Museen
In einem Gastbeitrag für den Radiosender LBC wirbt Londons Bürgermeister Sadiq Khan für den Erhalt des freien Eintritts in Museen. Er bezeichnet den kostenlosen Zugang als "wesentlichen Bestandteil des Londoner Lebens" und als Ausdruck der Überzeugung, dass Kultur ein Recht und kein Privileg sei. Khan erinnert daran, dass die Besucherzahlen nach Einführung des freien Eintritts 2001 stark gestiegen seien und die Museen zudem einen wichtigen Wirtschaftsfaktor darstellten. Besonders für Menschen aus weniger privilegierten Verhältnissen sei der freie Zugang entscheidend: "Kunst und Kultur sind für alle da – ganz gleich, woher sie kommen oder wie viel Geld sie verdienen." Die Museen seien nicht nur Orte der Vergangenheit, sondern "ein Spiegel der Gegenwart" und stärkten gesellschaftlichen Zusammenhalt.
In "ArtNews" berichtet Andy Battaglia über die kontroverse Entscheidung des Metropolitan Museum of Art, John Galliano eine Ausstellung des Costume Institute zu widmen. Vor der Ankündigung habe das Museum Gespräche mit jüdischen Führungspersönlichkeiten, darunter Vertretern der Anti-Defamation League, sowie mit Galliano selbst geführt, um dessen antisemitische Äußerungen von 2011 zu thematisieren. Kurator Andrew Bolton betont, die Frage sei nicht, "ob künstlerisches Verhalten Verfehlungen entschuldigt", sondern wie sich "künstlerische Leistung und ethische Verantwortung" miteinander verbinden lassen. Rabbi Rick Jacobs habe Gallianos Auftreten als glaubwürdig empfunden und von "Aufrichtigkeit" gesprochen. Die für 2027 geplante Schau soll mit einer Einführungssektion beginnen, die sowohl den Skandal als auch Gallianos künstlerische Bedeutung beleuchtet. Kanye West wird sich sicher den ganzen Vorgang ganz genau anschauen.
In der "Frieze" spricht Chloe Stead mit Anna Gritz, Direktorin des Berliner Haus am Waldsee, über die Jubiläumsausstellung "Wo ich wohne (Where I Live)" und die Rolle des Hauses in der aktuellen Kulturlandschaft. Gritz erklärt, die Schau untersuche, "wie wir von Gebäuden geprägt werden" und was es bedeute, Ausstellungen in einem Wohnhaus zu machen. Die Ausstellung verbindet zeitgenössische Positionen mit der Geschichte des Hauses, darunter Werke von Künstlern, die während des Nationalsozialismus verfolgt wurden. Gritz betont, Erinnerung müsse auch private Familiengeschichten einbeziehen: "Man kann eine Fassade verändern, aber es gibt immer noch Dinge, die aufgearbeitet werden müssen." Angesichts von Kulturkürzungen wolle sie das Haus stärker als Unterstützungsort für Berliner Künstler etablieren und "trotz der Kürzungen ambitionierte neue Initiativen" ermöglichen. Ihre kuratorische Aufgabe sehe sie darin, Perspektiven sichtbar zu machen, "die bisher noch nicht die gleiche Anerkennung erhalten haben".
Malerei
In der "London Review of Books" setzt sich der Kunsthistoriker T. J. Clark mit den Höhlenmalereien von Chauvet auseinander und deutet sie als frühe Auseinandersetzung mit dem Verhältnis von Bild und Sprache. Clark argumentiert, die 37.000 Jahre alten Darstellungen seien keine bloßen Abbildungen, sondern eine eigene Form des Denkens: "Die Darstellung war in ihrer Gesamtheit Nicht-Sprache, kein 'erster Schritt', sondern Sein." Die Künstler hätten mit Überlagerungen, Perspektivwechseln und dem Zusammenspiel von Figur und Umgebung eine Welt geschaffen, die nicht hierarchisch geordnet sei, sondern auf "Gegenseitigkeit" beruhe. Die Höhlenbilder versteht Clark als Antwort auf die Macht der Sprache: Während Sprache ordne und abstrahiere, halte die Malerei die unmittelbare Erfahrung der Welt fest. Chauvet zeige damit, so Clark, "was Sprache nicht ist" – eine visuelle Form des Denkens jenseits von Begriffen.
Im "New Yorker" würdigt Zachary Fine den US-amerikanischen Maler Fairfield Porter anlässlich der Ausstellung "Fairfield Porter: What Everyone Knows" an der Art Students League. Fine beschreibt Porter als "vielleicht bedeutendsten amerikanische Künstler des Jahrhunderts" – ein Urteil des Dichters John Ashbery, das zunächst überraschend wirkt, da Porter vor allem alltägliche Landschaften und Interieurs malte. Seine eigentliche Stärke liege laut Fine in der einzigartigen Farbwirkung: In seinen späten Werken werde Farbe zu einem Ausdruck persönlicher Wahrnehmung. Porter selbst schrieb, Malerei entstehe durch den "kinetisches und visuelles Weltbild" des Künstlers. Fine zeigt Porter als Außenseiter des Abstrakten Expressionismus, der zwischen Realismus und Abstraktion einen eigenen Weg fand – und gerade durch seine leisen, schwer greifbaren Bilder eine besondere emotionale Spannung erzeugte.
Eine besondere Abzocke
Mit künstlich gealterten Steinen, Säulen und Statuen ließ ein Mann in Norditalien ein vermeintlich antikes Theater errichten und verkaufte es Besuchern als historische Sehenswürdigkeit. Wegen des Schwindels wurde er rechtskräftig verurteilt. Nun sitzt er auch im Gefängnis. Doch das Fake-Amphitheater in Arcugnano bei Vicenza steht noch immer – und stellt die Gemeinde vor ein offenbar teures Problem: Wer bezahlt den Abriss? Bürgermeister Simone Cuomo will verhindern, dass die Kosten am Ort hängen bleiben. "Meine Position ist klar: Wer einen Missbrauch begangen hat, muss für den entstandenen Umweltschaden aufkommen und ihn beheben", sagte der 44-Jährige der Zeitung "La Repubblica". Denn der Bau habe ein ganzes naturbelassenes Waldgebiet verändert, das gerodet und bebaut worden sei. Die Wiederherstellung des Hügels, auf dem der Mann sein Fake-Theater gebaut hatte, in seinen Ursprungszustand könnte laut "La Repubblica" zwischen 300.000 und 500.000 Euro kosten. Für Arcugnano mit rund 7.500 Einwohnern wäre das eine große Belastung. Die Gemeinde habe ein Budget von weniger als 7 Millionen Euro und andere dringende Aufgaben, sagte Cuomo. Das "Anfiteatro Berico" wurde 2016 errichtet. Der Betreiber präsentierte die Anlage als jahrtausendealte archäologische Entdeckung, die er nach einem Erdrutsch gefunden habe. Er ließ Besucher für 40 Euro Eintritt hinein und vermarktete den Komplex mit erfundenen historischen Geschichten. Dabei bestand das vermeintliche antike Theater aus modernen Materialien wie behandeltem Stein, Betonelementen und künstlichen Dekorationen. Der Betreiber der Anlage, ein heute 69 Jahre alter Mann, der sich selbst als Forscher und Mäzen darstellte, verbüßt inzwischen eine Haftstrafe von mehr als zwei Jahren. Die Haft trat er nach Medienberichten im Juli an. Die Verurteilung wegen illegaler Bautätigkeit, Verstößen gegen den Landschaftsschutz und Fälschung von Kunst war zuvor durch mehrere Instanzen bestätigt worden. Trotz der Verurteilung des Mannes ist die Zukunft der Anlage weiter unklar. Die Gemeinde und Bürgermeister Cuomo müssen klären, welche rechtlichen Schritte noch möglich sind und ob sie die Kosten für den Rückbau auf den Verursacher abwälzen können. Bis dahin bleibt das Fake-Amphitheater bestehen – mit Schildern, die weiterhin eine angebliche antike Vergangenheit versprechen.