Museen
Claus Hecking beschreibt im "Spiegel", wie Präsident Donald Trump mit drastischen Maßnahmen gegen Kunst, Wissenschaft und Sprache vorgeht. Er habe die Smithsonian-Museen als "AUSSER KONTROLLE" bezeichnet und eine Überprüfung angeordnet, um "den amerikanischen Exzeptionalismus zu feiern" und "spaltende Narrative zu beseitigen". Bürgerrechtlerin Nadine Strossen spricht von "Orwell auf Steroiden" und warnt, das Löschen von Begriffen wie "Diversität" oder "Transgender" diene dazu, Ideen selbst zu unterdrücken. Suzanne Nossel, Ex-Chefin von Amnesty USA, sieht eine "staatliche Zensur", repressiver als je zuvor. Hecking urteilt: "Jetzt erlebt Amerika, was Cancel-Culture wirklich heißt" – diesmal von rechts und mit "totaler Kontrolle" über die öffentliche Meinung.
In der "FAZ" berichtet Gina Thomas über den Umbau der Londoner National Gallery. Der neu gestaltete Sainsbury-Flügel sei nach mehr als zweijähriger Bauzeit nun wieder eröffnet worden – ein Projekt, das zunächst "Salven bösartiger Kritik" ausgelöst habe. Die deutsche Architektin Annabelle Selldorf habe den Wettbewerb gewonnen und das Entrée respektvoll, aber wirksam umgestaltet. So sei aus dem einstigen Nebeneingang eine "Empfangshalle für die gesamte Galerie" geworden, die den Gründungsgedanken von 1824, "Kunst für jedermann zugänglich" zu machen, unterstreiche. Kritikerinnen wie Denise Scott Brown hätten die Pläne zunächst als "Zirkusclown im Tutu" verspottet, doch inzwischen zeige sich die Galerie in neuem, hellem Glanz. Die neue Hängung eröffne "frische Einblicke" und stelle alte Meister in einen "länder-, schulen- und epochenübergreifenden Dialog".
Kunstmarkt
In der "New York Times" schildert Julia Halperin, wie die bis dato unbekannte Kunstsammlung der Supermarkt-Erbenfamilie Weis nun bei Christie's in New York auf mehr als 180 Millionen Dollar geschätzt wird. Max Carter, Vizechef des Auktionshauses, nannte den Fund "eine dieser Sammlungen, die so privat war", dass selbst Experten kaum wussten, was sich darin befand. Über Jahrzehnte hielten Robert und Patricia Weis Meisterwerke von Rothko, Picasso, Matisse oder Mondrian in ihrem Wohnhaus in einer Kleinstadt in Pennsylvania verborgen. Nun bringen die drei Kinder 80 Werke in die Auktion, darunter ein Rothko im Wert von 50 Millionen Dollar. Marktbeobachter sehen den Verkauf als Prüfstein für ein angeschlagenes Geschäft: Die Beraterin Wendy Cromwell sprach von einer "unglaublichen Blase" im Kunstmarkt, die nun geplatzt sei – auch wenn es noch Käufer für Ikonen gebe, "nur weniger von ihnen".
Thomas Vogel beschreibt in der "wochentaz", wie das Ulmer Kunstkaufhaus vergessene Werke rettet. "Wir sind eine Rettungsstation", sagt Geschäftsführer Markus Kienle, der den Grundstock einst vor der Entrümpelung bewahrte. Heute bringen viele Erben oder Künstler selbst ihre Bestände vorbei, die dicht an dicht im Pop-up-Store hängen. Der Jahresumsatz liege bei 30.000 Euro, der Durchschnittspreis unter 100 Euro – verramscht werde nichts, "aus Respekt vor den ArtistInnen". Kienle beobachtet, dass Jüngere bürgerlich wirkende Kunst wiederentdecken: "Sie finden das schon wieder gut, was uns eher peinlich ist." Vogel betont, dass das Projekt durch seine "Niederschwelligkeit" Menschen erreicht, die nie eine Galerie betreten würden – und dass die Kunstflut dank alternder Babyboomer weiter wächst.
Architektur
Die "FAZ" würdigt Hans Stimmann, der am Freitag im Alter von 84 Jahren in Lübeck gestorben ist, als prägenden Gestalter des wiedervereinigten Berlin. Matthias Alexander schreibt, kein Stadtplaner habe in den vergangenen 50 Jahren "auf das Bild einer deutschen Großstadt einen solchen Einfluss genommen" wie er. Stimmann, Sohn eines Maurers und selbst gelernter Handwerker, sei als Senatsbaudirektor von 1991 bis 2006 mit Machtbewusstsein und klarer Agenda aufgetreten. Sein Konzept der "Kritischen Rekonstruktion" zielte darauf, den historischen Stadtgrundriss zu bewahren, die "Traufhöhe von 22 Metern" durchzusetzen und Investoren an steinerne Fassaden zu binden. Kritiker warfen ihm eine "gleichförmige und schwerfällige Gestalt" der Stadt vor, doch Alexander bilanziert: "Aufs Ganze gesehen, überwiegen die Erfolge, auch im Verhindern des Unsäglichen." Im "Tagesspiegel" schreibt Bernhard Schulz den Nachruf.
Grafik
In der "Zeit" würdigt Florian Illies den Künstler Hans Ticha anlässlich seines 85. Geburtstags als "großen Entzauberungskünstler", dem es wie kaum einem anderen gelungen sei, die deutsch-deutschen Fronten nach 1989 spielerisch zu überwinden. Ticha habe sich in der DDR Nischen gesucht – etwa im Kinderbuch oder in Lieder- und Schulbüchern – und dabei aus den Formensprachen der 1920er-Jahre und der Pop-Art geschöpft. Besonders virtuos sei sein Umgang mit der Bildsprache der DDR-Propaganda: Jubelgesten und klatschende Hände habe er durch ironische Brechung "wieder human" gemacht. Illies betont, dass Ticha sich schon zu Lebzeiten "freigestrampelt" habe aus ideologischen Bewertungsnetzen. Heute werde seine Malerei für "Prägnanz" und "Witz" gefeiert – früher entlarvte sie die Leere des Ostens, seit 1990 ebenso die des Westens.