Kunstfreiheit
In einem "FAZ"-Gastbeitrag argumentiert der frühere CDU-Abgeordnete Rüdiger Kruse, konservative Kulturpolitik sei "kein Kulturkampf", sondern müsse Freiheit sichern. Sie zeichne sich dadurch aus, "mehr Förderung gewährt und weniger Vorgaben macht". Der Staat solle nicht Bestimmer, sondern "Raumgeber" sein und keine künstlerischen Inhalte normieren. Kruse beschreibt Unruhe im Kulturbetrieb als Folge von Verkrustungen und Regeln, die Kreativität einschränken. Aber ohne Geißelung angeblich woker "moralischer Verbotspolitik" kommt Kruse natürlich nicht aus, er meint, es brauche Subsidiarität und Vertrauen in Intendanzen. Er grenzt sich von autoritären Kulturpolitiken (u.a. Ungarn, USA, Russland) ab und betont die im Grundgesetz verankerte Kunstfreiheit. Ziel ist eine offene, vielfältige Kultur, die Demokratisierung durch Bildung und Teilhabe fördert.
Der in der Türkei bekannte Comedian Deniz Göktaş ist am Istanbuler Flughafen festgenommen worden. Göktaş wurde bei seiner Rückkehr von einer Urlaubsreise in Gewahrsam genommen, wie die Nachrichtenagentur Demirören (DHA) berichtete. Vergangene Woche hatte Göktaş auf der Istanbuler Harbiye-Freiluftbühne sein Programm "Ölü Deniz" (doppelte Bedeutung "Totes Meer" und "Toter Deniz") vorgestellt und anschließend eine Aufnahme auf YouTube hochgeladen. In seiner Show hatte er sich neben zahlreichen anderen Themen auch über den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan und religiöse Aspekte geäußert. Wie die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu meldete, wurde gegen Göktaş ein Ermittlungsverfahren wegen strafbarer Handlungen in seinen Social-Media-Videos eingeleitet. Die genauen Hintergründe blieben zunächst unklar. Innerhalb einer Woche wurde das Video 8,5 Millionen Mal angesehen, einzelne Ausschnitte wurden zahlreich in den sozialen Medien geteilt und diskutiert. Der Vorsitzende der konservativ-islamischen Büyük Birlik Partisi hatte gedroht, wer sich über Heiligkeiten lustig mache, dem werde die Zunge herausgerissen. Andere Oppositionspolitiker hatten ihre Unterstützung für den Künstler ausgedrückt.
Kunstszene
Dale Berning Sawa greift in "The Art Newspaper" Josh Klines viel diskutierten Essay über die Krise des US-Kunstsystems auf und erweitert dessen Diagnose um eine internationale Perspektive. Kline argumentiere, dass explodierende Immobilienpreise in New York und Los Angeles Künstler verdrängten, Ateliers und Off-Spaces zerstörten und Institutionen zu risikoarmen Programmen zwängen. Seine provokante Schlussfolgerung lautet: "New York verdient die Ambitionen und Ideen der jungen Künstler des Landes nicht mehr." Sawa schildert eigene Erfahrungen aus London und stimmt der Analyse weitgehend zu, warnt jedoch vor einfachen Ausweichbewegungen. Zwar könne eine Dezentralisierung die Kunstwelt stärken, doch ein Umzug in günstigere Städte könne selbst neue Verdrängung auslösen. Entscheidend sei daher weniger der Ort als die Verantwortung gegenüber den lokalen Gemeinschaften. Am Ende fragt sie, ob Künstler nicht entweder bewusst anderswo investieren oder "als einzigartige Kraft des Widerstands" für eine bessere Stadt bleiben sollten.
Museen
Nina Siegal schildert in der "New York Times" die schwierige Lage jüdischer Museen in Europa seit dem 7. Oktober 2023. Laut einer Umfrage des Verbands europäischer jüdischer Museen verzeichneten viele Häuser sinkende Besucherzahlen, mehr Bedrohungen und Vandalismus. Museumsleiter führten dies auf die falsche Annahme zurück, ihre Institutionen seien mit Israel verbunden. Die Vorsitzende des Verbands, Mirjam Wenzel vom Frankfurter Jüdischem Museum, sagt: "Wir werden als israelische Institutionen angegriffen und mit dem Staat Israel identifiziert." Während einige Museen bewusst keine Nahostpolitik thematisieren, setzen andere auf Debattenformate. Die Autorin betont zugleich regionale Unterschiede: In Paris oder Prag seien die Besucherzahlen stabil geblieben oder sogar gestiegen, anders als etwa in Amsterdam, Brüssel oder Kopenhagen. Trotz Anfeindungen wollten die Häuser an ihrem Bildungsauftrag festhalten. Die Direktorin des Jüdischen Museums Belgien, Barbara Cuglietta, erklärt: "Wir werden nicht zum Schweigen gebracht. Wir werden nicht gecancelt."
Jörg Restorff porträtiert in der "Rheinischen Post" den Medienkünstler Refik Anadol anlässlich der Eröffnung von "Dataland" in Los Angeles, das dieser als "weltweit erstes Museum für KI-Kunst" bezeichnet. Der Autor beschreibt das multisensorische Gesamterlebnis aus Projektionen, Sound, Düften und biometrischen Daten als überwältigend und zieht den Vergleich, Anadol sei "vielleicht der Michelangelo des 21. Jahrhunderts", der eine "KI-Kathedrale" errichtet habe. Zugleich verweist Restorff auf Kritik: Die Eröffnungsausstellung blende Klimawandel und Artensterben aus und flüchte "in die reine Ästhetik". Auch zitiert er die Frage des "New Yorker", ob Anadol "ein Visionär oder der Hofmaler des Silicon Valley" sei. Dessen Erfolg beruhe auf KI-generierten Bildwelten, die laut Anadol den "Traum der Maschine" erfahrbar machen sollen.
Mode
Zehn Monate nach seinem Tod ist ein Regisseur für ein Biopic über den italienischen Modemachers Giorgio Armani gefunden. Der dänische Filmemacher Bille August soll "Armani: The King of Fashion" inszenieren, wie"Deadline" berichtet. August sei ein Regisseur, der die seltene Gabe besitze, "die Menschlichkeit hinter der Größe" zu offenbaren, sagte der Produzent Andrea Iervolino. Seine filmische Arbeit zeichne sich durch "Eleganz, emotionale Intelligenz und eine bemerkenswerte Hochachtung für die Leben, die er porträtiert" aus. Über die Rollenbesetzung wurde zunächst nichts bekannt. Armani war am 4. September im Alter von 91 Jahren gestorben. Er hatte zunächst als Schaufensterdekorateur und Einkäufer bei der Kaufhauskette "La Rinascente" gearbeitet. So lernte er 1964 den Altmeister der italienischen Herrenmode kennen, Nino Cerruti. Mitte der 1970er-Jahre gründete Armani mit seinem Lebensgefährten Sergio Galeotti eine eigene Firma: die Giorgio Armani SpA. Das war die Keimzelle eines Konzerns, der heute viele Milliarden wert ist. Seit Galeottis frühem Tod 1985 gehörte das Unternehmen Armani allein. Armani gehörte jahrzehntelang zu den wichtigsten Modemachern der Welt. In Hollywood gelang ihm 1980 der Durchbruch, indem er Richard Gere als "American Gigolo" ("Ein Mann für gewisse Stunden") einkleidete. Auf der Leinwand folgten Kevin Costner ("Die Unbestechlichen"), Tom Cruise ("Mission Impossible") und Leonardo DiCaprio ("Wolf of Wall Street").