Kunstmarkt
Auf "Ocula" fragt Philippa Kelly, ob die Galerien bei der ersten Art Basel Qatar auf Nummer sicher gehen. Viele westliche Blue-Chip-Galerien setzen demnach auf die "höchste Qualität an Kunst, die die Galerie zu bieten hat": Acquavella zeigt Basquiat, David Zwirner präsentiert Marlene Dumas, Hauser & Wirth Philip Guston. Jean-Paul Engelen von Acquavella betont, dass Basquiats Werk für Sammler in der Region "besonders bedeutsam" sei. Das bewusst kleine Messeformat mit 87 Galerien erleichtert den Fokus auf bekannte Künstler und soll zugleich Vertrauen bei den schnell wachsenden Institutionen schaffen. Kelly hebt aber auch regionale Positionen hervor, darunter Ali Cherri und Hazem Harb, und verweist auf den hohen Anteil lokaler Künstler. Insgesamt erscheint die Messe als vorsichtiger, aber ambitionierter Auftakt, der zwischen globalem Kanon und regionaler Verankerung balanciert. Für Monopol hat Stefan Kobel die Messe besucht.
Raubkunst
Kurz vor der Restitution des Tänzerinnen-Brunnens von Georg Kolbe zeichnet sich am Berliner Georg Kolbe Museum eine Lösung im Streit um NS-Raubkunst ab. Wie Nicola Kuhn im "Tagesspiegel" berichtet, stellt Direktorin Kathleen Reinhardt den Nachfahren des jüdischen Sammlers Heinrich Stahl nun eine uneingeschränkte Rückgabe in Aussicht. Noch im Sommer hatte Reinhardt gezögert, das Werk klar als NS-Raubkunst zu benennen, was heftige Kritik auslöste. Neue Forschungen belegten jedoch eindeutig, dass Stahl den Brunnen 1937/41 unter dem Druck der Nationalsozialisten verlor. Die komplizierte Erbfrage verzögerte die Einigung, da nur ein Teil der Nachfahren 2001 auf Ansprüche verzichtet hatte. Der Zeitpunkt der Rückgabe ist brisant: Reinhardt kuratiert 2026 den deutschen Pavillon der Biennale in Venedig. Die Restitution gilt nun als Akt "später Gerechtigkeit", auch wenn das Museum damit sein prominentestes Werk verliert. Für die "SZ" berichtet Jörg Häntzschel.
Kunsthochschulen
In der "Rheinischen Post" spricht die scheidende Kanzlerin der Kunstakademie Düsseldorf, Johanna Boeck-Heuwinkel, über die Antisemitismus-Vorwürfe im Zusammenhang mit der umstrittenen Veranstaltung mit der palästinensischen Künstlerin Basma al-Sharif. Sie weist einen Zusammenhang zwischen der Debatte und ihrem vorzeitigen Abschied zurück, bezieht aber klar Stellung: Hochschulen müssten gesellschaftliche Verantwortung übernehmen und "Polarisierungen und Exklusion vermeiden". Es gehe "nicht nur um die Wahrung der Kunstfreiheit, sondern auch um kulturelle Konflikte, die in unserem Land ausgetragen werden". Sie erwarte "eine transparente Diskussion", da die Öffentlichkeit ein Recht darauf habe. Rückblickend zieht sie nach fünf Jahren mit mehreren Führungswechseln ein gemischtes Fazit und konstatiert zum Klima an der Akademie nüchtern: "Früher wurde eindeutig mehr gelacht."
Kulturerbe
Neuigkeiten zum Fresko der Basilika San Lorenzo in Lucina hat die "Corriere della Sera": Der Restaurator Bruno Valentinetti hat das Gesicht von Ministerpräsidentin Giorgia Meloni, das er zuvor dem Engel verliehen hatte, wieder übermalt – "weil es mir der Vatikan so aufgetragen hat". Die Originalaufnahme des Engels, veröffentlicht vom Architekten Cino Zucchi via Instagram, wird derzeit von der Soprintendenza Speciale di Roma geprüft, um den Ursprungszustand zu verifizieren. Das Vikariat von Rom betonte erneut, dass sakrale Kunst "nicht für ungebührliche oder instrumentalisierende Zwecke verwendet werden darf" und ausschließlich dem liturgischen und gemeinschaftlichen Gebet dienen soll. Valentinetti, 83, selbst restauratorischer Autodidakt, erklärte, er habe lediglich "das Profil nachgezeichnet, das bereits da war". Für weitere Wiederherstellungsarbeiten fordert das italienische Kulturministerium die offizielle Genehmigung von Eigentümer, Vikariat und Denkmalschutz. Der Pfarrer der Kirche, Daniele Micheletti, rechtfertigte die Maßnahme mit praktischen Erwägungen: Das Fresko habe für Diskussionen gesorgt und sei "zu kontrovers, um es länger so zu belassen".
Architektur
"Sehen so die besten Bauten in ganz Deutschland aus?", fragt Matthias Alexander in der "FAZ" beim Anblick der Auswahl des DAM-Preises 2026. Unter den fünf Finalisten finden sich etwa das Mehrgenerationenhaus in München und der Stadtteiltreff Augustin in Ingolstadt – laut Alexander "weder schön noch elegant". Positiv hervorgehoben werden die Neckarschleuse Schwabenheim von Ecker Architekten und die Hyparschale in Magdeburg. Alexander bemängelt, dass die Jury "offenbar nur das gelten lässt, was sozial-ökologisch korrekt und modisch ist" und klassische ästhetische Kriterien ignoriert. Auch funktionale Projekte wie das Franklin Village in Mannheim zeigen Schwächen im Zusammenspiel von Gemeinschaft und Außenraum. Schon vor einem Jahr hatte der Autor einen ähnlich verzweifelten Artikel über die damaligen Preisträger geschrieben und diese Worte für den Einstieg gewählt: "Das sollen die Besten sein unter allen Bauwerken ..."