Medienschau

"Dieses Land ist leider völlig hysterisiert"

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Sarah Wedl-Wilson vor dem Untersuchungsausschuss, Uwe Tellkamps Laudatio auf Neo Rauch und Jonathan Meese – und Alexandra Grants Gemälde sind dank Keanu Reeves fröhlicher: Das ist unsere Medienschau am Montag

Kulturpolitik

In der "FAZ" zeichnet Patrick Bahners ein vernichtendes Bild des Auftritts der früheren Berliner Kultursenatorin Sarah Wedl-Wilson vor dem Untersuchungsausschuss zur Fördermittelaffäre. Zwar habe sie sich auf ihr Recht berufen, Antworten zu verweigern, doch Bahners zufolge habe sie dieses Recht überdehnt und damit einen "ernüchternden Einblick in ihr Amtsverständnis" gegeben. Anderthalb Stunden lang habe Wedl-Wilson auf nahezu jede Frage mit formelhaften Verweisen auf Grundgesetz und Rechtsprechung reagiert. Demgegenüber habe der ebenfalls vernommene frühere Staatssekretär Oliver Friederici den Eindruck vermittelt, konsequent auf rechtskonformes Verwaltungshandeln gedrängt zu haben. Er habe erklärt, sein Haus sei für die Antisemitismusförderung der "falsche Verteiler" gewesen. Besonders aufschlussreich findet Bahners Friedericis knappe Korrektur seiner Amtsbezeichnung: "Ich wurde entlassen." Wedl-Wilson hingegen sehe die umstrittenen Bewilligungen zwar "retrospektiv" kritisch, vermeide aber weiterhin ein klares Fehlereingeständnis und stelle ihre Entscheidung als alternativlos dar. Friederici verteidigte die Verwaltung, wie Erik Peter in der "taz" beschreibt: Es habe dort "weder Saboteure noch Antisemiten" gegeben; man habe auf rechtsstaatliche Verfahren bestanden. "Auch bei dem wichtigen politischen Ziel der Antisemitismusbekämpfung heiligt der Zweck nicht die Mittel", sagte Friederici.

Im "Spiegel" warnt der Erziehungswissenschaftler und Publizist Meron Mendel vor unkritischer Euphorie über die geplanten deutschen Außenstellen von Yad Vashem in Leipzig und München. Zwar gebe es gute Gründe für das Projekt, etwa die Expertise der Gedenkstätte, doch werde in Deutschland häufig übersehen, dass Yad Vashem laut Gesetz direkt der israelischen Regierung unterstellt sei. Mendel befürchtet, dass die von Benjamin Netanyahu geführte Regierung Einfluss auf die pädagogische Arbeit nehmen könnte. Er erinnert daran, dass Netanyahu wiederholt geschichtsrevisionistische Positionen vertreten habe und die israelische Regierung versucht habe, auf die deutsche Erinnerungskultur einzuwirken. Eine Instrumentalisierung der Außenstellen sei deshalb nicht ausgeschlossen. Mendel fordert keine Absage des Vorhabens, sondern eine kritische Debatte und klare Schutzmechanismen. Der Auftrag der Einrichtungen müsse auf die Vermittlung der NS-Vergangenheit begrenzt werden, damit sie nicht für aktuelle politische Auseinandersetzungen genutzt würden. "Es würde aber zunächst reichen, eine offene und kritische Debatte zu führen", schreibt er.

In der "Welt" berichtet Marc Reichwein über einen Auftritt des Schriftstellers Uwe Tellkamp bei der Eröffnung der Ausstellung "Feine Herrschaft" von Neo Rauch und Jonathan Meese in Aschersleben. In seiner Laudatio würdigte Tellkamp die beiden Künstler als "Geschichtsbildner", die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft in ihren Werken zusammenführten. Reichwein verknüpft den Auftritt mit einem jüngeren Gespräch Tellkamps in Magdeburg, in dem dieser über die Folgen öffentlicher Kontroversen sprach. Debatten ohne Konsens seien wichtig, sagte Tellkamp, zugleich kosteten sie "Schreibruhe und Seelenruhe", weil "jedes Wort auf die Goldwaage gelegt und jedes Komma gewogen wird". Mit Blick auf die politische Kultur beklagte er eine Überhitzung des öffentlichen Diskurses: "Dieses Land ist leider völlig hysterisiert." Deutschland renne Nebenschauplätzen hinterher und habe "völlig verlernt, Prioritäten zu setzen". Kunst verteidigte Tellkamp dagegen als etwas dem Tagespolitischen Enthobenes, das den Menschen an seine Existenz und Bestimmung erinnere.

Malerei

Hollywood-Star Keanu Reevesund die Künstlerin Alexandra Grant sind nach eigenen Worten glücklich zusammen – was sich bei Grant auch in ihrer Kunst bemerkbar macht. "Ich würde definitiv sagen, dass meine Gemälde fröhlicher werden", sagte die 53-Jährige dem Portal "People" bei einer Gala in Los Angeles auf die Frage, inwiefern ihre Liebe ihre Kunst verändert habe. Reeves antwortete, dass er nicht sicher sei, ob sich etwas geändert habe. Auf die Frage, ob es leicht sei, die Künstlerin zu lieben, antwortete er mit einem herzlichen "Ja". Grant hatte kurz zuvor bereits Einblicke in ihre Beziehung gegeben: Reeves sei bei seinem Feedback für ihre Arbeit immer sehr vorsichtig. "Und ich würde dasselbe von mir behaupten." Reeves spricht kaum über sein Privatleben, verheiratet war er nie. Seit 2019 zeigt sich der "Matrix"-Star in Begleitung von Grant.