Kunstmarkt
Beim ersten VIP-Tag der ersten Art Basel Qatar in Doha lag der Fokus auf kuratierten Solo-Präsentationen statt auf Verkaufsrausch, berichtet Kabir Jhala in "The Art Newspaper". Art-Basel-Chef Noah Horowitz betonte: "Es mag wie eine Biennale wirken, aber vergessen Sie nicht, dass alles verkauft wird." Guillaume Cerutti, Präsident der Pinault Collection, lobte das kleinere Format", es "schafft einen deutlich besseren Rahmen, um sich intensiv mit den Arbeiten auseinanderzusetzen." Viele Werke wurden von Qatar Museums für seine kommende Sammlung reserviert. Die Dubai-basierte Sammlerin Salma Shaheem stellt fest: "Hier wird nicht planlos gekauft, sondern deutlich überlegter in den letzten Jahren."
Brittany Rosemary Jones berichtet für den "Observer" über die neue Dokuserie "The Oligarch and the Art Dealer" von Andreas Dalsgaard und Christoph Jörg, die den jahrelangen Rechtsstreit zwischen dem russischen Oligarchen Dmitry Rybolovlev und dem Schweizer Kunsthändler Yves Bouvier aufrollt. Die Serie beleuchtet nicht nur die milliardenschwere Auseinandersetzung über überhöhte Kunstpreise, sondern auch die globalen Strukturen von Steuerparadiesen und Diskretion im Kunstmarkt. Dalsgaard erklärt: "Diskretion ist nur ein beschönigender Ausdruck für Geheimhaltung. Und wer braucht Geheimnisse? Typischerweise Leute, die nicht wollen, dass die Welt sieht, was sie tun." Jörg ergänzt: "Du musst verstehen, dass du Teil eines Milliardenspiels bist – sogar als Zuschauer, weil sie die öffentliche Meinung beeinflussen wollen." Die Dokuserie zeige, wie Kunstwerke im oberen Marktsegment als Finanzinstrumente genutzt werden und wirft ein Licht auf die Macht- und Geheimhaltungsmechanismen hinter den Kulissen.
Kunstbetrieb
Brian Boucher berichtet auf "ARTnews", dass David A. Ross, ehemaliger Direktor von SFMOMA und Whitney Museum, als Vorsitzender des MFA-Programms an der New Yorker School of Visual Arts zurückgetreten ist, nachdem Enthüllungen aus den Epstein-Dateien seine Verbindungen zu Jeffrey Epstein zeigten. Ross erklärte: "Als Jahre später bekannt wurde, dass er erneut wegen derselben Vorwürfe untersucht wurde, habe ich mich gemeldet, um Unterstützung zu zeigen. Das war ein schrecklicher Fehlurteil." In den Dokumenten tauchen zahlreiche persönliche Nachrichten auf, in denen Ross Epstein unterstützt. 2015 schrieb er: "Es deprimiert, zu sehen, wie du wieder durch den Dreck gezogen wirst. Ich bin immer noch stolz, dich Freund nennen zu können." Die Files werfen ein Schlaglicht auf das Netzwerk aus Kunstwelt, Einfluss und Macht, in dem sich Ross und Epstein bewegten.
In der römischen Basilika San Lorenzo in Lucina sorgt ein Engelsfresko für Aufsehen, das den Zügen von Ministerpräsidentin Giorgia Meloni ähnelt (siehe Medienschau von gestern). Peter Kümmel zieht in der "Zeit" eine literarische Parallele: In J. G. Ballards Geschichte "Der verschwundene Leonardo" verändert der ewige Jude Ahasver heimlich die Gesichter in Gemälden, um selbst nicht als kalt oder höhnisch dargestellt zu werden. Kümmel spekuliert: "Was, wenn Giorgia Meloni [...] dem Engel in der Basilika doch ihr eigenes Gesicht aufgepinselt hätte? Gewissermaßen als Hinweis darauf, wie sie in Erinnerung behalten werden möchte?" Laut Restaurator Bruno Valentinetti trug der Engel "schon seit dem Jahr 2000 die Züge Melonis". Kümmel deutet die Ähnlichkeit als möglichen "lässigen Wink der Vorsehung". Allerdings, das steht nicht in der "Zeit", ist nun auch die fotografische Vorlage für das Melonie-Porträt bekannt, ein Bild aus dem Jahr 2023, und Valentinetti hat gestanden, dass er sie benutzt hat.
Àngels Miralda beschreibt in der "Frieze" eine zunehmende Machtkonzentration im internationalen Kunstbetrieb. "Wenn Macht unkontrolliert bleibt, neigt sie dazu, sich anzuhäufen", schreibt Miralda mit Blick auf den Biennale-Zirkus, der heute vor allem von institutionellen Leitungen kuratiert werde. Diese "Tendenz, an der Macht festzuhalten", führe zu "struktureller Immobilität" und blockiere Karrieren unabhängiger Kuratoren. Biennalen suchten weniger intellektuelle Beiträge als "institutionelle Beziehungen", während Assistenzen überlastet seien und neue Stimmen kaum durchdringen. Die Kunstwelt gleiche zunehmend einer "Oligarchie", obwohl die Mittel vorhanden wären – sie müssten nur "gerechter verteilt" werden. Miralda fordert verbindliche ethische Standards und kollektive Organisation, um die unabhängige kuratorische Praxis zu retten.
Porträt
Rachel Wetzler berichtet in "Artforum" über die Rückkehr des Künstlers Banks Violette, dessen 2005 im Whitney Museum gezeigte Installation einer verbrannten Kirche aus Salz und Polyurethan "physisch überwältigend und insubstanziell" wirkte, ein "fossilisiertes Wrack, ein spektraler Abdruck". Violette reflektierte reale Gewaltakte der norwegischen Black-Metal-Szene, schuf aber eine ästhetische Erfahrung, die Moralfragen auf den Betrachter zurückwarf: "Wenn man das ästhetisch überzeugend findet, ist das ein Schritt dem Bösen entgegen, sich direkt neben die Person zu stellen, die das Feuer legt." Nach Jahren der Abwesenheit kehrt er seit 2024 mit neuen Installationen zurück, darunter Skulpturen und Lichtarbeiten für Celine-Geschäfte. Wetzler beschreibt Violettes Werk als Ausdruck von "Erschöpfung, Verzweiflung, Desillusion und Wut", das die Ästhetik nihilistischer Jugendkultur mit minimalistischer Materialität verbindet.
Ausstellung
In der Albertina Modern in Wien zeigt eine Retrospektive Marina Abramovićs Werk, das "von Gewalt und Erotik" geprägt sein soll, wie es die Ausstellungstexte formulieren, kritisiert Südosteuropa-Korrespondent Michael Martens in der "FAZ". "Was ist eine 'Balkan-Identität'? Wo beginnt, wo endet sie?" Die Direktorin Angela Stief verteidigt die Texte als Darstellung der "Gedankenwelt der Künstlerin" und betont, man sei sich "um die Brisanz und das diskursive Potential zeitgenössischer Kunst" bewusst. Die Kuratorin Bettina Busse ergänzt, die Diktion stamme von Abramović selbst, sie beziehe sich auf "historische Erfahrungen, Rituale, Körperbilder und politische Gewalt". Martens bemängelt jedoch, dass das Museum Klischees unkommentiert übernehme, und verweist auf die langjährige österreichische Produktion solcher Stereotype: "Die Betextung der Abramović-Ausstellung zeigt, wie reichhaltig der Vorrat weiterhin ist."
Erinnerungspolitik
Die "Washington Post" berichtet, dass Donald Trump plant, eine Christoph-Kolumbus-Statue auf dem Gelände des Weißen Hauses aufzustellen. Der Präsident wolle den umstrittenen Entdecker bewusst rehabilitieren: "In diesem Weißen Haus ist Christoph Kolumbus ein Held", erklärte Sprecher Davis Ingle. Die Statue ist eine Rekonstruktion eines 2020 von Protestierenden zerstörten Denkmals aus Baltimore. Trump hatte Kolumbus bereits als "den ursprünglichen amerikanischen Helden" gefeiert und appellierte offen an italienischstämmige Wähler: "Erinnert euch daran, wenn ihr in die Wahlkabine geht." Kritiker sehen die Installation als Teil einer umfassenden Umgestaltung des Präsidentensitzes und einer Politik, die historische Rassismus- und Gewaltdebatten gezielt zurückdrängt.
Kunstgeschichte
In der "Times" rekonstruiert Isambard Wilkinson anhand neu entdeckter Archivdokumente einen bislang unbekannten Familienskandal um Diego Velázquez. Entgegen dem Bild des diskreten Hofmalers habe Velázquez versucht, die heimliche Ehe seiner erst 14-jährigen Tochter Francisca mit seinem Schüler Juan Bautista Martínez del Mazo zu verhindern. Die Akten belegen eine Affäre, einen kirchlichen Rechtsstreit und drastische Maßnahmen: Francisca sei nach Sevilla gebracht worden, "ausdrücklich, um die Hochzeit zu verhindern". Zeugen bestätigten, Mazo habe "zwei Nächte Macht über sie gehabt" und ihr die Jungfräulichkeit genommen. Der Fall bedrohte Velázquez’ Ruf am Hof, weshalb er auf Vertuschung setzte. Am Ende setzte sich jedoch das Kirchenrecht durch: 1633 wurde geheiratet. Die Entdeckung zeige, wie sehr Karriere, Moral und Kontrolle im barocken Kunstbetrieb ineinandergriffen.