Debatte
Im "Tagesspiegel" berichtet Alexander Fröhlich über die kurzfristige Streichung einer Performance beim Neuköllner Festival "48 Stunden Neukölln" nach Antisemitismusvorwürfen. Im Zentrum stand ein geplanter "performativer Audiospaziergang" mit dem Titel "Walking the Gaza Monologues", der entlang von Stolpersteinen führen sollte – also Gedenkorten für Opfer der Schoah. Der Vorsitzende der Werteinitiative, Elio Adler, kritisierte die Aktion scharf und sprach von einer "kalkulierten Grenzverletzung". Die Tour stelle die Shoah und den Gaza-Krieg "in eine Linie", was er als "historisch falsch, perfide" und nach IHRA-Definition als antisemitisch bewertet. Der politische Druck führte rasch zum Eingreifen von Bezirk und CDU-Vertretern. Die Festivalleitung nahm das Projekt daraufhin aus dem Programm und erklärte, man habe die "volle inhaltliche Tragweite" zunächst nicht erkannt. Man wolle künftig den Prüfprozess verschärfen. Gleichzeitig verweisen Beteiligte auf politische Einflussnahme und sprechen von Zensur.
Museen
Bei einem Einbruch in das Lalique-Museum im elsässischen Wingen-sur-Moder haben bislang unbekannte Täter wertvolle Schmuckstücke gestohlen. Nach Informationen von "Le Figaro" aus Ermittlerkreisen beläuft sich der Schaden auf bis zu 4 Millionen Euro. Nach Angaben der französischen Gendarmerie drangen mehrere maskierte Einbrecher in das Museum ein. Sie zerstörten die Eingangstür sowie mindestens sechs Ausstellungsvitrinen und entwendeten rund 20 historische Schmuckstücke. Wie das Museum mitteilte, bleibt die Einrichtung vorerst geschlossen. Der Vorfall ereignete sich am frühen Sonntagmorgen. Die gestohlenen Objekte stammen von dem berühmten Glaskünstler René Lalique und datieren aus seiner Pariser Schaffenszeit zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Nach Auswertung der Überwachungskameras dauerte der Einbruch demnach nur rund elf Minuten. Zwar habe das Alarmsystem ordnungsgemäß ausgelöst, doch die Reaktion der Sicherheitskette habe zu lange gedauert. Während das beauftragte Sicherheitsunternehmen noch eine sogenannte Alarmverifikation vorgenommen habe, sei eine Reinigungskraft als Erste am Tatort eingetroffen und habe die Gendarmerie verständigt, erklärte der Bürgermeister von Wingen-sur-Moder, Christian Dorschner, im Radiosender "France Info". Das 2011 eröffnete Museum beherbergt rund 650 Werke von René Lalique und war im Laufe des Jahres 2025 als sensibles Objekt eingestuft worden. Anlass war der Schmuckdiebstahl im Pariser Louvre im Oktober 2025. Trotz zusätzlicher Sicherheitsmaßnahmen konnte der Einbruch nicht verhindert werden.
In der "FAZ" kritisiert Andreas Kilb das Programm der Berliner Staatlichen Museen zum 250. Jahrestag der US-amerikanischen Unabhängigkeit als mutlos und kleinteilig. Statt einer großen Überblicksausstellung gebe es lediglich verstreute Einzelprojekte – von einer Präsentation zu Grönland im Humboldt Forum bis zu Installationen in der Neuen Nationalgalerie. Seiner Ansicht nach verfügten die Sammlungen durchaus über genügend Werke der US-Kunst, um eine repräsentative Ausstellung auszurichten. Es fehle jedoch "offenbar der Wille, die Potentiale der einzelnen Museen zu einer gemeinsamen Anstrengung zusammenzufassen". Die Verantwortung sieht er auch bei der Präsidentin der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Marion Ackermann, die nach der Reform der Stiftung vor allem moderiere und "nach dem Gießkannenprinzip" verfahre. Sein Fazit fällt entsprechend deutlich aus: Wer ein breites Publikum gewinnen wolle, müsse "gelegentlich auch Feuerwerke veranstalten". Diese Chance hätten die Berliner Museen beim US-Jubiläum "verpasst".
Gedenkkultur
In der "SZ" spricht sich Peter Richter gegen den geplanten Abriss der letzten erhaltenen Reste des Bunkers unter Hitlers Neuer Reichskanzlei zugunsten eines Wohn- und Büroprojekts aus. Zwar räumt er ein, dass Berlin dringend Wohnungen brauche, der Protest richte sich jedoch "nicht gegen Wohnhäuser, sondern gegen den Verlust des Bunkers". Richter hält die Sorge, der Ort könne zu einem "Wallfahrtsort" für Neonazis werden, für wenig überzeugend. Tatsächlich stünden dort heute vor allem "schlicht Touristen", die den historischen Ort suchten und stattdessen auf einen Parkplatz, einen Kindergarten und das Restaurant Peking Ente träfen. Der Autor argumentiert, Berlin sei internationalen Besuchern "irgendeinen sichtbaren Rest von Hitlers untergegangener Machtzentrale schuldig". Er verweist darauf, dass sich die Stadt in den vergangenen Jahrzehnten gerade durch einen reflektierten Umgang mit belasteten Orten ausgezeichnet habe, etwa bei der Topographie des Terrors oder der Umnutzung ehemaliger Bunker. Der verbliebene Reichskanzlei-Bunker eigne sich seiner Ansicht nach, "pars pro toto etwas über die gesamte Bunkeranlage von Hitlers Machtzentrale zu erzählen".