Medienschau zur Venedig-Biennale

"Eine kräftige Soldatin im Paillettenkleid"

artikelbild_monopol-medienschau

Erste Stimmen zum deutschen Pavillon und ein Verriss des US-Beitrags: Das ist unsere Medienschau am Mittwoch in der Eröffnungswoche der Venedig-Biennale

Deutscher Pavillon

Boris Pofalla beschreibt den deutschen Pavillon in der "Welt" als vielschichtige Ost-West-Erzählung, zugleich aber auch ironisch gebrochen. "Wie schön, denkt man – und wie trist", so sein Eindruck vom Mosaik einer Plattenbauruine. Er beschreibt, der Bau wirke nun "lebenswerter, leichter, italienischer", bleibe aber eine "kräftige Soldatin im Paillettenkleid". Der Pavillon sei am Ende "noch deutscher geworden", allerdings im Sinne einer vollständigen, biografisch aufgeladenen Geschichtsschichtung – weniger als Stil, mehr als überdeterminierte Erzählung.

Jörg Häntzschel sieht in der "SZ" in dem Pavillon eine radikale Geschichtssynthese, in der NS-Architektur und DDR-Plattenbau "eine erschreckend reibungslose Symbiose" eingehen. Der Autor nennt die Installation einen "pessimistischen Parcours durch die deutsche Geschichte". Er beschreibt den Bau als "Lost Place" und schreibt, Deutschlands Repräsentanz sei "ein Nazi-Pavillon, der sich als italienischer Faschismus verkleidet". Zugleich hebt er hervor, dass die DDR hier erstmals konsequent Thema sei – "ein Schock", weil sie "in all den Jahren seit dem Mauerfall nie Thema war".

Tobias Timm sieht in der "Zeit" in dem Pavillon ein außergewöhnlich dichtes, politisch und historisch aufgeladenes Gesamtwerk. Für ihn ist es ein Beitrag, der sich "in die Kunstgeschichte einschreibt. Zumindest die deutsche." Sung Tieu und Henrike Naumann bespielten den Pavillon nicht nur, sondern deuteten ihn als Erinnerungsraum um. Besonders Naumanns "Innere Front" liest er als eindringliche Diagnose einer Gegenwart, die sie selbst als "Vorkriegszeit" verstand. 

US-Pavillon

Die USA seien "in einem traurigen Zustand", findet Maximilíano Durón in "ArtNews", was sich auch in den "fünf extrem unauffälligen Skulpturen" von Alma Allen vor dem US-Pavillon widerspiegle. Im Vergleich zu früheren Beiträgen wie Simone Leigh (2022) und Jeffrey Gibson (2024), die koloniale Geschichte thematisierten, fehle diesmal jede klare inhaltliche oder politische Setzung. Stattdessen dominierten Arbeiten ohne Titel, die laut Autor beliebige Deutungen zuließen, ohne neue Perspektiven zu eröffnen. Auch der Kurator bleibt vage und spricht lediglich davon, die Arbeiten zeigten "die fragilen und widerstandsfähigen Realitäten des Lebens". Insgesamt entsteht für Durón ein leer wirkender Pavillon, dessen politische Zurückhaltung selbst zum Statement wird.