Museen
In der "Stuttgarter Zeitung" beschreibt Adrienne Braun den radikalen Kurswechsel der Staatlichen Kunsthalle Baden-Baden. Unter Direktorin Çağla Ilk war diese ein Ort für politische und experimentelle Kunst, nun übernimmt Eckart Köhne, Direktor des Badischen Landesmuseums, das Haus für fünf Jahre. Seine erste Schau "Bloom up! Die Sprache der Blumen" (2026) soll "sinnlich-intellektuell" durch die Kulturgeschichte führen – von attischen Vasen über Jugendstil bis zu Gegenwartskunst. Viele Kunstschaffende kritisierten die Abwicklung scharf, Ilk sprach von einem "beispiellosen Akt". Kunststaatssekretär Arne Braun verteidigte dagegen die Zusammenlegung, aus der "sicher interessanter Dialog" erwachsen könne. Bis Frühjahr 2026 läuft noch das alte Programm.
Raubkunst
In der "Zeit" berichtet Tobias Timm von einem spektakulären Fall von NS-Raubkunst: Ein lange verschollenes Porträt der Contessa Colleoni von Fra Galgario tauchte überraschend auf einem Foto in einer argentinischen Immobilienanzeige auf – über einem samtgrünen Sofa. Die Spur führt zu Friedrich Kadgien, einem hochrangigen NS-Funktionär, der für Görings Finanzgeschäfte zuständig war und nach 1945 nach Argentinien floh. Laut der niederländischen Zeitung "AD" könnte Kadgien auch geraubte Diamanten unterschlagen haben. Die Erbin Marei von Saher erklärte gegenüber der "Zeit", es sei "nur fair und gerecht", das Gemälde zurückzugeben; ihr Ziel sei es, jedes Werk aus der Sammlung ihres Schwiegervaters Jacques Goudstikker zurückzuholen. Die argentinische Polizei durchsuchte das Haus einer Kadgien-Tochter – das Bild war jedoch bereits verschwunden.
Kunstmarkt
Im "New Yorker" schildert Sam Knight in epischer Länge, wie der französisch-israelische Telekom-Milliardär Patrick Drahi den traditionsreichen Auktionsriesen Sotheby's seit 2019 in Turbulenzen stürzt. Knight beschreibt Drahi als risikofreudigen "Kostenkiller", der überall spart, wo es möglich ist, und mit schnellem, teils rücksichtlosem Handeln das Unternehmen prägt. So zitiert Knight einen ehemaligen Mitarbeiter: "Er sagt einfach, was er denkt." Gegenüber Widerständen erklärte Drahi laut Knight: "Es macht mir nichts aus, Dinge kaputtzumachen." Die Belegschaft sieht sich seither Kostendruck, Stellenabbau und dem Wandel zu einem rein finanziell orientierten Unternehmen ausgesetzt. "Am Ende des Tages ist jeder von euch, jeder Einzelne, ersetzbar", sagte Drahi sinngemäß laut Knight auf Kritik hin. Seit der Übernahme verzeichnet Sotheby's Abgänge zahlreicher Mitarbeiter, Gewinneinbruch und Vertrauensverluste, während Drahi laut Knight weiter Dividenden in Milliardenhöhe extrahiert.
Unter dem Titel "Dogs mit Jobs – in Berliner Galerien" porträtiert Julia Meyer-Brehm bei "Gallerytalk" die vierbeinigen "Mitarbeiter" der Kunstwelt. Ob Franz bei carlier | gebauer, der als "CEO of Cuteness" Stress reduziert, oder Dackeldame Catrin bei Ebensperger, die dank "Verzicht auf jegliche Art von Erziehung" alle Besucher freundlich begrüßt – Hunde prägen die Atmosphäre. Chihuahua Chilla bei Kornfeld trägt stolz den Titel "Assistant to the Gallery Assistant", während Whippet Andoni bei Capitain Petzel eine neue Zielgruppe ins Haus lockt: Windhund-Besitzer. Selma bei KOW fungiert als "Allround-Liaison" für Team und Gäste, und Lupita bei Thomas Schulte schwärmt für Cosima zu Knyphausen, deren Werke "leichter zu bewundern" seien. Die tierischen Begleiter, so der Text, bringen "Wärme, Charakter und gute Laune" in Berlins Galerien und beweisen, dass Kunstvermittlung auch mit wedelndem Schwanz funktioniert.
Architektur
In der "wochentaz" erinnert Hilka Dirks anlässlich des 100-jährigen Jubiläums des Bauhauses in Dessau an dessen Bedeutung – und warnt zugleich vor aktuellen Angriffen von rechts. Während 2019 die Gründung gefeiert wurde, stehe nun die Dessauer Schule im Mittelpunkt, wo "An die Substanz" eine Ausstellung die Lehrer, Schüler und das Erbe der Moderne beleuchtet. Umso brisanter sei es, dass die AfD das Bauhaus jüngst als "Irrweg der Moderne" und das Gebäude als "historische Bausünde" diffamiert habe. Dirks hält dagegen: Wer wie Hannes Meyer "Volksbedarf statt Luxusbedarf" propagierte, habe gezeigt, dass soziale Verantwortung und Schönheit vereinbar sind. Der AfD hingegen gehe es um "nichts als faschistische Vernichtungsideologie". Deshalb sei es, so Dirks, heute umso wichtiger, "Orte progressiver Erinnerung" zu schützen.
Bücher
Lothar Müller hebt in der "SZ" hervor, dass Alexander Kluge in seinem neuen Buch "Sand und Zeit" Gefühle gegen die "zerrissene Welt" setzt. Müller beschreibt, wie Kluge mit einer "virtuellen Kamera" klassische Stillleben, historische Schlachten und aktuelle Kriege verbindet und so ein "Bauhaus der Gefühle" in Form eines Bilderatlas schafft, der sich an Aby Warburgs "Bilderatlas Mnemosyne" orientiert. Besonders auffällig sei, wie Kluge historische Ereignisse wie den Krimkrieg oder die Schlacht von Hattin mit Gegenwartsbezügen verknüpft und die Hoffnung auf das Stocken des Krieges thematisiert. Müller zitiert Kluges Satz: "Der Kreatur gefällt der Kriegsdienst nicht" und betont, dass der Autor durch Montage "Erzählräume öffnet" und Generosität als Leitmotiv hervorhebt.