Im Berliner Haus der Kulturen der Welt hat die Absage des Konzerts von Rapper Chefket durch Jan Böhmermann eine Kettenreaktion ausgelöst. Nachdem Kulturstaatsminister Wolfram Weimer die Ausladung wegen möglicher antisemitischer Inhalte gefordert hatte, erklärten alle weiteren beteiligten Musiker ihren Rückzug. Die Band Blumengarten schrieb, sie habe sich "unter diesen Umständen nicht wohlgefühlt". Sängerin Mine begründete ihre Absage mit den Worten: "Die Lage in Gaza ist entmenschlichend. Der Genozid ist für alle sichtbar." Auch Domiziana kritisierte, das veröffentlichte Statement sei "ernüchternd". Damit ist die gesamte Konzertreihe ins Wanken geraten. Im "Stern" kritisiert Moritz Hackl, Böhmermann habe "klein beigegeben". Statt Debatte sei nun eine "leere Bühne" geblieben. Hackl moniert, man habe die Chance vertan, "den Streit zu suchen" und Chefket zu befragen, was er sich bei dem T-Shirt gedacht habe. So aber lande man bei Frontstellungen: "Die einen sind die Antisemiten, die anderen Zionazis."
Laut WDR 3 wurde die Künstlerin Melisa Kujević vom Lichtkunstfestival Goldstücke in Gelsenkirchen ausgeladen, da ihr Werk "Hallender Hass", das die Sprache der AfD thematisiert, angeblich gegen die politische Neutralität verstoße. "Ich möchte eine Antwort haben", sagt die Künstlerin. "Warum darf dieses Kunstwerk nicht gezeigt werden? Wieso stößt es gegen irgendein Neutralitätsgebot? Sonst sehe ich es einfach als Zensur." Die Stadt begründete, das Werk passe nicht in das Konzept der Ausstellung, die unter dem Titel "Active Positive" die Lebenswelt positiv darstellen solle. WDR-Reporter Patrick Würmer wies darauf hin, dass die Künstlerin alle Gespräche und Vereinbarungen dokumentiert habe, das Werk also bereits lange bekannt war. Nach Kujevićs Ausladung erklärten sich auch die anderen Künstlerinnen und Künstler der Hochschule für Bildende Künste Saarbrücken solidarisch und sagten ihre Teilnahme ab. Wiermer vermutet politische Motive: "Die Kunstfreiheit ist eines der wichtigsten Grundrechte in unserem Land. Die Argumente der Stadt reichen dafür aus meiner Sicht nicht."
Kunstfälschung
Dem japanischen Sender NHK zufolge ist in Japan eine neue Fälschung des Kunstfälschers Wolfgang Beltracchi aufgetaucht. Es handelt sich um eine Nachahmung von Moise Kislings Gemälde "Kiki de Montparnasse", die sich im Besitz der Firma Yamada Bee Farm in Okayama befindet. Beltracchi selbst räumte im NHK-Interview ein: "Ich habe es um 1990 gemalt." Er habe Kisling intensiv studiert und sei überzeugt, dass die Leute nicht enttäuscht seien, da es sich um ein "außergewöhnlich gutes Werk" handle. Ein Berliner Ermittler bestätigte NHK, Beltracchi habe das Bild bereits in seiner Autobiografie erwähnt. Das Unternehmen kündigte an, das Werk mit einem Hinweis auf die Fälschung öffentlich zu zeigen. Eine Sprecherin betonte jedoch: "Für ihn mag dieses Gemälde ein Kunstwerk sein, aber ich kann das nicht akzeptieren." Beltracchi selbst sagte, viele seiner rund 300 Fälschungen zirkulierten noch immer als echte Werke.
Ausstellung
Tom Seymour berichtet im "Cultured"-Magazin, wie die Fondation Louis Vuitton in Paris Gerhard Richter zu einer umfassenden Retrospektive bewegen konnte. Die Ausstellung, kuratiert von Nicholas Serota und Dieter Schwarz, zeigt ab 17. Oktober 270 Werke aus über sechs Jahrzehnten. Seymour erklärt, dass Richter zunächst gezögert habe, weil er "in seinem Alter nicht mehr gereist" sei und die Verantwortung groß erschien. Sein Galerist David Zwirner sagte: "Ich musste ein bisschen Händchenhalten und ihm zeigen, wie fantastisch die Fondation und ihre Ausstellungsräume sind. Als Serota und Schwarz zugesagt hatten, war er sehr glücklich, das Projekt in ihre Hände zu geben." Die Retrospektive beginnt mit frühen Werken wie "Tante Marianne" (1965), thematisiert persönliche und politische Erinnerung und zeigt Richters Entwicklung von Fotomalerei zu großformatigen Abstraktionen. Seymour betont, dass Richter trotz internationaler Aura ein "außergewöhnlich ehrlicher und demütiger Mann" sei, dessen Werke emotionale Tiefe besitzen.
Podcast
Im "The Art Newspaper"-Podcast "A brush with ..." spricht Wolfgang Tillmans über sein vier Jahrzehnte umfassendes Werk. Der deutsche Künstler reflektiert unter anderem Einflüsse wie Kurt Schwitters, Francisco de Zurbarán, Isa Genzken, Laurie Anderson und Jiddu Krishnamurti und gewährt Einblicke in sein Studioleben, beantwortet Fragen nach der Funktion von Kunst und deren Bedeutung.
Architektur
Nikolaus Bernau schreibt in der "taz", der Deutsche Architekturpreis 2025 ändere wenig an den großen Problemen der Baukultur – "Wohnungsmangel, Bodenfrage, miese Öko-Bilanz". Zwar sei das ausgezeichnete "Franklin Village" von Sauerbruch Hutton ein "werthaltiger" Holzbau mit Grünhöfen, gemeinschaftlichen Strukturen und sozial geförderten Wohnungen, doch fehle die städtische Dichte, die die Wohnungsnot wirklich lindern könnte. Auch andere prämierte Projekte wie die "Aufstockung Nordgrün" in Karlsruhe zeigten zwar intelligente Ansätze zum Flächensparen und Energieerhalt, blieben aber im Rahmen des Machbaren. Bernau resümiert: "Noch sehen wir keine Antwort der Architektur auf die Wohnungs- und die Fluchtkrise, die wachsenden Konflikte zwischen Metropolen und vernachlässigtem Land oder den Klimawandel." Stattdessen eint die ausgezeichneten Bauten eine "Vorsicht vor Baukosten, vor ausufernden Bauregeln, vor einem von der Politik diktierten Mittelstandspragmatismus".
Das besondere Kunstwerk
Bei der diesjährigen Raising Hope Conference in Rom hat Papst Leo XIV ein 20.000 Jahre altes Stück grönländischen Gletschereises berührt, das als Kunstwerk von Ólafur Elíasson ausgestellt wurde. Das Eis, das aus dem Nuup-Kangerlua-Fjord stammt und mit Unterstützung des Geologen Minik Rosing transportiert wurde, symbolisiert die Vergänglichkeit und die globale Verantwortung im Umgang mit der Natur. Elíassons Studio betont in einem Instagram-Post das Konzept der "mehr-als-menschlichen Welt", wonach Menschen Teil einer größeren Lebensgemeinschaft aus Tieren, Pflanzen und Elementen sind. Das Schmelzen des Eisblocks verweist auf die Bedeutung Grönlands als Klimaregulator: Die Nasa schätzt, dass die Eisschicht jährlich etwa 270 Milliarden Tonnen verliert. Das Kunstwerk verbindet historische Dimensionen des Klimas mit der Gegenwart und macht auf die existenzielle Bedrohung durch den Klimawandel aufmerksam.