Debatte
In der "Zeit" kommentiert Tobias Timm Wolfram Weimers Vorstoß zu einem neuen Berlinale-"Verhaltenskodex". Auslöser sei die Rede des ausgezeichneten Filmemachers Abdallah Alkhatib, die laut dem Juristen Ronen Steinke "absolut im Rahmen des Legalen" gewesen sei. Timm fragt, wie ein Kodex freie Meinungsäußerung verbieten solle, und warnt vor "heiklem, ja gefährlichem Terrain". Weimer habe von "politischer Polarisierung" gesprochen, Aktivisten hätten die Stimmung "regelrecht vergiftet". Timm hält dagegen: Preisreden blieben gerade dann in Erinnerung, wenn Künstler nicht brav Danke sagen – maßgeblich sei das Grundgesetz.
Apropos Kunstfreiheit: In "El Pais" berichtet Rodrigo Naredo, dass der Círculo de Bellas Artes in Madrid aus EU-Mitteln rund 320.000 Euro für ein vierjähriges Projekt erhält. Die Europäische Union unterstützt damit die Europäische Allianz der Akademien, ein Netzwerk führender Kulturinstitutionen wie der Akademie der Künste in Berlin oder der Royal Academy in London, um "den zunehmenden Druck auf die künstlerische Freiheit" zu dokumentieren. Der Círculo wird eine digitale Karte erstellen, die Einschränkungen und Bedrohungen der Kunstfreiheit in Europa sichtbar macht – die Region Madrid wird dabei als Fallstudie einbezogen. Direktor Valerio Rocco sagt, dies sei eine "Legitimierung" des Netzwerks und zeige den Wert der Institutionen. Auch Projektkoordinatorin Christiane Lötsch betont, dass EU-Förderung ein politisches Signal für die Bedeutung kreativer Freiheit sei. Hintergrund sind drastische Kürzungen der regionalen Förderung, die laut Rocco und Lötsch die kulturelle Landschaft stark beeinträchtigen.
Museen
In der "Weltkunst" spricht Kira Breitbach mit dem Direktor des Kölner Museum Ludwig, Yilmaz Dziewior, über 50 Jahre Hausgeschichte. Die Schenkung von Peter Ludwig und Irene Ludwig 1976 sei die "Initialzündung" gewesen; sie habe Sammlung und Profil nachhaltig geprägt. "Der Anspruch der Ludwigs war, enzyklopädisch zu sammeln", zitiert Breitbach – global und früh auch in Asien und Lateinamerika. Zum Jubiläum rückt Yayoi Kusamas "Compulsion Furniture" ins Zentrum. Dziewior betont, man entwickle die internationale Ausrichtung weiter und erweitere Bestände von Roy Lichtenstein bis Eva Hesse.
Der "Guardian" feiert eine "Explosion" von Einzelausstellungen von Künstlerinnen in Großbritannien. Vier Jahrzehnte nach der Frage der Guerrilla Girls, ob Frauen "nackt sein müssen, um ins Met Museum zu kommen", zeige sich ein Wandel. Retrospektiven für Tracey Emin oder Rose Wylie korrigierten Versäumnisse. Die anhaltende "Kraft und Wirkung" dieser Positionen sei erst jetzt von Museen, Medien und Markt anerkannt worden, heißt es unter Verweis auf Maria Balshaw. Künstlerinnen holten sich den Blick auf ihre Körper zurück – "die Scham muss die Seite wechseln".
Kunstmarkt
Auf der Kunstmesse Tefaf in Maastricht sehen sich Aussteller wegen der EU-Verordnung 2019/880 vor große Bürokratie gestellt, berichtet Melanie Gerlis in der "Financial Times". Sie soll den Handel mit gestohlenen oder geplünderten Kunstwerken verhindern, verlangt aber für Objekte über 200 Jahre aus Nicht-EU-Ländern Nachweise über den legalen Export. Mark Dodgson kritisiert, die Regeln seien übertrieben, Sara Öberg Strådal beschreibt den Aufwand so groß "wie einen Boardingpass 20 Jahre aufzubewahren". Tefaf-Chef Will Korner sagt, Aussteller müssten ständig mit Behörden sprechen. Die EU betont, die Vorschrift sei nötig, damit Importeure kontrollierbar bleiben. Salomon Aaron hebt aber hervor, dass Käufer so "Vertrauen in die dokumentierte Herkunft" gewinnen. Der Handel mit Antiquitäten sei bisher um 25 Prozent zurückgegangen, die langfristigen Folgen seien noch unklar.