Zwei US-Kunstmarkt-Streits enden mit Gerichtsurteilen, Rafael Horzons Deutsches Design Museum, und Amy Sheralds verfemtes Porträt "Trans Forming Liberty" prangt jetzt auf dem "New Yorker": Das ist unsere Presseschau am Mittwoch
Museum
In der "FAZ" beschreibt Niklas Maak Rafael Horzons neu eröffnetes Deutsches Design Museum in Berlin als eine Mischung aus Dada und kapitalistischer Realität. Horzon wolle bewusst keine Kunst, sondern "Raumerhellungsobjekte", wie er in seinem "Manifest der Neuen Wirklichkeit" schreibt – Objekte, die "an die Stelle von Licht-Installationen treten" sollen. Er lehne das Etikett "Künstler" strikt ab, da es die Ernsthaftigkeit seiner Arbeit gefährde. Maak erkennt in Horzons Vorgehen "eine kritische Sprachanalyse der Strategien kultureller Bedeutungsproduktion" und betont, dass Projekte wie die Wissenschaftsakademie Berlin zwar wie Satire wirken, aber reale Wirkung entfalten.
Im Kunstpalast Düsseldorf sorgt derzeit der "Grumpy Guide" für Furore: Der schlecht gelaunte Kunsthistoriker Joseph Langelinck, gespielt vom Performance-Künstler Carl Brandi, führt das Publikum durch die Sammlung – beleidigend, überheblich und voller Spott. In der "Rheinischen Post" beschreibt Carina Carvalho Hagen, dass Langelinck die Besucher regelmäßig als "erbärmlich" beschimpft und etwa die Renaissance-Kunst als "künstlerische Selbstüberschätzung" abtut. Dennoch sind die Führungen Wochen im Voraus ausverkauft. Museumsdirektor Felix Krämer sieht darin "Humor und eine Prise Selbstironie" als Mittel, um neue Zielgruppen anzusprechen.
Kulturpolitik
In der "Zeit" kommentiert Thomas E. Schmidt den neuen Kulturhaushalt von Kulturstaatsminister Wolfram Weimer. Der Etat steigt auf 2,5 Milliarden Euro – "so prall wie nie zuvor", doch mehr Kultur sei dadurch nicht automatisch in Sicht. Schmidt merkt an, dass viele Mittel bereits gebunden seien, etwa für die Reform der Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Weimer wolle außerdem fünf Millionen Euro für ein Mahnmal für Opfer der kommunistischen Gewaltherrschaft bereitstellen. Dabei kritisiert Schmidt eine "feine, für die Grünen jedoch schmerzliche Neuausrichtung" der Erinnerungspolitik: Weimers neues Gedenkstättenkonzept werde wohl auf eine Thematisierung der Kolonialvergangenheit verzichten.
Kunstmarkt
"ARTnews" berichtet über das Urteil des New York Supreme Court gegen den ehemaligen Hedgefonds-Manager Philip Falcone. Der zuständige Richter gab den Betrugs- und Vertragsbruch-Klagen des Pfandkreditgebers BLCE statt. Falcone habe Kunstwerke mehrmals beliehen und "mehrfache Falschdarstellungen" gemacht, um Darlehen zu erhalten, was BLCE erheblichen finanziellen Schaden zugefügt habe, so Frank. Die Kanzlei Grossman LLP warf Falcone vor, den Besitz von Werken von Damien Hirst, Richard Prince und Pablo Picasso falsch dargestellt zu haben. Falcone hingegen erklärte, dies sei vergleichbar mit einer zweiten Hypothek und ein übliches Vorgehen. BLCE widersprach: "Das war Betrug, ganz einfach." Falcone kündigte Berufung an.
Und noch ein Gerichtsurteil nach einem sehr langen Prozess: In "The Art Newspaper" berichtet Anna Brady, dass ein US-Berufungsgericht die Zahlung von 2,5 Millionen Dollar an den Künstler Peter Doig bestätigt hat. Doig hatte diese Summe als Sanktion gegen den ehemaligen Gefängnisbeamten Robert Fletcher und die Bartlow Gallery erwirkt, nachdem diese ihn jahrelang fälschlich beschuldigt hatten, ein Bild gemalt zu haben, das jedoch nach Aussage des Künstlers nicht von ihm stammte. Laut Gericht sei spätestens 2014 klar gewesen, dass die Behauptungen "faktisch unbegründet" waren. Doigs Anwalt Matthew Dontzin begrüßte die Entscheidung als wichtigen Sieg für Künstlerrechte: "Wenige Künstler hätten einen solchen Prozess fast zehn Jahre lang durchgehalten." Doig plant, die Entschädigung an ein Kunstprojekt für Inhaftierte zu spenden.
Podcast
Der Doku-Podcast "MONET - Zeiten des Umbruchs" des Potsdamer Museums Barberini ist nun auch - moderiert von Historikerin Alice Loxton - auf Englisch erschienen: "Monet – Century of Change" beleuchtet in sechs Episoden das Leben Claude Monets – vom jungen Karikaturisten zum Mitbegründer des Impressionismus. Schauspieler James D’Arcy verleiht Monet seine Stimme. Interviews mit internationalen Experten, Hörspielelemente und historische Einblicke zeichnen sein künstlerisches und privates Umfeld nach – geprägt von Krieg, Exil und Wandel. Produziert von Studio Jot und dem Museum Barberini, das Europas größte Monet-Sammlung außerhalb von Paris beherbergt. Vier Folgen sind bereits verfügbar, zwei weitere folgen.
Das besondere Kunstwerk
Auf dem neuen "New Yorker"-Cover ist Amy Sheralds Porträt "Trans Forming Liberty" zu sehen, das die trans Künstlerin Arewà Basit darstellt. Das Gemälde ist Teil von Sheralds Ausstellung "American Sublime", die derzeit im Whitney Museum zu sehen ist. Ursprünglich sollte die Schau im Smithsonian National Portrait Gallery gezeigt werden, doch Sherald zog sie zurück, nachdem das Museum erwogen hatte, das Werk aus politischem Druck heraus zu entfernen. Das Weiße Haus unter Trump kritisierte das Bild als "ideologisch". Sherald hingegen betont, dass das Werk die Frage stelle, wer nationale Symbole verkörpern dürfe. Freiheit sei wandelbar und müsse alle Identitäten einschließen.
Amy Sheralds "Trans Forming Liberty" auf dem "New Yorker"-Cover vom 11. August