Schuss Wasser je nach gewünschter Konsistenz. Im Picknickkorb wurde das Saucenglas beim Transport so richtig durchgeschüttelt. Das nenne ich effizient.
Später, auf der Picknickdecke habe ich die Sauce dann auf die noch lauwarmen Lachsfilets mit dem Reis und Gemüse gegeben. Es war sehr, sehr lecker. Die Sonne schien. Das Leben kann schön sein. Auch wenn ich mir größte Mühe gegeben habe, akzeptable Fotos von diesem Gericht anzufertigen. Meine Güte, hat mich das angeödet.