Debatte
In einem "Welt"-Kommentar warnt die niederländisch-US-amerikanische Publizistin Ayaan Hirsi Ali vor antisemitischen Tendenzen in der Kunstwelt. Sie beklagt, dass gegen Israel Offene Briefe für den Ausschluss von der Biennale in Venedig existieren, während Russland oder Iran unbehelligt bleiben. "Diese Asymmetrie ist der Sache nicht dienlich." Sie schildert historische Kontinuitäten bis Wagner und die "Entartete Kunst"-Ausstellung 1937 und bemängelt die heutige Tarnung des Antisemitismus hinter progressiven Ideologien. Die Documenta 15 in Kassel und ein antisemitisches Wandbild in Colorado illustrierten laut ihr, dass Hass oft unter Deckmantel von Kunst oder Aktivismus toleriert werde. Hirsi Ali betont, dass Israel und das jüdische Volk all dies überleben werden.
"Artforum" berichtet, dass 73 Künstler und Kurator gegen die Verlegung des israelischen Pavillons von den Giardini in die Arsenale auf der 61. Biennale in Venedig protestieren. Sie argumentieren, dies widerspreche der inklusiven Vision der verstorbenen Kuratorin Koyo Kouoh: "Den israelischen Pavillon in diese Räume zu platzieren, greift direkt in Kouohs kuratorische Vision ein." In einem offenen Brief fordern sie den Ausschluss von Israel, Russland und den USA, da diese "aktiv Kriegsverbrechen, Gräueltaten und Völkermord begehen". Die Gruppe verweist auf historische Präzedenzfälle, wie den Ausschluss Russlands 2022–24 und Südafrikas 1968–93.
April, April
Am ersten April ist Wolfram Weimer noch aktivistischer als sonst. Nicht nur will er die Documenta an den Tegernsee verlegen, wie Monopol berichtet, sondern die Förderung der Richard-Wagner-Festspiele auf Eis legen. "Wir haben Informationen erhalten, die Zweifel aufkommen lassen, ob Richard Wagners Schaffen und Denken mit der freiheitlich demokratischen Grundordnung kompatibel ist", zitiert die "taz" den Kulturstaatsminister. "Hinweisen zufolge sei 'Wagner kein Demokrat gewesen', begründete er seinen Vorstoß. Man wisse heute, dass der Komponist 'ein anarchistischer linker Feind des Staates und des Kapitals gewesen ist, der per Steckbrief gesucht wurde'. Mit seinen Zeit- und Gesinnungsgenossen Karl Marx und Michail Bakunin verbinde Wagner auch ein geradezu kämpferischer Antisemitismus."
Valentina Di Liscia berichtet augenzwinkernd auf "Hyperallergic", der Louvre Museum wolle nach einem spektakulären Diebstahl erstmals Schlösser anbringen. Direktorin Marianne Cestperdu räumt ein, das Haus sei bislang "zu zugänglich" gewesen. Künftig setze man auf ein "state-of-the-art entry inhibition protocol", also schlicht verschlossene Türen. Sicherheitschef Monsieur La Fenêtre spottet, zuvor habe "jeder kleine Champignon" hereinschneien und Kunstwerke mitnehmen können. Damit sei nun Schluss.
Museen
Olga Kronsteiner beleuchtet im "Standard" die Eskalation um Mobbing- und Bossing-Vorwürfe gegen die Geschäftsführung des Kunsthistorischen Museums in Wien. Kronsteiner beschreibt, dass Veronika Sandbichler, Direktorin von Schloss Ambras, von "toxischer Führungskultur" sprach, während Generaldirektor Jonathan Fine und Co. die Vorwürfe als "diffus" zurückwiesen. Sie erläutert, dass laut Arbeitsrechtlerin Daniela Krömer "sachlich berechtigte Kritik oder manchmal auch ein lauter Tonfall aus Ärger über mangelnde Arbeitsleistung" noch kein Mobbing sei, und verweist auf interne Kommunikationsprobleme als möglichen Konfliktfaktor. Der Staatsbesuch von Bundespräsident Alexander van der Bellen habe die Spannungen zusätzlich verstärkt, und Sandbichler sei schließlich vom Dienst freigestellt worden. Kronsteiner hebt hervor, dass viele Fragen, etwa nach dem Einfluss des neuen Führungsstils, weiterhin offen sind.
Charles Bremner berichtet in "The Times", dass der 100. Todestag von Claude Monet einen Besucheransturm auf Giverny auslöst und die Balance zwischen Erbe und Massentourismus gefährdet. Bis zu eine Million Gäste werden erwartet; Kritiker sprechen von einer "Monet-Maschine". Der Leiter von Monets Haus warnt: "I don’t want it to become Disneyland", man wolle keine künstlichen Attraktionen hinzufügen. Zugleich profitiere die Region wirtschaftlich, während Einheimische das Gedränge beklagten. Bremner schildert zudem, wie Social Media und Serien wie *Emily in Paris* den Boom verstärken. Parallel treiben Ausstellungen und Auktionen die Monet-Begeisterung weiter an; neu entdeckte Werke zeigen laut Experten eindrücklich die Entwicklung des Künstlers.
Nachruf
Dem Bildhauer Melvin Edwards (1937–2026) widmet Peter Richter in der "SZ" einen Nachruf. Edwards brachte das Leiden US-amerikanischer Schwarzer in weiße Galerieräume: "Nicht dass da die bekannten Bilder gehangen hätten, am Baum erhängte Schwarze, johlendes weißes Publikum. Es war subtiler: Metallskulpturen, die auf den ersten Blick nach klassisch abstrakter Kunst aussahen und erst auf den zweiten wie die zusammengeschweißten Reste von Folterinstrumenten." Mit Titeln wie "Lynch Fragments" machte er Gewalt sichtbar. In Retrospektiven wie "One Bright Morning" im Fridericianum in Kassel (Saskia Trebing hatte die Schau für Monopol besprochen) zeigten seine Werke, wie Minimalismus politische Botschaften tragen kann. Edwards wollte "nicht einsehen, warum er als Schwarzer nicht auf dem Gebiet der Abstraktion arbeiten sollte" und reiste intensiv durch Afrika, um Kunst zu studieren.
Der "Telegraph" würdigt den britischen Künstler Glen Baxter, der im Alter von 82 Jahren gestorben ist, als Schöpfer eines eigenwilligen, surrealen Kosmos zwischen Cowboy-Klischees und britischem Nonsens. Während er in Großbritannien vor allem durch Grußkarten bekannt war, galt er international als bedeutender Surrealist; in Frankreich wurde "un Baxter" gar zum Synonym für absurde Situationen. Seine Arbeiten, so heißt es, lebten vom Zusammenspiel scheinbar naiver Zeichnungen und trockener Bildunterschriften. Baxter selbst erklärte, der Reiz entstehe, "wenn man ein vertrautes Bild sieht und merkt, dass etwas nicht ganz stimmt". Bewunderer wie Salman Rushdie lobten seine "casual bizarreries", und auch King Charles III zählte zu seinen Auftraggebern. Trotz internationaler Anerkennung sei Baxter in seiner Heimat lange unterschätzt worden, schreibt das Blatt.
Das besondere Kunstwerk
Der "Guardian" berichtet, dass der italienische Künstler Maurizio Cattelan mit einer Hotline zur Beichte ein neues partizipatives Projekt startet. Anrufer können "ihre Sünden" per Telefon oder WhatsApp einsprechen; Cattelan will einige davon in einem Livestream am 23. April "absolvieren". "Ich sehe es nicht als Absolution … es ist eine gemeinsame Geste", sagte er und betonte, Beichte existiere auch außerhalb der Religion. Parallel bringt er Miniaturen seiner umstrittenen Papst-Skulptur "La Nona Ora" heraus. Cattelan erklärte, er habe nie provozieren wollen, sondern "Fragilität" zeigen. Seine Arbeiten bewegten sich bewusst zwischen Ironie und Ernst; wenn sich jemand angegriffen fühle, sei das ein Zeichen dafür, "dass das Bild noch lebendig ist". Erwartet werde bei der Hotline "eine Mischung" aus Spiel und Ernst, gerade dort werde es interessant.