Medienschau

"Wir dürfen uns nicht auseinanderbringen lassen"

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Ibrahim Mahama führt "Power100" an, ein Panorama der Warschauer Kunstszene und die prekäre Situation von Kunsttechnikern: Das ist unsere Presseschau am Donnerstag

Kunstbetrieb

Der in Ghana geborene Ibrahim Mahama ist nach Einschätzung von "ArtReview" derzeit die einflussreichste Figur der internationalen Kunstszene. Das in London erscheinende Magazin setzte den 38-Jährigen an die Spitze der jährlichen Liste "Power100". Mahama sei die erste Person vom afrikanischen Kontinent, die den Spitzenplatz einnehme, teilte das Magazin mit. "Eine Position, die er sowohl seiner künstlerischen Arbeit als auch seiner Rolle als Schöpfer von Infrastrukturen verdankt, die andere Künstler dabei unterstützen, ihre Visionen zu verwirklichen." Mahamas Werk befasse sich mit Themen wie Arbeit, Extraktion und Ausbeutung. "Er nutzt seine Position in der globalen Kunstwelt, um sich diesen Fragen auch praktisch zu widmen, indem er Bildungs- und Kunstinstitutionen schafft und kollaborative Partnerschaften aufbaut", schreibt das Magazin. Der Künstler investiere seit Jahren seine Gewinne aus Verkäufen in eine Reihe von Institutionen in seiner Heimatstadt Tamale. Das Magazin lässt Mitglieder einer Jury – rund 30 Menschen aus der Kunstwelt – einschätzen, wen sie für besonders entscheidend in der Kunstwelt halten. Bei der Liste mit 100 Personen und Organisationen geht es etwa um die Frage, wer beeinflusst, welche Themen behandelt und wessen Kunstwerke gezeigt werden. Auf dem zweiten Platz steht Vorsitzende der katarischen Museumsbehörde, Scheicha al-Majasa bint Hamad Al Thani. Die zunehmende Präsenz der Golfstaaten an der Spitze der Liste spiegele wider, wie dort mit enormen Mitteln in Kunst und Kultur investiert werde, teilte das Magazin mit. Die arabische Welt werde zunehmend zu einer Plattform, von der aus Künstler und Kuratoren ihre Arbeit ausweiten könnten. Im vergangenen Jahr hatte die emiratische Kuratorin Hur Al-Kasimi die Liste angeführt, diesmal landete sie auf Platz drei. Auch Kulturschaffende aus Deutschland sind dabei: Künstler Wolfgang Tillmans steht zum Beispiel auf Platz zehn, Kuratorin Beatrix Ruf auf Platz 19. Künstlerin Hito Steyerl belegt Platz 25 und der aus Kamerun stammende Intendant des Hauses der Kulturen der Welt in Berlin, Bonaventure Soh Bejeng Ndikung, Platz 26.

In der "taz" zeichnet Lena Reich ein Panorama der Warschauer Kunstszene, die zwischen konservativem Kulturkampf, ökonomischem Aufbruch und dem Krieg in der Ukraine oszilliert. Die Chefkuratorin Natalia Sielewicz nennt ihr Museum für Moderne Kunst in Warschau eine "Schaltstelle zwischen Osteuropa und dem Westen" und warnt: "Wir dürfen uns nicht auseinanderbringen lassen." In der Galerie TBA zeigt Petro Vladimirov ukrainische Kunst; angesichts der politischen Lage sagt er: "Wir leben auf einem Vulkan."

In "Ocula" berichtet Rachel Kubrick über den Art Technicians Talent Report 2025, der Kunsttechniker als "versteckte Infrastruktur" des Kunstbetriebs beschreibt. Zwar gebe es stabile Karrierewege und "Gender Pay Parity", doch fehlende Weiterbildung, geringe Sichtbarkeit und schlechte Bezahlung belasteten die Branche. Ein Tate-Techniker klagt, die Löhne lägen "konsequent unter dem Sektor-Durchschnitt". Rund ein Drittel der Befragten brauche einen Zweitjob. Viele seien selbst Künstlerinnen oder Künstler. Lia Nelissen von Mtec betont, Art Handler seien hochqualifiziert: "Es ist nicht einfach das Bewegen von Objekten. Wir sind oft die letzten, die ein Werk berühren, bevor es die Welt sieht."

Debatte

Eine Ausstellung des italienischen Künstlers Costantino Ciervo in Potsdam hat Kritik der Jüdischen Gemeinde der Stadt und des Beauftragten gegen Antisemitismus ausgelöst. Sie fordern, die Schau "COMUNE – Das Paradox der Ähnlichkeit im Nahostkonflikt" im Museum Fluxus+ zu überarbeiten oder zu beenden, da sie unter anderem antisemitischen Terror verharmlose und historische Zusammenhänge verzerre. "Es verwundert, mit welcher Rigorosität von Menschen, die die Ausstellung nicht einmal gesehen haben, deren Schließung gefordert wird", schreibt Matthias Reichelt in einer Zusammenfassung der Diskussion in der "jungen Welt". "Eine höchst befremdliche Einlassung, sowohl, was das zugrundeliegende Antisemitismusverständnis als auch das Verhältnis zur Kunstfreiheit anbelangt." In der Ausstellung werden Porträts palästinensischer Figuren mittels künstlicher Intelligenz in "Zwillinge" transformiert - Gestalten, die zugleich palästinensisch und israelisch sind, wie das Museum zu der Ausstellung des italienischen Künstlers Costantino Ciervo mitteilte. Das multimediale Projekt wird seit Mitte November gezeigt. Über die Kritik daran hatte zuvor der "Tagesspiegel" berichtet. "Wir weisen die erhobenen Vorwürfe strikt zurück. In unserem Haus war und ist kein Platz für Antisemitismus – und wird es niemals sein", teilte das Museum mit. Es sei nicht geplant, einzelne Werke abzuhängen, zu ergänzen oder die gesamte Ausstellung zu schließen. Solche Forderungen bewertete das Museum als "einen inakzeptablen Angriff auf die Freiheit der Kunst". Die Ausstellung sei im Rahmen der Arbeitsdefinition von Antisemitismus der International Holocaust Remembrance Alliance konzipiert worden sei. "Keines der in der Ausstellung gezeigten Motive erfüllt einen der dort genannten Tatbestände für Antisemitismus." Die Forderung nach wissenschaftlicher Expertise zur Einordnung der Ausstellung wies das Museum zurück. Diese Forderung zeuge von einem "verstellten Blick auf diese Sonderausstellung und einem fragwürdigen Umgang mit Kunst im Allgemeinen. Wir sind kein Nahost-Seminar, sondern ein Kunstmuseum." Bei diesem wie bei all den anderen "Skandalen" der vergangenen Jahre sei es doch immer dasselbe, schreibt Reichelt in der "jungen Welt": "Judentum, Israel und Zionismus werden gleichgesetzt. Von Künstlern wird vorab eine Distanzierung von der Hamas verlangt, um allenfalls leichte Kritik an der israelischen Politik vorbringen zu dürfen. Eine Aporie: Wenn die Vorgeschichte des Angriffs vom 7. Oktober 2023 thematisiert wird, ist es 'Relativierung' – auf sie zu verweisen, entweder 'Whataboutism' oder Legitimierung der Gewalt."