Medienschau

"Sehr michelangelesque"

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Abstimmung zu Trumps Ballsaal nach Beschwerden erst im April, Brâncuși als Genussmensch und noch ein neuer Michelangelo: Das ist unsere Medienschau am Freitag

Kunstgeschichte

Zurzeit tauchen ständig neue Michelangelos auf. Eine seit Jahrhunderten in einer Kirche in Rom ausgestellte Büste, die bisher als anonym galt, könnte neuerdings dem Renaissance-Künstler zugeschrieben werden. Und jetzt berichtet der "Figaro" über die umstrittene "Pietà des Spirituali", die ein Sammler in Brüssel für 35.000 Euro erworben hatte und der behauptet, die Arbeit stamme von Michelangelo, gestützt auf "zwei Monogrammen, die nach der Restaurierung erschienen". Michel Draguet, ehemaliger Direktor der Königlichen Museen Belgiens, betont, er habe zunächst skeptisch agiert: "Wie so oft in meiner Karriere habe ich stets methodischen Zweifel geübt." Restauratoren und Analysen des Königlichen Instituts für Kunstgut bestätigen allerdings, dass es unter anderen in den Pigmente Anzeichen gebe, die auf Michelangelo deuten. Draguet führt aus, die Komposition der Figuren, Pinselstriche und spirituelle Dimension seien "michelangelesque". 

Emma Crichton-Miller berichtet in der "Financial Times" über neuen Trends auf dem Alte-Meister-Markt. Sie stellt fest, dass Werke von wenig bekannten Künstlern wie Biagio d’Antonio oder Willem Key bei Sotheby’s und Christie’s Rekordpreise erzielen. Crichton-Miller zitiert Andrew Fletcher, Leiter Old Masters bei Christie’s, der erklärt: "Wir denken nicht mehr in Begriffen von Genre oder Schule, das ist nicht mehr relevant. Wir suchen Bilder mit großer Klarheit und visueller Wirkung." Auch Bob Haboldt betont, dass "jüngere Sammler bereit sind, sich Alten Meistern von Maßstab und Wirkung zu stellen". Die Autorin weist darauf hin, dass diese neue Generation von Käufern durch ihre Offenheit Werke wiederentdeckt, die lange übersehen wurden, und dass "die stärksten Bereiche des Marktes entweder Top-Meisterwerke oder Werke unterrepräsentierter Gruppen sind", so Jorge Coll von Colnaghi. 

Trumps USA

Nach zahlreichen Beschwerden über Donald Trumps Ballsaal-Plan für das Weiße Haus steht die endgültige Genehmigung für das Bauprojekt weiter aus. Für Donnerstag war US-Medien zufolge eigentlich die Entscheidung der zuständigen Planungskommission NCPC erwartet worden, stattdessen kündigte das Gremium seine endgültige Abstimmung für den 2. April an. Als Grund nannte der Kommissionsvorsitzende und Trump-Berater Will Scharf die vielzählig eingegangenen öffentlichen Kommentare. Laut CNN hatte es 32.000 Stellungnahmen gegeben - die das Bauvorhaben in der überwiegenden Mehrheit deutlich ablehnen. Der US-Präsident hatte im vergangenen Oktober den Ostflügel des Weißen Hauses in Washington abreißen lassen, um an seiner Stelle einen Ballsaal errichten zu lassen, der rund 1.000 Gästen Platz bietet. Man wolle den Menschen mehr Raum geben, sich Gehör zu verschaffen, zitierte der Sender NBC News den Kommissionsvorsitzenden. Stunden später widersprach Scharf Berichten, wonach die Abstimmung vertagt worden sei, und teilte mit, dass der 2. April schon lange als Termin dafür feststehe. Gegen das Bauprojekt läuft seit Dezember eine Klage der führenden Denkmalschutzorganisation der USA. Die Organisation National Trust for Historic Preservation bezeichnet die laufenden Bauarbeiten auf dem historischen Gelände als rechtswidrig und verlangt einen Baustopp. Trump hatte die Abrissarbeiten während des sogenannten Shutdowns begonnen, als alle Behörden in Washington lahmgelegt waren. Der Saal soll etwa 300 Millionen Dollar (rund 275 Millionen Euro) kosten und den neoklassizistischen Stil des Präsidentensitzes beibehalten. Fertigwerden sollte er vor Ende von Trumps Amtszeit.

Kunst und Leben

Im "Apollo"-Magazin beschreibt Keith Miller, wie Constantin Brâncuși Kunst und Küche verband. Besucher seines Ateliers in Paris schwärmten, "alles, was er zubereitete, war voller Geschmack, nahrhaft und unkompliziert"; Man Ray lobte selbstgemachte Gurken und Shots von Țuică, Eugène Ionesco erinnerte an fermentierten Joghurt und Mămăligă. Brâncuși selbst sagte: "Ich kaufe Steaks nach Yard." Miller hebt hervor, dass der Tisch des Schweigens in Târgu Jiu sowohl als Skulpturenpodest als auch als Esstisch diente, was die Verbindung von Leben und Kunst verdeutliche. Sein Atelier wurde später im Centre Pompidou rekonstruiert, um Brâncușis kreatives Vermächtnis sichtbar zu machen. Erstmals seit 50 Jahren ist Brâncuși nun auch hierzulande in einer großen Schau zu sehen. Sebastian Frenzel schreibt in der Märzausgabe von Monopol ein Porträt dieses Meisters der Abstraktion.

Täglich eine halbe Stunde Gymnastik und morgens und abends Arbeit im Atelier: Heinz Mack ist auch im hohen Alter noch fit. Am Sonntag wird der Mitbegründer der avantgardistischen ZERO-Künstlergruppe 95 Jahre alt. Das Alter nimmt Mack mit Humor: "Obwohl ich de facto alt bin, fühle ich mich nicht so, es sei denn, ich schaue in den Spiegel, setze mein Gebiss ein und die Hörgeräte auf - und eine Lesebrille brauche ich auch", verriet er der Deutschen Presse-Agentur in einem schriftlich geführten Interview. Seine anfänglichen Weggefährten Otto Piene und Günther Uecker leben nicht mehr - und Mack vermisst sie. Nun sei er einer der letzten Zeitzeugen der ZERO-Phase. Angst vor dem Tod habe er nicht, aber er könnte sich auch vorstellen, 100 Jahre alt zu werden, sagt Mack. "Einhundert Jahre alt zu werden, ist ja heute nicht so gänzlich außergewöhnlich." Offen spricht er aber auch aus: Ein Pflegefall für seine jüngere Frau und seine Tochter wolle er nicht werden.