Debatte
In der "Frieze" kritisiert Chloe Stead, zeitgenössische Kunst reagiere kaum auf die digitale manosphere. Online entstehen neue Männlichkeitsbilder und Misogynie über Podcasts und Social Media, Museen bleiben meist internetfern. Die Ausstellung "Beyond the Manosphere" im Stedelijk Museum zeige Werke, doch es gebe "kein einziges Kunstwerk über das Internet". Viele Arbeiten bleiben beim Humor über Hypermaskulinität. Referenz ist Amalia Ulmans Instagram-Arbeit "Excellences and Perfections" (2014), die Social Media als Identitäts-Performance entlarvt. Stead fordert, Kunst müsse digitale Räume ernst nehmen und Männer dort erreichen, wo Online-Radikalisierung stattfindet.
Im "Tagesspiegel" beschreibt Gerrit Bartels die Kulturpolitik der AfD in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin beschrieben. Im Zentrum steht laut Autor eine "patriotische Wende" sowie die Stärkung einer "selbstbewussten deutschen Identität" und die Bewahrung "unseres kulturellen Erbes". Wiederkehrend seien Forderungen nach "Deutsch denken", Heimatpflege und Kunst, "die einen Beitrag zu deutscher Identitätsfindung leistet". In Berlin solle Kunst zudem nicht "unter dem Deckmantel der Kunstfreiheit zu Extremismus und Gewalt aufrufen". Bartels nennt außerdem Begriffe wie "Einfluss der Regenbogenideologie" und kritisiert die Abwertung moderner Kunst, etwa des Bauhauses als "Irrweg der Moderne".
Museen
Nach dem Kunstraub im Pariser Louvre im vergangenen Oktober gibt es eine mögliche neue Spur nach Belgien. Belgische Fahnder sollen auf den Handys mehrerer festgenommener Diebe Fotos vom Inneren des Louvre und insbesondere der Galerie d’Apollon gefunden haben, wo es zu dem Raub kam, berichteten das Magazin "Paris Match" und die Zeitung "Le Parisien" unter Verweis auf die Justiz. Frankreich und Belgien hätten gemeinsame Ermittlungen angeschoben. Die Pariser Staatsanwaltschaft wollte die neuen Ermittlungen weder bestätigen noch dementieren. Entdeckt wurden die Fotos auf den Handys von Verdächtigen aus Osteuropa, die sich auf Frachtdiebstähle spezialisiert haben, berichteten die Zeitungen. Die Auswertung der Fotos sei noch im Gange. Laut Justizkreisen solle die Untersuchung klären, ob es einen Zusammenhang zwischen den in Belgien festgesetzten Frachtdieben und den vier inzwischen in Frankreich inhaftierten Tatverdächtigen gibt, denen es am 19. Oktober 2025 gelungen sein soll, in den Louvre einzudringen, um dort Kronjuwelen im Wert von schätzungsweise 88 Millionen Euro zu stehlen. Von der Beute fehlt nach wie vor jede Spur. Bereits unmittelbar nach dem Einbruch in das Museum hatten die französischen Fahnder ihre belgischen Kollegen eingeschaltet in der Sorge, die gestohlenen Juwelen könnten auf dem Schwarzmarkt der Antwerpener Diamantenhändler landen. Vermutlich wurde dort der Schmuck von Reality-TV-Star Kim Kardashian im Millionenwert verkauft, der ihr 2016 bei einem Raubüberfall in Paris gestohlen wurde.
Marion Ackermann, Präsidentin der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, beschreibt im Gespräch mit radio3, wie stark Kulturpolitik heute von Polarisierung und "Kulturkampf"-Debatten geprägt ist. Besonders im Osten habe sie erlebt, wie politische Akteure durch wiederholte Narrative – etwa zu "Genderwahnsinn" oder angeblicher "Sprachpolizei" – gezielt Misstrauen gegenüber Kulturinstitutionen erzeugten. Sie betont zugleich die Verteidigung der Kunstfreiheit: Ausstellungen müssten gezeigt werden, auch wenn sie umstritten sind; gesellschaftliche Auseinandersetzungen sollten erst danach stattfinden, nicht durch Vorzensur. Kultur versteht sie als Ort der Aushandlung, an dem Konflikte produktiv bearbeitet werden können. Projekte im ländlichen Raum oder Debattenformate hätten gezeigt, dass Kultur Menschen zusammenbringen kann und demokratische Verständigung fördert. Gleichzeitig warnt sie vor einseitiger staatlicher Abhängigkeit und plädiert für breitere Finanzierungsmodelle. Ausladungen hält sie nur im Ausnahmefall für sinnvoll und sieht insgesamt die Aufgabe der Kultur darin, Kontroversen auszuhalten und demokratische Räume offen zu halten.
Kunstmarkt
In der "FAZ" beschreibt Christoph Schütte wie Nina Mößle die Frankfurter Galerie der verstorbenen Anita Beckers verändert. Mößle habe zunächst "zu ordnen, zu sortieren und Verpflichtungen zu erfüllen" gehabt und dabei die laufenden Messen und Projekte weiterführen müssen. Mößle beschreibt ihren Einstieg als "Sprung ins eisig kalte Wasser" und sagt rückblickend: "Nach einer Woche habe ich gespürt, das ist am nächsten dran an dem, was ich gerne machen möchte." Die Galerie verstehe sie nicht nur als Verkaufsort, sondern als Raum für "Begegnung, Austausch und Diskurs". Zentral sei dabei die Haltung: "Ohne die Künstler sind wir als Galeristen alle nichts." Gleichzeitig betont sie, dass sie vor allem Positionen zeigen wolle, die es "einem nicht zu leicht machen".
Elisa Carollo beschreibt im "Observer" die Schweizer Galerie Gmurzynska als Gegenmodell zum beschleunigten Kunstmarkt: Während viele Häuser auf Messen und Skalierung setzen, verfolgt sie einen "Slow-Art"-Ansatz mit Forschung, Publikationen und langfristiger Platzierung in Museen und Sammlungen. CEO Mathias Rastorfer betont: "Ich glaube, Kunst braucht Zeit". Der Verkauf werde als kuratorische Verantwortung verstanden, nicht als schnelle Transaktion. Sie kritisiert einen Markt, in dem Galerien zu "Kunsthandel mit Galerien" geworden seien. Gmurzynska setze dagegen auf Vertrauen, Beziehungen und kunsthistorische Tiefe, reduziere Messepräsenz und verlagere den Fokus auf Ausstellungen und Editionsarbeit. So erscheine das traditionelle Modell plötzlich überraschend zeitgemäß.
Porträt
Redakteur Andreas Platthaus und Fotografin Barbara Klemm zeigen in der "FAZ" Anselm Kiefer in seinen beiden gigantischen Arbeitsorten, die selbst "veritable Kunst-Werke" seien: "La Ribaute" in Südfrankreich und "Croissy" bei Paris. Die Orte liegen "700 Kilometer voneinander entfernt" und bilden zwei Pole eines Werkes, das Maßstäbe sprengt. La Ribaute beschreibt der Text als eine fast mythische Anlage mit "an die 100 Bauwerke", Tunneln, Krypten und "unterirdischen Gängen". Es wirkt "als wäre hier ein unermüdlicher Demiurg am Werk". Kiefer habe das 40 Hektar große Gelände 1992 gekauft und später weiter ausgebaut. Croissy hingegen ist eine "gigantische Halle von 40.000 Quadratmetern", früher Lager der Samaritaine. Kiefer selbst nennt seine Orte "Atelier" und sagt über seine Werke: "Wenn das Bild einmal das Atelier verlassen hat, wird es zu etwas anderem. Es ist zum Gegenstand geworden, es ist nicht mehr wahr." Der Text beschreibt den Übergang zur Stiftung "Eschaton", die das Gelände künftig als Ganzes erhalten soll. Der Besuch wird als Erfahrung eines "privaten Weltkulturerbes" geschildert, in dem jedes Werk in einer "höchstpersönlichen Inszenierung" eingebettet ist.
Architektur
Niklas Maak beschreibt in der "FAZ", wie vor dem Weißen Haus eine Arena für eine MMA-Veranstaltung zum 80. Geburtstag Donald Trumps entsteht. Trump sei "großer Fan der brutalen Mixed-Martial-Arts-Kämpfe der Kampfsportliga Ultimate Fighting Championship", entsprechend solle "programmgemäß Blut spritzen vor dem Weißen Haus". Das Bild wird als Symbol gelesen: Die klassizistische Architektur des Hauses habe "traditionell für den Anspruch Amerikas" gestanden, sich an "humanistischen Werten der Antike und Renaissance zu orientieren". Nun erscheine die Arena als "sprechendes Bild für den Untergang der alten westlichen Welt" – Trump feiere "wie die römischen Kaiser". Der Text verweist auf antike Herrscher wie Augustus und Claudius und schreibt, es falle auf, dass heutige Machtfiguren "einen Fetisch für das alte Rom" hätten. Elon Musk denke "jeden Tag an die Antike", Mark Zuckerberg trage ein Shirt mit "Aut Zuck aut Nihil". Das Weiße Haus erscheine so als "eigenes Kolosseum" einer neuen politischen Ästhetik.