Medienschau

"Ein Slogan ist keine Veränderung"

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"Art in America" betrauert das Ende von MeToo, Hauser & Wirth kauft Palazzo in Palermo, und die "Welt" erkennt im "Power100"-Ranking eine Rückkehr höfischer Strukturen in der Kunst: Das ist unsere Medienschau am Freitag

Debatte

In "Art in America" fragt Kate Wagner angesichts mehrerer neu eröffneter Museen von David Adjaye, "was aus #MeToo geworden ist". Sie erinnert daran, wie "elektrisierend" die Bewegung war, als erstmals "Worte die Machtverhältnisse ändern" sollten – und wie ernüchternd der Rückschlag sei. Adjaye, 2023 in der "Financial Times" von drei Frauen schwer belastet und von Projekten abgezogen, sei faktisch zurück: Sein Büro vollende Großaufträge wie das Princeton University Museum oder das Studio Museum in Harlem, während Institutionen ihn "diskret" aus ihren Mitteilungen streichen, aber weiter bezahlen. Für Wagner sind diese Bauten "befleckte Arbeiten". Dass Adjaye bereits wieder Preise gewinnt, zeige einen strukturellen Rückfall: "Ein Slogan ist keine Veränderung." Die eigentliche Aufgabe sei, nicht zuzulassen, "dass sie damit durchkommen".

In der "Welt" analysiert Marcus Woeller die neue "Power 100" von "ArtReview" (siehe Presseschau vom Donnerstag) – und erkennt eine Rückkehr höfischer Strukturen. Während westliche Staaten Kulturmittel kürzten, würden "autokratische und aristokratische Systeme zu neuen Schaltstellen" des Betriebs. Scheicha Al-Mayassa rangiere auf Platz 2, ausgestattet mit der "Fähigkeit – und den Mitteln –, das Unmögliche möglich zu machen". Auf Platz 3 folge Scheicha Hoor Al Qasimi, von "Le Monde" als "Botschafterin der Emirati Soft Power" bezeichnet. Die Golfmonarchien investierten Milliarden, während westliche Mäzene wie Arnault und Pinault "nur noch im Mittelfeld" erscheinen. An der Spitze steht Ibrahim Mahama – ein Künstler, der, so Woeller, ein System bediene, "das er zugleich kritisiert". 

Kunstmarkt

In "Vanity Fair" schildert Nate Freeman die "Vibes" der Art Basel / Miami Beach: Verkehrschaos, teure Smoothies und "ein Künstler, der einen Privatjet zersägt". Während einige Galerien und Sammler fernblieben, wirkten Preise und Andrang hoch. Auf der Messe beeindruckten neue Arbeiten etwa von Tamo Jugeli oder Seth Cameron; zugleich herrschten "Kunstmessenpreise" – ein Wasser kostete 7,62 Dollar. Bei den Rubells zeigte Thomas Houseago radikale neue Werke, die von Trauma und "frontalem Cortex" handelten; Mera Rubell meinte: "Kunst ist kein hübsches Objekt." Verkäufe liefen stark: Hauser & Wirth meldete ein Plus von 40 Prozent, Werke von George Condo, Louise Bourgeois oder Jeff Koons fanden Käufer. Sogar Google-Mitgründer Sergey Brin tauchte in der Gagosian-Booth auf – der Mann, "der alles kaufen könnte". In der "NZZ" beschreibt Susanna Petrin das Comeback digitaler Kunst im neuen Sektors "Zero 10", den auch Anika Meier in Monopol zum Anlass nimmt, über das Revival nachzudenken. 

Im "Handelsblatt" berichtet Johannes Wendland von einem "gemischten Gesamtbild" bei Grisebachs Winterauktionen: 31 Prozent der Lose blieben liegen, doch Spitzenwerke erzielten Rekorde. Geschäftsführer Daniel von Schacky erklärt die Marktzurückhaltung mit Politik, Mittelstandskrise und "Generationswechsel" im Geschmack. Die sensationell frische Sammlung des Unternehmers Walter Bauer brachte 5,7 Millionen Euro ein; Paula Modersohn-Beckers "Selbstbildnis nach halblinks" erzielte 1,3 Millionen. Kolbes Bronze "Stehende Frau" erreichte mit 1,4 Millionen einen neuen Rekord. Auch Werke von Menzel, Kollwitz, Feininger und Uecker lagen deutlich über Taxe. Insgesamt steigerte Grisebach den Jahresumsatz auf 47 Millionen Euro.

In "La Repubblica" berichtet Irene Carmina, dass der Palazzo De Seta in Palermo an Hauser & Wirth verkauft wurde – vorbehaltlich eines 60-tägigen Vorkaufsrechts von Region und Kulturministerium. Der Deal wurde Mitte November notariell besiegelt und betrifft rund 2000 Quadratmeter des historischen Komplexes am Foro Italico. Der Nationale Verband der Bauunternehmer Italiens, seit 2003 Eigentümer, behält einige Räume, da es "nicht mehr möglich" gewesen sei, das gesamte Gebäude zu halten, so Schatzmeister Angelo Di Liberto. Die geplante kulturelle Nutzung sei "kohärent mit dem Wert des Gebäudes". Hauser & Wirth habe bereits 2023 Interesse bekundet; auch "die Franzosen und sogar der Emir von Katar" hätten angefragt. Nach einem konservativen Nutzungsvotum der Soprintendenza sollen 2026 Arbeiten beginnen – begleitet von einer noch ungenannten "Stararchitekten".