Medienschau

"Die Kultur lässt die Stadt leuchten"

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Ex-Kulturstaatsministerin Grütters wirft sich für die Berliner Kultur in die Bresche, Gagosian schließt zwei Standorte – und der Trend geht zu winzigen Kunstwerken an riesigen Wänden: Das ist unsere Medienschau am Montag

Kulturpolitik

Im "Tagesspiegel" plädiert die ehemalige Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) dafür, Berlins Kultur trotz Haushaltskrise nicht kaputtzusparen. In ihrem Gastbeitrag schreibt sie, Kultur sei "Identität, Wirtschaftsfaktor und internationales Aushängeschild" der Stadt. Die Politik müsse Künstlerinnen und Künstler mit "Respekt und Empathie" behandeln und neben staatlichem Engagement auch private Investitionen fördern. Grütters warnt, Kürzungen würden nicht nur die kulturelle Vielfalt gefährden, sondern auch wirtschaftlichen Schaden anrichten. "Die Kultur lässt die Stadt leuchten", betont sie, ein Großteil der Touristen komme ihretwegen nach Berlin. Statt einer "herzlosen Excel-Tabelle" fordert sie einen Dialog mit den Institutionen. Kultur sei "keine Subvention, sondern eine Investition in die Zukunft".

Debatte

Klaus Englert argumentiert in der "taz", dass sich sowohl Martin Heidegger als auch Joseph Beuys früh mit den Ursachen der heutigen Klimakrise auseinandergesetzt hätten. Beuys habe bereits Ende der 1970er-Jahre ein Wirtschaftssystem kritisiert, das auf der "hemmungslosen Ausplünderung der Naturgrundlage" beruhe und dessen "expansivem Wachstum immer mehr Lebenslinien und -kreisläufe" zum Opfer fielen. Englert sieht darin eine Parallele zu Heideggers Kritik am "Zeitalter der Vernutzung" und dessen Warnung vor dem "planetarischen Imperialismus des technisch organisierten Menschen". Während Heidegger die "Erneuerung der Welt aus der Rettung der Erde" forderte, habe Beuys mit seiner Documenta-Aktion "7000 Eichen" ein konkretes ökologisches Gegenmodell geschaffen.

Kunstmarkt

Das Ende von mega? Im "Art Newspaper" berichtet Tim Schneider, dass die Galerie Gagosian ihre Standorte in Basels Altstadt und der Londoner Burlington Arcade aufgibt. Beide Räume seien ursprünglich als Pop-up-Projekte entstanden und später zu dauerhaften Ausstellungsorten geworden. Die Galerie erklärte, sie prüfe in Basel bereits "andere Immobilienoptionen". In London müsse sie weichen, weil der Eigentümer einen langfristigen Mieter suche. Schneider ordnet den Schritt in eine breitere Konsolidierung des Galeriemarkts ein: Nach den Stellenstreichungen und der Verkleinerung von Pace sowie dem Rückzug von David Zwirner aus einem New Yorker Standort überprüften mehrere Mega-Galerien derzeit ihre Immobilienstrategie. Gagosian betont jedoch, dass die beiden großen Londoner Galerien bestehen bleiben.

Und das Ende von mega ist vielleicht der Beginn von min? In der "Financial Times" berichtet Keith Flanagan über einen neuen Einrichtungstrend: Statt großer Gemälde hängen Designer zunehmend winzige Kunstwerke allein an riesigen Wänden. Die Miniaturen würden gerade durch ihre scheinbare Unangemessenheit Aufmerksamkeit erzeugen. Innenarchitektin Valerie Name Bolaño sagt, ein kleines Werk "stellt andere Anforderungen an dich" – es zwinge dazu, näher heranzutreten, langsamer zu schauen und bewusster wahrzunehmen. Pierre Yovanovitch spricht von "perfekte Unvollkommenheiten": Gerade das Spiel mit falschen Proportionen mache Räume spannend. Flanagan zeigt, dass kleine Arbeiten nicht nur Platz sparen, sondern auch eine intimere Beziehung zwischen Werk und Betrachter schaffen. Athena Calderone beschreibt sie als Elemente, die "das Auge führen" und Räume erst nach und nach erschließen.

In der "FAZ" stellt Ursula Scheer den Südtiroler Online-Galeristen Christoph Oberlechner und seine Kunst-App 24hdrop vor. Das Konzept: Jeden Donnerstag wird für 24 Stunden nur ein Originalwerk angeboten, anschließend entscheidet das Los über den Kauf. Oberlechner sagt, er wolle Kunst "wieder mehr Fun in den Kunstkaufprozess reinbringen" und Menschen erreichen, die nicht Teil der klassischen Galerien-Bubble seien. Die App solle keine Konkurrenz zu Galerien sein, sondern neue Sammlerinnen und Sammler gewinnen. Mit rund 10.000 Downloads und Werken zwischen 2000 und 7000 Euro sieht er Erfolgschancen auch in schwierigen Marktzeiten. Scheer beschreibt das Modell als "kontaktlose Spielerei für zwischendurch" – und fragt, ob diese Vereinfachung dem Kunstkauf neue Zugänge eröffnet.

In der "NZZ" spricht Michael A. Gotthelf mit dem Christie’s-Manager Dirk Boll über den anstehenden 125. Geburtstag von Alberto Giacometti. Boll sagt, Giacometti habe sich in Paris den "großen Fragen der Zeit" gewidmet und die internationalen Strömungen der Moderne aufgenommen. Seine langgestreckten Skulpturen seien "zu seinem Markenzeichen geworden". Den anhaltenden Erfolg erklärt Boll damit, dass Giacometti sich "zentraler Themen der menschlichen Existenz angenommen" habe und sich "immer weiter zur Essenz des Menschseins vorgetastet" habe. Für Sammler besäßen seine Bronzen eine besondere "room power". An der Bedeutung des Werks lasse sich deshalb nicht zweifeln: "Unbedingt hat das Werk Bestand", so Boll. Die sorgfältige Dokumentation und das Werkverzeichnis der Giacometti-Stiftung erschwerten zudem Fälschungen erheblich.