Kunstwelt
In der "FAZ" analysiert Niklas Maak, wie die neuen Enthüllungen zu Jeffrey Epstein die Kunstwelt erschüttern. Nach der Veröffentlichung von Tausenden Videos und Millionen Dokumenten häuften sich Erklärungen, man habe Epstein "eigentlich gar nicht gekannt“. Künstler wie Jeff Koons beteuerten, sie hätten "keinerlei Beziehung zu Epstein gehabt“. Doch die Korrespondenzen zeichnen ein anderes Bild: Der frühere Museumsdirektor David A. Ross schrieb Epstein nach dessen Verurteilung 2008, er sei "stolz“, ihn "einen Freund nennen zu dürfen“, ein Satz, den Ross heute als "schrecklichen Fehler" bezeichnet. Maak konstatiert, dem Kunstbetrieb sei "oft vollkommen egal“ gewesen, "was seine Geldgeber antreibt und was sie treiben“. Hinzu komme eine "haarsträubende Verharmlosung von Kindesmissbrauch als antibürgerliche Libertinage“. Die Enthüllungen legten ein System offen, in dem moralischer Anspruch und Herkunft des Geldes lange nicht zusammengebracht wurden. Für Monopol hat Felix von Boehm in die Epstein-Akten geschaut.
Im "SZ Magazin" porträtiert Mareike Nieberding das Berliner Künstlerinnenpaar Eva & Adele – und fragt, was von einem "lebenden Kunstwerk" bleibt, wenn eine Hälfte stirbt. Mehr als "34 Jahre und 40 Tage" lebten Eva & Adele als radikale Performance ohne Vergangenheit, Nachnamen oder Privatleben. Nach Evas Tod im Mai 2025 steht Adele allein da. Die Performance sei vorbei, sagt sie, doch "Eva & Adele lebt" weiter. Nieberding beschreibt den Abschied als letzten Auftritt: die Beerdigung als "letzten Aufführungstag", Adele nun "wie das Gegenteil von doppelt sehen". Trotz Trauer verweigert sie das Opfer-Narrativ: "Der Trauer keine Macht geben", hatte Eva gefordert. Adele hält daran fest – und arbeitet weiter unter dem gemeinsamen Namen. "Auch über den Tod hinaus bleiben sie einander treu."
Museen
In der "FAZ" kommentiert Patrick Bahners das angekündigte Ende der Amtszeit von Nanette Snoep am Kölner Rautenstrauch-Joest-Museum. Ihr Vertrag wird nicht verlängert, doch eine Abkehr von der postkolonialen Museumspolitik sei damit nicht verbunden. Bahners beschreibt Snoeps Konzept als grundsätzliche Skepsis gegenüber dem Sammeln selbst: "Jede Aneignung" habe in ihrer Lesart etwas "Übergriffiges". Entsprechend sollten Museen Objekte "nur auf Zeit" bewahren, bis sie den "Gemeinschaften" zur "Resozialisierung" übergeben werden könnten. Innerhalb des Hauses habe dies Widerstand ausgelöst, zugleich habe Snoeps Haltung "in unheimlicher Weise" zur Kölner Sparpolitik gepasst. An der grundsätzlichen Linie ändere ihr Abgang nichts: Die Neuausschreibung setze weiter auf "Dekolonisierung". Treffend zitiert Bahners den "Kölner Stadt-Anzeiger", die Stellenbeschreibung lese sich wie "maßgeschneidert auf die Person Nanette Snoep".
Im Interview mit dem "Tagesspiegel" spricht Brigitte Franzen, künftige Direktorin des Bauhaus-Archivs, mit Nicola Kuhn über die Wiedereröffnung des Hauses Ende 2027 und seine politische Aktualität. Franzen betont, Museen seien kein "nice to have", sondern "Denkfabriken, wo über die Zukunft nachgedacht und unsere Erinnerungen wachgehalten werden". Das Bauhaus liefere weiterhin Impulse für Gegenwartsfragen, etwa durch seinen "unorthodoxen Umgang mit Material" und die bis heute zentrale Frage, "wie wollen wir in Zukunft leben?". Angriffe von rechts bewertet sie als Bestätigung dieser Relevanz: "Die Angriffe der AfD sind entlarvend." Ziel sei ein offener Campus, der Forschung, Ausstellung und Diskurs verbinde und das Bauhaus neu für Berlin erschließe.
Marion Ackermann gibt seit einem Jahr ein Interview nach dem anderen, diesmal der "FAZ". Mit Andreas Kilb spricht die erste Frau an der Spitze der Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK) über Reformdruck, Geldmangel und das Humboldt-Forum. Ackermann betont die neu gewonnene Planungssicherheit der Museen, räumt aber ein, dass die Stiftung trotz zusätzlicher Mittel faktisch weiter kürzen müsse. Mit Blick auf das Humboldt-Forum lobt sie zwar "viele tolle Einzelprojekte", diagnostiziert aber strukturelle Schwächen: "Es fehlt der große Atem, der durch das Haus geht." Präsentationen wirkten uneinheitlich, Veränderungen seien "viel zu teuer". Ackermann plädiert für mehr Flexibilität, klarere inhaltliche Linien und ein Museum, das globale Zusammenhänge stärker sichtbar macht. Ziel sei es, die SPK strategisch zu bündeln und international wieder deutlicher zu positionieren.
Kunstmarkt
In der "NZZ" schildert Philipp Meier die erste Ausgabe der Art Basel Qatar in Doha als vorsichtiges Experiment mit Kunstfreiheit in einem absolut regierten Emirat. Für die Messe habe zunächst gegolten: "keine Politik, keine Religion, kein Sex". Umso bemerkenswerter sei, dass dennoch feministische Positionen, queere Künstler und sogar kunsthistorische Nacktheit zu sehen seien. Möglich werde dies durch ein neuartiges, streng kuratiertes Format unter Leitung von Wael Shawky, bei dem jede Galerie nur einen Künstler zeige. Katar nutze die Messe zugleich strategisch: Für Sheikha Al Mayassa fungiere sie als "Shoppingmall vor der eignen Haustüre", um geplante Großmuseen wie das Art Mill Museum zu bestücken und kulturelle Soft Power für eine Zukunft nach Öl und Gas aufzubauen. Die Art Basel in Doha sei ein Stresstest für Marke, Markt und Region, schreibt Margaret Carrigan auf "Artnet News": Zwar sei die Messe von VIPs gelobt worden, doch blieben die Verkäufe zunächst begrenzt. Trotz institutioneller Qualität, politischer Werke und starker staatlicher Unterstützung bleibe unklar, ob genügend Käufer vorhanden seien. Händler wie Iwan Wirth hätten betont: "Dieses Jahr ist nicht wichtig. Nächstes Jahr wird wichtig sein." Für Monopol berichtet Stefan Kobel aus Doha.
Auf "Artnet News" vergleicht der Sammler und Ex-Galerist Adam Lindemann den Kunstmarkt mit der Weinproduktion: Es gebe zu viel Angebot und zu wenig Nachfrage. Viele Galerien blieben offen, obwohl sich der Markt einer Rezession nähere. Er zitiert den Berater Allan Schwartzman, der gesagt habe, der Kunstmarkt sei "müde" und Sammler der etablierten Generation hätten "die meisten Werke gekauft, die sie besitzen wollten". Museen seien inzwischen "wählerischer, was sie annehmen". Lindemann betont, dass trotzdem einige Galerien "übersehene Karrieren entdecken". Junge Sammler und Social Media trieben den Markt voran, und die Zukunft werde "viel größer sein, als wir uns vorstellen". Kurzfristig drohe aber, dass viele Werke "verderben".