Medienschau

"Warum müssen die Frauen nackt sein?"

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Hannover regt sich über nackte Holzinger-Performerinnen auf, Galerist Thomas Riegger im Gespräch und Regisseur Panahi trotz Haftdrohung zurück im Iran: Das ist unsere Medienschau zu den Osterfeiertagen

Kunstfreiheit

In einem Gastbeitrag in der "Zeit" kritisiert Janika Gelinek, Leiterin des Literaturhaus Berlin, das Vorgehen von Kulturstaatsminister Wolfram Weimer als "gefährliches Scheingefecht". Statt eines offenen Richtungsstreits setze Weimer auf Intransparenz: Es komme "nichts außer jener ominösen Mitteilung", man habe "Vorbehalte", "offene Fragen" und müsse "prüfen". Gelinek warnt, solche Verfahren "reichen aber nicht", wenn zugleich in Juryentscheidungen eingegriffen werde. Das wiederholte Mantra, "dass Steuergelder nicht an Extremisten gehen dürfen", ersetze keine Begründung. Weimer schade damit "zwei Grundpfeilern unserer Demokratie: der Kunstfreiheit und dem Recht auf freie Meinungsäußerung". Eine "starke und wehrhafte Demokratie" müsse hingegen auch unbequeme Kunst aushalten.

Harff-Peter Schönherr schildert in der "taz" den Streit um die Filmemacherin Basma al-Sharif beim Osnabrücker European Media Art Festival. Ihr werde Nähe zur BDS-Kampagne zugeschrieben, ein "hartes Framing", während ihr Film selbst "nicht in der Kritik" stehe – vielmehr werde "eine Weltanschauung bewertet". Die Politik reagiert mit Distanz: Man messe der Kunstfreiheit "einen hohen Wert bei", schreibt die Sprecherin der Niedersächsischen Staatskanzlei auf "taz"-Anfrage, aber man müsse "klare Haltung gegen jede Form von Antisemitismus zeigen". Die Festivalleitung hält dagegen: "Das Schreckgespenst, dass wir Antisemitismus schüren, […] hat keine Grundlage", sagt die Leiterin Katrin Mundt-  Insgesamt zeige der Fall, wie schnell kulturelle Förderung zur Gesinnungsprüfung wird.

Der renommierte iranische Filmemacher Jafar Panahi ist trotz des Krieges und einer drohenden Haftstrafe in den Iran zurückgekehrt. Wie die Tageszeitung "Hammihan" weiter berichtete, reiste der 65-Jährige auf dem Landweg über die türkische Grenze ein. Ein Revolutionsgericht hatte Panahi im Dezember vergangenen Jahres in Abwesenheit zu einem Jahr Haft verurteilt. Zudem erhielt er ein zweijähriges Reiseverbot sowie ein Verbot, politischen oder sozialen Organisationen beizutreten. Die Anklage lautete auf «Propaganda gegen das System». Als Beweis führte das Gericht vor allem Panahis jüngsten, heimlich gedrehten Film «Ein einfacher Unfall» an. Das Werk gewann im Jahr 2025 die Goldene Palme der Filmfestspiele von Cannes. Er wurde außerdem für die Golden Globes und die Oscars in diesem Jahr nominiert. In dem fiktiven Drama trifft ein ehemaliger Gefängnisinsasse durch einen Autounfall auf seinen mutmaßlichen Peiniger. Er entführt ihn und führt den Gekidnappten anderen früheren Häftlingen vor. Der Film handelt von Rachegelüsten und Fragen nach Gerechtigkeit. Panahi war von Juli 2022 bis Februar 2023 im Iran inhaftiert. Seit Jahren unterliegt er Einschränkungen bei beruflicher Tätigkeit und Reisen.

Im Streit zwischen dem Weißen Haus und dem Sänger Bruce Springsteen hat US-Präsident Donald Trump erneut nachgelegt. Springsteen sei ein schlechter und langweiliger Sänger und sehe aus wie eine "vertrocknete Pflaume", teilte Trump auf seiner Plattform Truth Social mit. Die Anhänger seiner Maga-Bewegung rief Trump zum Boykott der "überteuerten Konzerte" auf. Springsteen ist ein bekannter Kritiker Trumps und beteiligte sich am Wochenende an den landesweiten Protesten gegen die Regierung. Erst kürzlich hatte er ein Protestlied als Reaktion auf die tödlichen Schüsse auf zwei US-Bürger im Rahmen der umstrittenen Abschiebe-Razzien in Minneapolis geschrieben. Trump und seine Administration bezeichnete er als den "Möchtegern-König und seine Schurkenregierung". Am Dienstag hatte Springsteen seine neue Tour gestartet - ausgerechnet in Minneapolis - und sich mit einer politischen Botschaft an das Publikum gewandt. Er bitte alle, sich mit ihm für Hoffnung statt Angst, Demokratie statt Autoritarismus und Frieden statt Krieg zu entscheiden, zitierte ihn die "New York Times". Bereits als die Rocklegende ihre neue Tour ankündigte, gab es aus dem Weißen Haus heftigen Gegenwind. "Er leidet an einer schweren Form des Trump-Wahns, der sein Gehirn hat verrotten lassen", kommentierte Trumps Kommunikationsdirektor Steven Cheung.

Kunstmarkt

Im SWR ist das Gespräch mit dem Galeristen Thomas Riegger von Meyer Riegger, das der Sender auf der Art Karlsruhe im Februar geführt hat. "Mich interessiert der emotionale Zugang zur Kunst", betont Riegger. Kunst dürfe unterschiedliche Preise haben, entscheidend sei nicht der Marktwert, sondern die Wirkung. Künstler Jonathan Monk spielt damit ironisch, indem er Werke als Quittungs-Repliken zum jeweiligen Rechnungsbetrag verkauft. Für Riegger bleibt zentral: Kunst kann "auch Humor", muss aber "immer einen emotionalen Zugang zum Werk ermöglichen" – ein Anspruch, den er auch bei Positionen wie Miriam Cahn oder Horst Antes sieht.

Das besondere Kunstwerk

Hannover regt sich über Florentina Holzinger auf: Ihre befahrbare Skulptur "Crash Pipe" hat mit nackten Performerinnen auf Inline-Skates eröffnet, und die "Hannoversche Allgemeine Zeitung" ("HAZ") gibt sich zunächst noch gelassen: "Ein Kunstskandal ist die Skaterei der Nackten […] sicher nicht." Protest gehöre zur lokalen Kunstgeschichte, etwa bei Niki de Saint Phalles "Nanas", einst "Schnapsidee", heute Wahrzeichen. Auch die Sparkasse als Sponsorin der Installation zeigt sich zufrieden: "Unangenehm ist uns die Performance […] nicht", Provokation sei schlicht kein Kriterium. Ganz anders lesen sich Leserbriefe an die "HAZ". Hier dominieren Sätze wie: "Wo sind wir bloß hingekommen?" oder "Unter dem Etikett 'Kultur' wird offenbar alles durchgewunken, was Aufmerksamkeit verspricht – je schriller, desto besser." Mehrfach wird Nacktheit als Problem markiert: "Nackte Frauen lassen sich […] anstarren", "Warum müssen die Frauen nackt sein?" oder "Nacktheit lässt sich besser verkaufen." Andere sprechen von "Effekthascherei", "Erniedrigung" und "Zurschaustellung von Frauen". Mehrere Zuschriften verknüpfen das mit Gegenwartsdebatten: "Da wird seit Tagen über sexualisierte Gewalt […] berichtet – und dann stellen sich nackte Frauen […] zur Verfügung." Die Performance sende "kein Signal für Frauenrechte", vielmehr würden "junge Frauen vorgeführt". Zugleich wird die Aktion als kalkulierte Provokation gelesen: Holzinger wolle "Empörung, Protest, Wirbel und Widerspruch erzeugen". Neben moralische Fragen tritt Pragmatismus: "Was hätte man mit der Spende von 100.000 Euro […] Gutes tun können?" oder schlicht: "Rausgeschmissenes Geld." Auch die Straßensperrung sorgt für Ärger: Sie greife "in Grundrechte Dritter ein", das Ganze sei "Humbug".