Medienschau

"Das gesamte Galeriewesen ist zu groß geworden"

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Die Pace Gallery streicht 50 Stellen und trennt sich von 50 Künstlern, das Comeback des Künstleragenten – und Teilnehmer wollen Leitung der Venedig-Biennale verklagen: Das ist unsere Medienschau am Donnerstag

Kunstmarkt

Robin Pogrebin berichtet in der "New York Times" über einen drastischen Einschnitt bei der renommierten Pace Gallery: Die Galerie streicht 50 Stellen und trennt sich von 50 Künstlerinnen und Künstlern. Für die Autorin ist dies "vielleicht das bislang deutlichste Zeichen" eines grundlegenden Wandels im Kunstmarkt. Pace-Chef Marc Glimcher begründet den Schritt mit einer Überdehnung des Systems: "Das gesamte Galeriewesen ist zu groß, zu kommerziell, zu unpersönlich und zu unternehmerisch geworden." Man wisse, dass das stimme, doch "man muss tatsächlich etwas tun, um sich daran anzupassen. Man muss grundlegende Veränderungen vornehmen". Pogrebin ordnet die Entscheidung in eine breitere Krise ein: Seit der Pandemie hätten viele kleine und mittlere Galerien konsolidiert, sich verkleinert oder geschlossen. Selbst Branchenriesen wie Pace, die lange als weitgehend krisenfest galten, stünden inzwischen unter Druck durch hohe Betriebskosten, Inflation, gestiegene Zinsen und globale Unsicherheiten. Die Belegschaft soll um rund 20 Prozent reduziert werden.

Während Galerien unter steigenden Kosten, sinkenden Besucherzahlen und einem schwierigen Markt leiden, entstehen neue Agenturen, die Künstler bei Karriereplanung, Museumskontakten oder Nachlassfragen unterstützen: Anny Shaw beschreibt im "Art Newspaper" ein bemerkenswertes Comeback des Künstleragenten. Der frühere Galerist Jon Horrocks spricht von einem "Zeitgeist-Moment" und sieht die Entwicklung als Reaktion auf einen "turbulenten Markt", der mehr Anpassungsfähigkeit verlange. Anders als Galerien arbeiteten viele Agenturen ohne feste Räume und mit geringeren Kosten. Horrocks wolle den "langsamen, maßgeschneiderten Prozess der langfristigen Karriereentwicklung" übernehmen und damit Galerien entlasten. Die Kunstmarktberaterin Rachel Keller beobachtet zudem, dass Künstler heute selbstbewusster und oft interdisziplinärer agierten. Viele suchten nicht nur Ausstellungen, sondern auch Kooperationen mit Marken oder Unternehmen. Der Berater Allan Schwartzman sieht die Ursache tiefer: Galerien seien seit der Pandemie stärker auf Transaktionen fokussiert, während Künstler nach strategischer Begleitung suchten. Das traditionelle System stehe unter Druck und suche nach neuen Modellen.

Daniel Cassady geht in "ARTnews" der Frage nach, was Galerierepräsentanz heute eigentlich bedeutet – und kommt zu dem Schluss, dass die Antwort deutlich komplizierter ist als das klassische Erfolgsnarrativ vom entdeckten und geförderten Künstler. Im Gespräch mit Künstlern, Galeristen, Anwälten und Beratern zeigt er, dass Vertretung zwar Türen zu Sammlern, Museen und Kuratoren öffnen kann, aber keine Karriere garantiert. Der Maler Nigel Cooke sagt, junge Künstler glaubten oft, mit einer Galerie einer "erlauchten Gemeinschaft" beizutreten und nun werde sich jemand um sie kümmern. Tatsächlich gebe es jedoch selten langfristige Strategien: Über die nächsten Ausstellungen hinaus sei vieles "eine Leerstelle". Anwältin Savannah Huitema erinnert daran, dass es trotz aller Ideale "ein kommerzielles System" bleibe. Gleichzeitig beschreiben Galeristen die Beziehung als Partnerschaft. Der Künstler Sky Glabush verteidigt das übliche 50:50-Modell: "100 Prozent von null sind null." Entscheidend sei nicht, wie viel eine Galerie einbehalte, sondern ob sie überhaupt Reichweite, Kontext und Marktwert schaffe. Cassady verweist zudem auf den Aufstieg von Beratern und Agenturen, die Künstler durch ein immer komplexeres internationales Kunstsystem begleiten. Sein Fazit: Repräsentanz ist kein Endpunkt, sondern nur eine Etappe in einer von Unsicherheit geprägten Künstlerkarriere.

Venedig-Biennale

In einem auf E-flux veröffentlichten offenen Brief werfen 106 Künstlerinnen, Künstler und Kuratorinnen der 61. Venedig-Biennale der Leitung Ignoranz und Intransparenz vor. Die Unterzeichnenden – darunter die britische Künstlerin Lubaina Himid, der österreichische Pavillon um Florentina Holzinger sowie zahlreiche Teilnehmer der Hauptausstellung "In Minor Keys" – verlangen, aus dem neu geschaffenen Publikumspreis gestrichen zu werden. Sie hatten ihren Rückzug bereits am 9. Mai erklärt, nachdem die von Kuratorin Koyo Kouoh berufene Jury aus Protest zurückgetreten war. In dem Schreiben kritisieren sie, der Jury sei kein ausreichender Schutz vor rechtlichen Risiken gewährt worden. Der Publikumspreis sei eine "Ablenkung vom Rücktritt der Jury" und stehe "in direktem Widerspruch zu dem Verfahren, dem wir zugestimmt haben". Besonders empört zeigen sich die Unterzeichnenden darüber, dass ihre Namen trotz des erklärten Rückzugs weiterhin auf den Wahlzetteln auftauchten. Die Biennale habe weder auf den ersten noch auf einen zweiten Brief reagiert. Nun kündigen die Beteiligten weitere rechtliche Schritte an. Die Biennale weist den Vorwurf zurück: Gegenüber "Hyperallergic" erklärte die Stiftung, sie habe den Eingang des Schreibens bestätigt und die Namen bewusst auf den Wahlzetteln belassen, um den Besucherinnen und Besuchern "ihre Meinungsfreiheit" zu garantieren. Stimmen für zurückgezogene Kandidaten würden jedoch "weder für die Preisvergabe berücksichtigt noch veröffentlicht". Die Jury ist Ende April, also wenige Tage vor Beginn der Biennale, im Streit um den Umgang mit Russland und Israel geschlossen zurückgetreten.

Louisa Buck versammelt im "Art Newspaper" Reaktionen auf Koyo Kouohs Hauptausstellung "In Minor Keys". Naomi Beckwith (Documenta und Guggenheim) beschreibt sie als "Polyphonie von Vorschlägen", die das Sehen und Hören neu ausrichte und eine beinahe spirituelle Erfahrung zwischen Vergangenheit und Gegenwart eröffne. Beatrix Ruf (Hartwig Art Foundation) betont die politische und poetische Kraft der Schau, die trotz Konflikten und Protesten überraschende Harmonie entfalte. Diana Campbell (Samdani Art Foundation) hebt Kouohs kuratorische Haltung hervor, Ausstellungen als Räume der Ermächtigung zu verstehen, in denen Mauern eher eingerissen als gebaut würden. Ekow Eshun liest die Biennale als Umsetzung einer Welt ohne Hierarchien, in der viele Stimmen gleichberechtigt nebeneinanderstehen und keinen einzelnen Mittelpunkt bilden. Francesco Manacorda (Castello di Rivoli) plädiert dafür, die Ausstellung nicht nach klassischen Kriterien zu bewerten, sondern als langfristigen Prozess kultureller "Heilung" jenseits westlicher Bewertungsmaßstäbe.