Im "Art Newspaper" berichtet Gareth Harris, dass Regierungen den gesundheitlichen Nutzen von Kunst zunehmend als Bestandteil ihrer Gesundheitspolitik betrachten. Besonders Wales und Griechenland gingen dabei voran: In Wales solle geprüft werden, wie Kunst- und Kulturprogramme stärker im staatlichen Gesundheitswesen verankert werden können, während Griechenland bereits ein gesetzlich verankertes Modell der "Kultur auf Rezept" eingeführt habe. Harris beschreibt dies als Teil eines grundlegenden Wandels von der Behandlung zur Prävention. Der Autor verweist auf Studien der Psychobiologin Daisy Fancourt, wonach Museumsbesuche und andere kulturelle Aktivitäten Depressionen und Angstzustände lindern können. Ihr Fazit lautet: "Wäre Kunst eine Pille, würden wir sie jeden Tag einnehmen."
Kunstgeschichte
In der "taz" spricht Sebastian Moll mit der Kunsthistorikerin Jennifer Van Horn über die Neubewertung der frühen US-amerikanischen Kunst. Van Horn zeigt, wie Gemälde der Gründungszeit vor allem eine Erzählung von Freiheit und Demokratie verbreiteten, dabei aber Ausbeutung und Ausschlüsse ausblendeten. "Wenn wir über Freiheit sprechen, sprechen wir auch über Unfreiheit. Freiheit für wen eigentlich?", sagt sie. Die Forscherin plädiert dafür, auch die Leerstellen in Kunstwerken zu untersuchen: "Abwesenheit ist heute ein wichtiges theoretisches Konzept." An Beispielen wie der Darstellung George Washingtons oder Landschaftsgemälden des amerikanischen Westens zeigt sie, wie Kunst nationale Mythen geprägt habe – und welche verdrängten Geschichten darin verborgen seien. Die heutige Kunstgeschichte sieht sie vor der Aufgabe, diese Widersprüche sichtbar zu machen und den Kanon zu erweitern.
Malerei
In der "FAZ" kritisiert Hubertus Butin den Boom der sogenannten Celebrity Art, bei dem immer mehr Hollywood-Stars neben ihrer Schauspielkarriere als Künstler auftreten. Er argumentiert, dass viele dieser Werke weniger wegen ihrer künstlerischen Qualität als wegen der Prominenz ihrer Urheber Aufmerksamkeit erhielten. Die Arbeiten von Stars wie Johnny Depp, Sylvester Stallone (hier im Monopol-Interview über seine Malerei) oder Adrien Brody (hier im Monopol-Interview) seien meist "nicht eigenständig, komplex, reflektiert oder gar für die Kunstentwicklung relevant". Butin bemängelt, dass Prominenten oft der kritische Abstand zur eigenen Arbeit fehle und sie durch ihren Status leichter Zugang zu Galerien und Museen erhielten. Zwar gesteht er jedem das Recht zu, Kunst zu machen, doch sieht er in vielen Fällen eine Vermischung von Ruhm und künstlerischem Anspruch. Als seltene Ausnahme nennt er Dennis Hopper, dessen Fotografien tatsächlich einen eigenständigen Beitrag zur Kunstgeschichte geleistet hätten. Sein Fazit: Celebrity Art profitiere vor allem vom Namen der Künstler – nicht von der Qualität der Werke.
Gedenkkultur
In der "FAZ" spricht sich Andreas Kilb gegen den Erhalt der letzten Reste des Bunkers der Neuen Reichskanzlei in Berlin aus. Zwar räumt er ein, dass die Forderung von Denkmalpflegern zunächst plausibel erscheine, warnt aber vor einem neuen Gedenkort unter der Erde. Ein solcher Ort könne zu einem "Gruselkabinett mit U-Boot-Atmosphäre" werden, dessen pädagogischer Wert gering, dessen "Aura-Verlockung für nachwachsende Anhänger des Totalitarismus" aber groß sei. Kilb argumentiert, Berlin habe bereits zahlreiche Gedenkorte für die NS-Geschichte, und die erheblichen Kosten für eine Bunker-Erhaltung wären an anderer Stelle sinnvoller eingesetzt. Statt eine weitere NS-Stätte touristisch aufzuwerten, sollten bestehende Erinnerungsorte gestärkt werden. Sein Fazit: Die vom Verein Berliner Unterwelten angebrachten Informationstafeln reichten aus – eine museale Inszenierung des Bunkers sei nicht notwendig.
Bildpolitik
In der "SZ" analysiert Michael Moorstedt, wie der Drohnenkrieg in der Ukraine die Wahrnehmung von Krieg verändert. Die Aufnahmen aus den Kameras der FPV-Drohnen erzeugten eine nie dagewesene Nähe zum Geschehen, führten aber paradoxerweise zu größerer Distanz und Entfremdung. Der Autor beschreibt, wie die Bilder in sozialen Medien als "War Porn" oder "Militainment" zirkulieren und durch ihre Videospielästhetik die Grenzen zwischen realer Gewalt und Simulation verwischen. Moorstedt zeigt zudem, dass die Aufnahmen nicht nur der Öffentlichkeit dienen, sondern bereits als Trainingsmaterial für autonome Waffensysteme genutzt werden. Der Krieg liefere Daten für die nächste Generation von Maschinen. Die zentrale Pointe des Textes: Die Bilder vom Krieg sind nicht mehr nur Darstellungen von Gewalt – sie werden selbst zu einem Bestandteil der militärischen Entwicklung.
Im Podcast "Doomscroll" des Künstlers und Internetkultur-Autors Joshua Citarella spricht die Medienkünstlerin Hito Steyerl über KI, Macht und die Zukunft der Kunst. Steyerl warnt vor einer "Automatisierung des Urteils": Wenn politische Entscheidungen und ästhetische Bewertungen an Maschinen delegiert würden, verschwinde auch der demokratische Prozess dahinter. "Wenn man es automatisiert, automatisiert man nicht nur die Entscheidung, sondern die Entscheidungsfindung", sagt sie. KI sei derzeit eng mit autoritären Tendenzen verbunden, weil Staaten und Tech-Konzerne sie zur Kontrolle, Propaganda und Automatisierung nutzten. Auch die zeitgenössische Kunst verliere laut Steyerl ihre bisherige Funktion als Prestige- und Spekulationsmaschine: "Dieses Medium der zeitgenössischen Kunst und eine Art Steuervermeidungsmechanismus (…) ist vielleicht nicht mehr wirklich notwendig." Zugleich arbeitet sie an einem alternativen KI-Modell mit freiwillig bereitgestellten Daten – als Versuch, eine andere digitale Öffentlichkeit zu schaffen.