Medienschau

"Eines der größten fotografischen Dokumente des 20. Jahrhunderts"

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Unbekannte Aufnahmen von Lee Miller und Cecil Beaton aufgetaucht, Restitutionsstreit um Modigliani-Werk endet und weiter Gerangel um Smithsonian-Personalien: Das ist unsere Medienschau am Dienstag

Debatte

Die britische Regierung verweigert US-Rapper Kanye West die Einreise in das Vereinigte Königreich. Die Entscheidung folgt auf die Debatte über geplante Auftritte des 48-Jährigen bei einem Festival in London in diesem Sommer. West war in der Vergangenheit immer wieder mit rassistischen und antisemitischen Äußerungen aufgefallen. Premierminister Keir Starmer hatte die Planung als "zutiefst besorgniserregend" bezeichnet. Übereinstimmenden Medienberichten zufolge hatte der Rapper, der unter dem Namen Ye firmiert, am Montag eine elektronische Einreisegenehmigung (ETA) beantragt. Die Entscheidung, diese nicht zu genehmigen, fiel demnach mit der Begründung, dass seine Anwesenheit dem öffentlichen Wohl nicht dienlich wäre. West hatte im vergangenen Jahr ein Lied mit dem Titel "Heil Hitler" veröffentlicht. Anfang 2026 hatte er in Form einer ganzseitigen Anzeige im "Wall Street Journal" um Entschuldigung gebeten. "Ich bin weder ein Nazi noch ein Antisemit", schrieb der Ex-Ehemann von Kim Kardashian und führte seine früheren Äußerungen auf eine bipolare Störung zurück.

Fotografie

In der britischen "Times" berichtet David Sanderson von einem spektakulären Fund: Ein Fotoalbum des Dunkelkammer-Technikers Roland Haupt entpuppt sich als "eines der größten fotografischen Dokumente des 20. Jahrhunderts". Es enthält bislang unbekannte Aufnahmen von Lee Miller und Cecil Beaton aus dem Zweiten Weltkrieg. Der Händler Michael Hoppen nennt das Konvolut eine "empirische Zeitkapsel" und sagt: "Es gab viele Bilder, die ich noch nie gesehen hatte." Darunter seien auch Aufnahmen von Konzentrationslagern, "die ich lieber vergessen würde". Das Album zeige laut Hoppen zugleich, wie "außerordentlich mutig diese Frau war", und mache die enge Zusammenarbeit zwischen den Fotografen und ihrem Assistenten sichtbar.

Restitution

In "ARTnews" berichtet Autorin Tessa Solomon über das Ende eines elfjährigen Restitutionsstreits um "Sitzender Mann mit Stock" von Amedeo Modigliani: Ein New Yorker Gericht sprach das während der NS-Zeit entzogene Werk den Erben des jüdischen Kunsthändlers Oscar Stettiner zu und wies die Ansprüche der Familie um David Nahmad zurück. Richter Joel M. Cohen erklärte, Stettiner habe das Bild "niemals freiwillig aufgegeben". Solomon schreibt, die Richter hätten die Provenienzargumente der Nahmads verworfen; diese hätten "keine Belege" für andere Eigentümer vorgelegt. Die Entscheidung gilt als seltener Erfolg für Restitutionsklagen, zumal auch eine "fehlerhafte und irreführende" Herkunftsangabe kritisiert wurde.

Interview

Alicja Kwade spricht in der "Vogue" mit Laura Helena Wurth über ihr internationales Leben zwischen Ausstellungen, Skulpturen und der Leitung ihres Studios mit rund 25 Mitarbeitenden. Sie betont: "Man sollte sich nicht darüber definieren, wo man zufällig herkommt." Ihre Arbeiten aus Stein, Metall, Holz und Spiegeln hinterfragen vermeintlich objektive Realitäten und Zeit. Kwade erläutert, dass sie Skulpturen zunehmend im öffentlichen Raum zeigt, um sie allen zugänglich zu machen, wie etwa ihr Planetensystem auf dem Dach des Metropolitan Museum in New York. Neben Großformaten interessiert sie sich auch für Schmuckprojekte, die persönliche Bedeutung tragen, und erklärt, dass sie bis ans Lebensende Kunst machen und zeigen möchte. Sie beschreibt ihre Kunst als universell und neugierig auf das, was Menschen und Welt zusammenhält.

Museen

In der "New York Times" berichtet Robin Pogrebin über Verzögerungen bei der Besetzung des Vorstands der Smithsonian Institution. Nach Ablauf der Amtszeiten von John Fahey und Risa J. Lavizzo-Mourey sind ihre Nachfolger noch nicht benannt. Pogrebin erklärt, dass Präsident Trump "das Board mit eigenen Kandidaten überholen" wolle und dies den traditionellen, unpolitischen Nominierungsprozess untergrabe. Die Smithsonian-Leitung bemühe sich um Unabhängigkeit; Direktor Lonnie G. Bunch III mahnte, "man müsse für die Geschichte kämpfen wie verrückt". Experten nannten die Situation "überraschend" und betonten, dass solche Eingriffe in die Regents-Besetzung ungewöhnlich seien. 

Film

Im "New Yorker" beschreibt Justin Chang Steven Soderberghs Film "The Christophers" als "ein Duell von Künstlern, das heilend wirkt". Er erläutert, wie Ian McKellen den alternden Maler Julian Sklar spielt und Michaela Coel die junge Restauratorin Lori Butler, die heimlich unvollendete Werke vervollständigen soll. Chang hebt Coels Darstellung hervor: Lori sei "eine versierte Technikerin und eine blitzschnelle Lernerin", deren Auftritt Julian zunächst misstrauisch macht, bevor er ihre Kunstfertigkeit anerkennt. Der Kritiker lobt die Regie und Kameraarbeit, die das Haus als dynamischen Schauplatz inszeniert, und verweist auf Lori, die Julian präzise entgegnet: "Das Leichte war erzwungen, und die Freude war eine Lüge." Chang deutet an, dass Soderberghs Film "die Begegnung zweier Seelenverwanden" feiert und zeigt, wie künstlerisches Schaffen Generationen verbindet.

In "The Set Set" erklärt Produktionsdesignerin Zosia MacKenzie, wie die Einrichtung in "The Drama", das vergangene Woche in den deutschen Kinos gestartet ist,  die emotionale Distanz zwischen Zendaya und Robert Pattinsons Figuren widerspiegelt. Für das Bostoner Apartment suchte MacKenzie eine "traditionelle, charaktervolle" Wohnung mit Spiraltreppe und natürlichem Licht, die sie dann innerhalb von drei Wochen mit echten Kunstwerken lokaler und internationaler Künstler sowie mit Mid-Century-Möbeln einrichtete. Asymmetrische Möbel und dekorative Details, etwa zwei unterschiedliche Stühle am Esstisch oder verschiedene Lampen im Schlafzimmer, spiegeln subtil die Spannungen im Paar wider. Originalkunstwerke von Sara Cwynar, Bjarne Bare, Tristan Unrau und anderen betonen visuell die emotionale Dynamik, während Klassiker wie Knoll-Sofa, Charles Pollock-Sessel und Josef-Albers-Tische das Setting stabilisieren. MacKenzie hebt hervor, dass die Räume und Kunstobjekte die Charaktere und ihre Konflikte auf eine "subtile, aber wirkungsvolle" Weise ergänzen, und dass die Crew nach Drehschluss einige Stücke als Erinnerungsstücke behielt.