Kunstmarkt
"ARTnews" zeichnet nach, wie tief der verurteilte Sexualstraftäter Jeffrey Epstein im Kunstbetrieb vernetzt war. Epstein habe "mehr als nur mit Kunst geliebäugelt" und Beziehungen zu Sammlern, Künstlern und Institutionen gepflegt. Seine eigene Sammlung beschreibt Kritiker Ben Davis als "zusammengewürfelt", geprägt von Provokation und Kuriosität – etwa Petrina Ryan-Kleids Gemälde Parsing Bill, das Epstein laut E-Mail so platzieren ließ, "damit die Vorbeigehenden lächeln können". Brisant sind Epsteins Verbindungen zu Großsammlern wie Leon Black, dessen Zahlungen von 158 Millionen Dollar untersucht wurden, sowie Kontakte zu Jeff Koons und der New York Academy of Art. Das Autorenduo aus Alex Greenberger und Claire Selvin zeigt, wie Museen und Akteure heute ihre Nähe zu Epstein "neu aufarbeiten und hinterfragen" müssen. Olga Kronsteiner geht im "Standard" näher auf die Leon-Black-Connection ein: Black habe Epstein zwischen 2012 und 2017 insgesamt 158 Millionen Dollar gezahlt, was ihn zur Haupteinnahmequelle des Verurteilten machte. Die Zahlungen dienten offiziell Steuer- und Nachlassplanungsdienstleistungen, doch Gerüchte über andere "Dienstleistungen" kursieren weiterhin. Black sah sich später auch mit Missbrauchsvorwürfen konfrontiert, die teilweise juristisch eingestellt wurden. Blacks Kunstbesitz umfasse Egon Schieles "Flusslandschaft mit zwei Bäumen", Max Beckmanns "Selbstporträt mit Horn" und Ludwig Kirchners "Berliner Straßenszene".
Kulturerbe und Kunstgeschichte
"La Repubblica" berichtet über die von ihr gestartete Kontroverse um ein restauriertes Fresko in der römischen Basilika San Lorenzo in Lucina, dessen Engel auffallend an Ministerpräsidentin Giorgia Meloni erinnert. Laut der Zeitung lasse sich nun sogar eine konkrete Fotografie als Vorlage identifizieren: ein offizieller Auftritt des italienischen Staatsoberhaupts im Dezember 2023 im Innenministerium. Restaurator Bruno Valentinetti habe zwar bestritten, sich an der Politikerin orientiert zu haben, und erklärt, er habe lediglich "die Originalzeichnung nachgezeichnet". Im direkten Vergleich werde jedoch deutlich, "was als Inspirationsquelle gedient haben könnte". Der Kardinalvikar Baldo Reina distanziert sich laut "Repubblica" klar und betont, sakrale Kunst dürfe "nicht für unzulässige Zwecke oder Instrumentalisierungen missbraucht werden". Trotz der Kritik zieht das Werk zahlreiche Besucher an.
Der "Art Newspaper"-Autor Martin Bailey berichtet über eine neue kunsthistorische Kontroverse um ein Dürer-Gemälde der Londoner National Gallery. Der Wiener Dürer-Spezialist Christof Metzger erkläre in seinem neuen Werkverzeichnis, das lange als Kopie geltende "Bildnis des Vaters des Künstlers" sei "tatsächlich von der Hand des Meisters" und auf 1497 zu datieren. Metzger verweise auf die "erfahrene Pinselführung und meisterhafte Lasurtechnik", durch die selbst feinste Details der gealterten Haut sichtbar seien. Die National Gallery widerspreche jedoch entschieden. Ihre frühere Kuratorin Susan Foister argumentiere, die Malschicht sei stark beschädigt und entspreche nicht Dürers Technik, die "in der Regel eine makellos glatte Oberfläche" erzeuge. Bailey schildert den Streit als exemplarisch für grundlegende Fragen der Zuschreibung – mit möglichen Folgen für das Verständnis von Dürers Werkentwicklung.
Interview
In einem "Berliner Zeitung"-Gespräch mit Susanne Lenz reflektiert der Künstler Ai Weiwei über seinen ersten China-Besuch nach zehn Jahren. Er betont: "Mir ist in China Erfreuliches begegnet, und das können die meisten Menschen nicht akzeptieren." Gleichzeitig bleibt er kritisch: "Ein Dissident ist doch jemand, der in Opposition geht. Ich bin immer anderer Meinung." Ai Weiwei beschreibt China als unverändert autoritär: "China hat sich nie grundlegend geändert. Es ist immer noch dieselbe Partei, die über das Narrativ bestimmt." Über seine künstlerische Praxis sagt er: "Ohne Meinungsfreiheit würde ich ersticken, ich brauche sie wie die Luft zum Atmen." Er spricht auch über persönliche Erfahrungen: die Verbannung seines Vaters, seine Familie im Westen und die Verantwortung gegenüber seinem Sohn. Ai Weiwei kündigt zudem sein neues Buch über Zensur an, in dem er untersucht, wie autoritäre Strukturen und Mainstream-Macht freie Meinungsäußerung bedrohen.