Medienschau

"Man kann gar nicht genug reflektieren"

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Der Propagandakrieg der Bilder im Nahen Osten, die Vereinnahmung historischer Gemälde durch Trumps Heimatschutzministerium – und Steve Martin als charmanter Guide durch die Frick Collection: Das ist unsere Presseschau am Donnerstag

Bildpolitik

In der "FAZ" analysiert Stefan Trinks die politische Instrumentalisierung historischer Gemälde durch Trumps Heimatschutzministerium. Er zeigt auf, wie Werke wie John Gasts "American Progress" (1872) und Morgan Weistlings "A Prayer for a New Life (2020) in sozialen Medien gezielt verwendet werden, um eine weiße, christlich-patriarchale Siedlerideologie zu propagieren. Trinks kritisiert, dass dabei die gewaltsame Vertreibung und Auslöschung indigener Kulturen verharmlost oder gar verherrlicht wird. Der Kommentar "Ein Erbe, auf das man stolz sein kann, eine Heimat, die es wert ist, verteidigt zu werden" zeige deutlich, wie das Bild zur politischen Botschaft werde. Trinks bezeichnet die Bildsprache als "pseudosakralisiert" und warnt vor der "Gewöhnung an das süße Gift" solch ästhetisch ansprechender, aber ideologisch brisanter Werke. Die Kunst werde hier nicht nur missverstanden, sondern bewusst umgedeutet.

In einem Interview mit WDR 3-"Resonanzen" betont Medienethiker Christian Schicha von der Universität Erlangen-Nürnberg die ethische Verantwortung im Umgang mit Kriegsbildern. Er erklärt, dass "die Wahrheit auf der Strecke bleibt", wenn Bilder unreflektiert übernommen werden. Angesichts von Propagandavideos wie denen der Hamas, in denen ausgehungerte Geiseln gezeigt werden, warnt er vor der Instrumentalisierung von Opfern. Auch scheinbar authentische Fotos wie das eines ausgemergelten Jungen seien problematisch, wenn sie nicht im richtigen Kontext gezeigt werden. "Man kann gar nicht genug reflektieren und sich Gedanken machen, was man alles nicht zeigt", so Schicha. Besonders kritisiert er die mangelnde Prüfung von Quellen in der digitalen Bilderflut und spricht sich für Zurückhaltung aus: "Ich plädiere dafür, so wenig wie möglich zu zeigen, sondern zu erklären." Trotz technischer Manipulierbarkeit blieben ethische Maßstäbe konstant – nicht jedes emotional aufgeladene Bild sei ein geeignetes Symbolbild. Schicha ruft Medien dazu auf, nicht nur zu berichten, sondern auch "Zusammenhänge darzulegen und Propaganda zu entlarven".

In der "Zeit" kommentiert Berit Dießelkämper die hitzige Debatte um eine American-Eagle-Werbung mit Sydney Sweeney. Die Autorin sieht die Aufregung als Symptom eines aufgeheizten Kulturkampfes, bei dem der ursprüngliche Inhalt – eine Jeans – kaum mehr eine Rolle spielt. Der Slogan "Sydney Sweeney has great jeans" sei eigentlich bedeutungslos, werde jedoch als Anspielung auf "Gene" (das englische "genes" klingt wie "jeans") interpretiert. Dießelkämper meint, dass "die Empörungsmechanismen mittlerweile so eingeübt und berechenbar" seien, dass sie gezielt für Marketingstrategien genutzt würden. Sie fragt ironisch, ob man hier wirklich Eugenik betreibe, oder ob nicht einfach "eine Werbekampagne unter Zuhilfenahme der aktuell angespannten Stimmung ganz hervorragend aufgegangen" sei.

Kunstmarkt

In "The Art Newspaper" berichtet Carlie Porterfield über die Schließung der New Yorker Galerie Kasmin und die Gründung eines neuen Projekts: Olney Gleason. Die langjährigen Kasmin-Leiter Nick Olney und Eric Gleason führen das Vorhaben, das laut Olney den Gesprächen mit dem 2020 verstorbenen Galeristen Paul Kasmin entspreche. Man habe diese Entscheidung "mit Paul getroffen, als er noch lebte", und das Vorhaben sei durch seinen Nachlass "voll unterstützt". Die neue Galerie will etwa 25 Künstlerinnen, Künstlern und Nachlässe vertreten – rund 80 Prozent davon habe Kasmin erst in den letzten fünf Jahren aufgenommen. Olney Gleason bleibe laut Pressemitteilung eng mit dem Erbe Kasmins verbunden.

Architektur

In der "taz" spricht Astrid Kaminski mit dem Architekten und Künstler Pierre-Christophe Gam über sein Projekt "Dream-Tanks". Gam betont, dass "alles, was wir als Realität bezeichnen, nur ein Vorschlag" sei, und sieht Träume als Mittel, um gesellschaftliche Alternativen zu imaginieren. Er kritisiert, dass aktuelle Realitäten – etwa Kapitalismus – oft als alternativlos gelten, obwohl sie lediglich Ergebnisse kollektiver Vorstellungen seien. Gam erklärt, dass wir "mental aus unserem Gefangensein in einer einzigen bestimmenden Realität ausbrechen" müssten. Für ihn sei das Anknüpfen an vorkoloniale afrikanische Weltdeutungen ein Akt der Dekolonisierung, um optimistische Zukunftsbilder zu entwickeln. Die aktuelle Monopol-Sommerausgabe widmet den Träumen in der Kunst einen großen Schwerpunkt

Museen

In "Hyperallergic" beschreibt Isa Farfan, wie der Komiker Steve Martin als Werbegesicht der neu eröffneten Frick Collection in New York auftritt. In einem humorvollen Video führe Martin durch das frisch renovierte Museum und rege dazu an, sich vom Alltäglichen zu lösen, um "näher an Objekte von Schönheit und Ehrfurcht" heranzutreten. Farfan fragt indes, ob der Slogan wirklich alle einlädt, denn der Besuch koste immerhin 30 Dollar – was die Kategorie "uns", wie Martin es formuliert, einschränke. Zwar sei Martin laut Museumssprecher ein langjähriger Unterstützer und Kunstsammler, doch Farfan betont, dass die Auswahl nicht nur charmant ironisch sei – wegen seiner Rolle als trotteliger Inspektor in "Pink Panther" –, sondern auch kalkuliert, um ein breiteres Publikum zu locken.