Medienschau

"Gerechtigkeit, die aufgeschoben wird, ist verweigerte Gerechtigkeit"

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Die World Jewish Restitution Organization mahnt US-Museen, das Londoner V&A East soll ein Museum für die GenZ werden - und Kunstwoche in Köln: Das ist unsere Presseschau am Mittwoch

Debatte

In "Artnet News" warnt Brett Egan, Präsident des DeVos Institute of Arts and Nonprofit Management, dass Donald Trump "der folgenschwerste Kulturpräsident der US-Geschichte" werden könnte. Seine Regierung verfolge eine kohärente, aggressive Kunstpolitik – "eine nationale Strategie von seismischer Tragweite". Diese zeige sich ästhetisch ("traditionelle und klassische" Architektur, der National Garden of American Heroes), ideologisch (Kürzungen und Zensur von Themen wie Diversität und Gender) und ökonomisch). Egans Diagnose: Der Sektor reagiere "zersplittert und zögerlich", während Trump "mit Ausdauer" handele. Egan fordert eine überparteiliche nationale Kunststrategie, ein gemeinsames Leitbild und einen unabhängigen Fonds – sonst bleibe "Trumps Kunstpolitik die wirksamste der modernen Geschichte".

Museen

Gideon Taylor, Präsident der World Jewish Restitution Organization, mahnt in "The Art Newspaper", dass noch immer "die meisten US-Museen wenig getan haben, um die Transparenz zu schaffen, die Gerechtigkeit erfordert". Am Beispiel von Picassos "Schauspieler" (1904), das seit 1952 im Metropolitan Museum hängt, zeigt er, wie "Verfahrensfragen weiterhin Gerechtigkeit in Fällen von NS-Raubkunst verhindern". Laut einer WJRO-Studie befänden sich über 100.000 Werke mit NS-Vergangenheit in US-Sammlungen, "doch nur etwa zehn Prozent verfügen über öffentlich zugängliche Provenienzdaten". Taylor fordert, den HEAR Act zu verlängern und eine US-weite Kommission nach europäischem Vorbild einzurichten, um moralische und historische Gerechtigkeit über juristische Hürden zu stellen. "Gerechtigkeit, die aufgeschoben wird, ist verweigerte Gerechtigkeit – aber es ist noch nicht zu spät."

Im "Guardian" beschreibt Jason Okundaye, wie Gus Casely-Hayford mit dem neuen V&A East ein Museum "für die Generation Z" schafft. Der Direktor erinnert sich, dass er sich in Museen früher "nicht wirklich willkommen" fühlte, weil dort die Geschichten Schwarzer Britinnen und Briten fehlten. Seine Schwester habe ihm damals gesagt: "Du kannst das ändern, denn diese Orte gehören uns allen." Nun will er, dass "junge Menschen hereinkommen und lebensverändernde Momente erleben". Das Museum im Londoner Olympic Park öffnet im April 2026 und zeigt in der Sammlung "Why We Make" 500 Objekte aus 60 Ländern. Casely-Hayford nennt das Haus "unapologetisch divers" und betont: "Die Idee, dass wir unser Publikum nicht so breit und vielfältig wie möglich ansprechen sollten, widerspricht dem Auftrag nationaler Museen."

Kunstmarkt

In der WDR-Sendung "Westart" gibt Laura Dresch Tipps rund um die Art Cologne, die ab Donnerstag startet – und betont, dass die Kunstwoche weit über die Messehallen hinausgeht. So sei der Ebertplatz "eine sichere Nummer" für die junge Szene, mit Ausstellungen wie "Echo einer Ruine" im Projektraum Gemeinde Köln und Our Displaced Stories der Schauspielerin Hichi Demi im Kunstraum Mouches Volantes, die sich mit verdrängten und vergessenen Erinnerungen beschäftigt. In der Moltkerei-Werkstatt zeigt Moritz Krauth Fotografien und eine Performance mit Faafa Fiene über queere Identität. Zum Ausklang empfiehlt Dresch das neue Festivalformat Neu Cöln neben dem Kölnischen Kunstverein – mit 35 Galerien, Konzerten, Lesungen und DJs. Viele Museen wie das Museum Ludwig oder die SK Stiftung verlängern ihre Öffnungszeiten und laden bei freiem Eintritt ein.

Podcast

In der neuen Folge des "Zeit"-Podcasts "Augen zu" widmen sich Florian Illies und Giovanni di Lorenzo der österreichischen Malerin Maria Lassnig. Geboren 1919, wuchs Lassnig in Armut und emotionaler Kälte auf – eine Kindheit, "nach der man in Depression verharren könnte". Stattdessen begann sie zu malen und verwandelte ihr Leid in radikale Selbstporträts: "in aller Verletzlichkeit, in aller Wut, in aller Erbärmlichkeit, in aller Sehnsucht". Diese kompromisslose Selbstbefragung machte ihr Werk einzigartig. Der Podcast zeichnet ihren Weg nach und verortet Lassnig in der österreichischen Tradition der schonungslosen Selbstentblößung – von Egon Schiele über Arnulf Rainer bis zu ihr selbst.