Bücher
Der Göttinger Verlag und Druckbetrieb Steidl steht vor einer ungewissen Zukunft. Wie Simon Bainbridge im "The Art Journal" berichtet, wurden die Insolvenzverfahren zwar nach kurzer Zeit eingestellt, doch die Krise offenbart tiefere Probleme: unbezahlte Löhne, fehlende Liquidität, Nachfolgeregelung und ein schrumpfender Markt für Fotobücher. Der Verlag, berühmt für seine handwerkliche Perfektion und die enge Zusammenarbeit mit Künstlern wie Robert Frank, Alec Soth oder Joel Sternfeld, kämpfe vielleicht auch mit den Folgen seiner Kompromisslosigkeit: Steidl sei, so ein langjähriger Weggefährte, "kein Geschäftsmann, sondern ein unglaublicher Handwerker". Gerhard Steidl betont, er wolle vor allem das einzigartige Wissen und die technischen Fähigkeiten des Hauses bewahren: "Was mir wichtig ist, ist, dass das Wissen, die Expertise und vor allem die technischen Fähigkeiten (...) über meine Lebenszeit hinaus erhalten bleiben." Der Fotograf Mitch Epstein nennt Steidl derweil einen "Meister der Buchherstellung".
Museen
Mit der Ausstellung "Terminal Piece" hat die neue Mumok-Direktorin Fatima Hellberg in Wien ihren Einstand gegeben. Uwe Mattheiß beschreibt in der "taz" den Parcours als "Tour de Force sinnlicher Erkenntnis", der sich bewusst vom Blockbuster-Museum absetzt. Im Zentrum steht Kate Milletts Installation "Terminal Piece", die Hellberg für die Sammlung angekauft hat und die feministische Gewaltkritik mit einer Kunst verbindet, die Ambivalenzen offenlässt. Mattheiß berichtet, Hellberg richte den Blick auf die bislang weniger erzählte Geschichte der Wiener Moderne und nutze die Sammlung als "archäologische Erkundung in den Ruinen der Moderne". Statt leicht konsumierbarer Großausstellungen entstehe ein Museum, das Wahrnehmung fordere: "Man lässt nicht alle Hoffnungen fahren, aber einige Gewissheiten über die Wahrnehmung von Kunst." Hellbergs Ansatz sei damit ein Gegenentwurf zum "Konzept Blockbustermuseum".
Die Modejournalistin Dana Thomas kritisiert in der "New York Times" die geplante Galliano-Retrospektive des Designers im New Yorker Metropolitan Museum of Art. Das Museum erhebe den wegen antisemitischer Äußerungen verurteilten Couturier in den Kanon der Modegeschichte und maße sich an zu entscheiden, "wann künstlerische Leistungen moralisches Versagen überwiegen". Die Galliano-Biografin Thomas hält das für "eine schreckliche Idee". Gallianos antisemitische Tiraden seien "keine Ausnahme" gewesen; über Jahre habe er Mitarbeitende und Weggefährten beschimpft und rücksichtslos behandelt. Zwar wolle die Ausstellung ethische Verantwortung mitverhandeln, faktisch bedeute sie aber eine Rehabilitierung, von der Galliano persönlich profitiere. Thomas warnt, das Met und Anna Wintour verkauften die Vorstellung, sie könnten der Öffentlichkeit vorgeben, wie über eine so polarisierende Figur zu urteilen sei – "eine Idee, die aus der Mode gekommen ist".
Kunstmarkt
Der aktuelle Aufschwung der großen Auktionshäuser wird vor allem von den Nachlässen bedeutender Sammler getragen, berichtet Daniel Cassady in "ARTnews". Sammlungen von Paul Allen, Leonard Lauder oder Robert Mnuchin bringen seltene Spitzenwerke auf den Markt und kompensieren das knappe Angebot an Meisterwerken. Mari-Claudia Jiménez von Withers Art Advisory sagt, die Erholung des Marktes werde "in diesem Moment vollständig von diesen Sammlungen angetrieben". Cassady sieht darin den Beginn einer größeren Welle: Im Zuge des Generationenwechsels könnten in den kommenden Jahren Kunstwerke im Wert von bis zu einer Billion Dollar übertragen werden. Viele Erben dürften verkaufen, auch aus steuerlichen Gründen. Auktionshäuser wie Christie’s und Sotheby’s werben deshalb frühzeitig um Nachlässe – mit Garantien, globalem Marketing und der Erzählung vom Sammler als Persönlichkeit. Mitchell Zuckerman bringt die Entwicklung nüchtern auf den Punkt: "Es gibt eine unendliche Versorgung mit Nachlässen von Kunstbesitzern." Die entscheidende Frage sei, ob die nächste Generation auch bereit ist, diese Werke zu kaufen.
KI
Der Bestsellerautor Florian Illies regt Mitleid mit Künstlicher Intelligenz an. "Ihr fehlt das Zweifeln, ihr fehlt das Zögern, ihr fehlt das Scheitern, ihr fehlt die Erfahrung", schreibt der 55-Jährige in einem "Zeit"-Essay. Ihr fehle, "dass ihre Texte durch einen Körper gegangen sind, durch eine Seele, nicht nur durch eine Datenleitung. Ist es nicht tröstlich, dass genau dies den Maschinen immer fehlen wird? Wir sollten anfangen, sie dafür zu bemitleiden." Der KI, so schreibt Illies in dem Beitrag, fehle "die Unterbrechung durch das aufgewachte Kind oder die piepende Waschmaschine, ihr fehlt das Abschweifen der Gedanken zurück in einen lange vergangenen Sommer". Der Autor und "Zeit"-Herausgeber führt aus, dass KI "keine wild wuchernden menschlichen Synapsen" habe, "sondern lineare künstliche". "Die KI-Anbieter versuchen, uns genau das als Gewinn zu verkaufen. Wer bei ChatGPT, bei Claude oder bei Google Gemini ein Thema eingibt, der bekommt einen Text in gewünschter Länge schneller geliefert, als er für das Eintippen der Frage gebraucht hat. Die größte Verheißung der KI ist also die Geschwindigkeit, mit der sie aus unzähligen Daten ein zählbares Ergebnis erstellt." Der Dauergestus der KI laute stets "Kein Problem", schreibt Illies. "Sie ist auf unmenschliche Weise immer bereit. Und nie erschöpft. Wann auch immer man fragt: Es gibt in Bruchteilen von Sekunden eine Rede, ein Gedicht, einen Kommentar. Aber wer so schnell schreibt wie die KI, der kann nicht am Leben sein."