Medienschau

"Verwaltungsrealismus auf vermeintlich verlässlichem Niveau"

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Stimmen zum Merkel-Porträt, Plagiatsvorwürfe bei der Manifesta, und Nick Cave besucht Berliner Kupferstichkabinett: Das ist unsere Medienschau am Mittwoch

Malerei

Gestern Abend wurde das offizielle Porträt von Angela Merkel im Berliner Bode-Museum in Anwesenheit der früheren Kanzlerin enthüllt. In der "Zeit" beschreibt Tobias Timm das Bild des deutsch-französischen Künstlers Jérémie Queyras als "beinahe stillos": "Dieses Bild ist nicht wirklich aufregend und lässt sich schwer einsortieren." Auch die malerische Ausführung wird kritisch beobachtet – etwa die "etwas unbeholfene" Komposition oder die "plump geratenen" Hosenbeine. Besonders die Hände werden zum Symptom der Unentschiedenheit: viel Aufwand, aber am Ende eine unklare, fast fehlerhafte Lösung. Timm zitiert zudem kunsthistorische Deutungen aus dem Publikum (Max Liebermann, Barock, sozialistischer Realismus), um zu zeigen, dass das Werk zwischen Stilen oszilliert, ohne sich festzulegen. In der "SZ" legt Peter Richter den Fokus ironisch auf die Wiedererkennbarkeit: "Angela Merkel ist also unzweifelhaft als Angela Merkel zu erkennen." Gleichzeitig arbeitet er die Spannung im Porträt heraus – von Ferne ein leises und ein wenig spöttisches Lächeln, aus der Nähe dagegen "ernst und streng". Diese Ambivalenz deutet er als mögliche Annäherung an Merkels Charakter. Besonders interessiert ihn die ikonografische Entscheidung gegen die berühmte "Raute": Stattdessen wird die Körperhaltung zum Problem der Darstellung, "wohin dann mit den Händen?" wird zur Leitfrage. Richter beschreibt das Bild schließlich als eine Art "bürokratisches Hofporträt" in der Tradition Velázquez', also als Mischung aus politischer Repräsentation und Verwaltungsästhetik. In der "Welt" rahmt Marcus Woeller das Porträt als potenziell enttäuschendes Ereignis und spricht von einem "Verwaltungsrealismus auf vermeintlich verlässlichem Niveau". Sein Fazit: "Große Kunst ist das Gemälde nicht, da passt es in die Reihe. Auch keine Katastrophe. Es ist leider überhaupt nicht überraschend." Der Autor deutet das Werk weniger als künstlerischen Wurf denn als funktionales Erinnerungsbild – etwas, das "das Deutschland von ihr behalten soll". In der Sendung "Fazit" von Deutschlandfunk Kultur hat Monopol-Chefredakteurin Elke Buhr über das Gemälde gesprochen, für Monopol kommentiert Wolfgang Ullrich und schaut dabei auch auf den künstlerischen Wert der Kanzlergalerie. 

Biennalen

Georg Howahl berichtet in der "Westdeutschen Allgemeine Zeitung" über Plagiatsvorwürfe im Rahmen der Manifesta 16 Ruhr. Die Bochumer Künstlerin Dorothee Bielfeld sieht ihr 2010 für RUHR.2010 realisiertes Werk  "Aufrichten" durch die Installation "Elevation" des Berliner Künstlers Nasan Tur in der Essener Gertrudkirche nahezu gespiegelt. Sie sagt, sie sei "total erschüttert" und habe sich "ihrer Idee beraubt" gefühlt; die Nähe sei "frappierend". Die Manifesta verweist auf interne Prüfung und betont die künstlerische Eigenständigkeit sowie ein partizipatives Konzept, bei dem Besucher Botschaften in Kirchenbänke schnitzen. Eine Stellungnahme lautet: "Wir bedauern sehr, dass Dorothee Bielfeld ihr Werk beeinträchtigt sieht." Bielfeld fordert die Entfernung des Werks und kritisiert fehlende Recherche zu bestehenden Arbeiten.

Shanyu Zhong berichtet in "Ocula" über Sung Tieu auf der 61. Biennale in Venedig. Die Künstlerin selbst beschreibt das Werk als "ein instabiles Monument einer spezifischen Geschichte" und sagt: "Je weiter man entfernt ist, desto mehr nähert sich das Bild, aber je näher man kommt, desto weniger ist es fixiert." 

Museen

Der australische Musiker Nick Cave hat vor dem Auftritt mit seiner Band The Bad Seeds in der Berliner Waldbühne noch einen Abstecher in das Berliner Kupferstichkabinett gemacht. Dort sah er sich gestern im Studiensaal ausgewählte Werke der Sammlung an, wie das Museum auf der Plattform Instagram mitteilte. Dazu wurde ein Foto veröffentlicht, das Cave dabei zeigt, wie er sich mit der Lupe über eines der Werke beugt. "Bevor er heute Abend auf der Waldbühne Berlin auftritt, fühlen wir uns besonders geehrt, dass er sich die Zeit für einen Besuch bei uns genommen hat", schrieb das Museum. Das Kupferstichkabinett ist Teil der Staatlichen Museen zu Berlin und Ausstellungsort für Zeichnungen und Druckgrafiken, Buchmalerei und künstlerische Buchillustrationen. Es beherbergt eigenen Angaben zufolge rund 550.000 druckgrafische Werke sowie etwa 110.000 Zeichnungen, Aquarelle, Pastelle und Ölskizzen. Cave lebte in den 80er Jahren in Berlin und gründete dort die Band The Bad Seeds, mit der er sich derzeit auf Europa-Tour befindet.