Kunstmarkt
In "Vanity Fair" beschreibt Nate Freeman, wie die Kunstmesse Art Basel/Miami Beach ihren Kultstatus verliert – und zugleich in neue Extreme kippt. Die Messe sei "nur noch eine Station im globalen Jet-Set-Karussell", viele Galerien sagten ab. Doch statt des großen Kunstmarktes dominierten jetzt Marken-Events: "Basel Miami ist immer noch das schlagende Herz der Kunstwelt. Und es ist der Ort, an dem die Marken kollaborieren." Ikea verspricht für diese Ausgabe, die diese Woche stattfindet, "Beats, vibes und ikonisches Essen", Cartier lädt zu einem "immersiven Panther-Erlebnis". Freeman spricht von einer Überdosis "collab/partnerships", sogar NFT-Kliniken und eine "Bitcoin-Art-Retrospective" tauchen auf. Ironisch bilanziert er, ein Werk von Beeple zeige Roboterhunde mit Promi-Köpfen: "Und zu denken, wir hätten je erwogen, nicht nach Miami zu kommen."
In der "New York Times" porträtiert Robin Pogrebin den Hollywood-Mogul Michael Ovitz als besessenen Sammler, der sein Anwesen in Beverly Hills in ein Privatmuseum verwandelt hat. Ovitz sammelt "Picassos, Lichtensteins, afrikanische Masken, Ming-Möbel" – und lädt regelmäßig Museumschefs und Künstler zu privaten Touren. Er beschreibt seine Leidenschaft als lebenslange Obsession: "Die Kunstsammlung ist, mehr als alles andere, wer ich bin." Ovitz mischt Genres und Epochen bewusst, weil er in ihnen zeitlose Qualität erkennt: "Faszinierend zu denken, dass das vor 200 Jahren gemacht wurde. Es ist so gut wie alles von Rodin." Gäste, die moderne Kunst unterschätzen, bekommen sogar einen Pinsel in die Hand gedrückt: "Wie mischt man Farbe? Wie entsteht aus dem Nichts ein Bild?"
In der "FAZ" porträtiert Ursula Scheer den Auktionator Henrik Hanstein, der seit 50 Jahren das Kölner Auktionshaus Lempertz führt. An seine erste Versteigerung habe er "schreckliche" Erinnerungen, heute habe er "ein Gespür dafür entwickelt, wer als nächster bieten wird". Hanstein beschreibt die technische Revolution der Branche: Dank neuer Röntgenverfahren könne "ein Beltracchi niemanden mehr täuschen". Seine größte Freude bleibe das Entdecken: Die Wiederentdeckung einer Flinck-"Tronie" sei ein Höhepunkt seiner Jubiläumsauktion "My Choice", in der Hanstein bewusst Grenzen überschreitet – zwischen Alten Meistern, Moderne, Zeitgenössischem und Schmuck. Vom Ruhestand hält er wenig: "Nichtstun kommt für mich nicht infrage." Marcus Woeller schaut in der "Welt" auf ein besonderes Los der Lempertz-Jubiläumsauktion am Donnerstag: ein als Ring gefasster Saphir.
Kunst im öffentlichen Raum
In der "FAZ" kommentiert Simon Strauß die neue Aktion des Zentrums für Politische Schönheit: Vor der CDU-Zentrale wurde ein Denkmal für den ermordeten Politiker Walter Lübcke errichtet. Die Gruppe wolle damit "gegen die Normalisierung der AfD" protestieren und vor einem "Schulterschluss zwischen Konservativen und Faschisten" warnen. Strauß kritisiert, Lübcke werde "als Bannerträger des antifaschistischen Widerstands instrumentalisiert", und der Aktivismus sei ungewöhnlich institutionell legitimiert – sogar vom Bezirksamt Mitte. Besonders irritiert ihn der verwendete Satz "Demokratien werden nicht gestürzt – sie werden verraten!"; so bediene die Gruppe laut Strauß das Vokabular ihrer Gegner. Seine Diagnose: "Auch die Schönheit wird hierzulande hässlicher."
Im "Tagesspiegel" berichtet Nikolaus Bernau über die kontroverse "Judensau"-Skulptur an der Kirche St. Stephani im sachsen-anhaltischen Calbe – und den Versuch, sie durch eine Metall-"Einfriedung" zu kontextualisieren. Der Bildhauer Thomas Leu nennt sie ein "Friedenssymbol, um dem skulpturgewordenen Hass etwas entgegenzusetzen". Die Gemeinde wolle das antisemitische Erbe nicht verdrängen, sondern das Gespräch ermöglichen. Historiker Hartmut Kühne zeigt, dass die Figur wohl "nicht mittelalterlich, sondern um 1900" entstanden ist – als Ausdruck des Antisemitismus im Kaiserreich. Anders als in Wittenberg oder Regensburg setzt Calbe auf Verhüllen und Sichtbarmachen zugleich. Bürgermeister Sven Hause hofft, dass Schüler hier über "Ausgrenzung, Hass und Entrechtung" sprechen können.
Im "Guardian" kündigt Kim Willsher an, dass der französische Künstler JR 2026 die Pariser Pont Neuf verhüllen wird – als Hommage an Christo und Jeanne-Claude. Für JR ist es "zu 100 Prozent das herausforderndste Projekt, das ich je gemacht habe". Er sagt, die Brücke werde wie ein Felsmassiv wirken: "Man wird diese riesige Felsformation mitten in der Stadt sehen. Das wird wirklich störend sein." Die Christo-Foundation gibt ihm freie Hand; Direktor Vladimir Yavachev spricht von einer "künstlerischen Carte Blanche". Anders als 1985 erhielt JR sofort politische Zustimmung. Für ihn ist es ein historischer Schritt: "Es ist eine enorme Verantwortung, aber auch ein unglaublicher Moment, etwas wirklich Hypnotisierendes zu schaffen, das die Stadt prägt – so wie Christo und Jeanne-Claude es taten."
Fotografie
In der "Zeit" spricht Tina Ahrens mit dem US-amerikanisch-mexikanischen Fotografen Philip Montgomery, der in den Hamburger Deichtorhallen "American Cycles" zeigt. Montgomery beschreibt sein Konzept, Amerika "wie einen Tatort" zu fotografieren: "Vielleicht kann ich so auch mein Amerika zeigen – mit Bildern als Beweismitteln." Er sagt, seine Arbeit liege "zwischen künstlerischer und dokumentarischer Fotografie". Besonders beschäftigt ihn die politische Spaltung und Migration: Trump habe "beispiellose, oft brutale Maßnahmen" eingeführt, in Los Angeles erlebe er "eine Eskalation, die ich mir nicht hätte vorstellen können". Montgomery berichtet auch über seine Porträts: Trump sei "charmant, offen, freundlich" gewesen und: "Ich habe Trump als überraschend großzügiges Gegenüber erlebt".
Mode
In der deutschen "Vogue" spricht Bettina Krause mit Takashi Murakami über seine neue, bei der Art Basel Paris präsentierte Louis-Vuitton-Kollektion "Artycapucines". Die elf Modelle verbinden Kunst, Luxus und Handwerk. Murakami erklärt, seine Motive stammten aus der Otaku-Kultur, in der "immer zugleich positive und negative Aspekte enthalten sind". Besonders fasziniert habe ihn die "Capubloom": "Ich dachte: Wie soll daraus jemals eine Tasche werden?" Sein Favorit aber sei die "Capucines XXL Camo", weil es "eine Tasche ist, die ich selbst benutzen kann". Käufer seien Menschen "mit einer rauen, wilden, tobenden Seele". Auf die Frage nach Kunst oder Luxus sagt er: "Für mich sehen sie jedenfalls nicht wie Taschen aus." Seine Intention: Grenzen zu verschieben und zu zeigen, "was alles möglich ist."