Medienschau

"Reine Steuergeldverschwendung"

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Debatte um teure Netzskulptur in Frankfurt, Besuch der wiedereröffneten Galerie d’Apollon im Louvre – und die Berliner Volksbühne wird zum Freibad: Das ist unsere Medienschau am Freitag

Debatte

Die "Frankfurter Neue Presse" berichtet über die kontroversen Reaktionen auf die monumentale Netzskulptur "A Sky Full of Hope" der US-Künstlerin Janet Echelman, die Mitte August auf der Frankfurter Konstablerwache eröffnet werden soll. Während einige Passanten das Werk als beeindruckende Bereicherung des Platzes begrüßten, überwögen derzeit skeptische Stimmen. Kritisiert würden vor allem die Kosten von gut zwei Millionen Euro sowie ein fehlender Bezug zur Stadt. Ein Frankfurter sage: "Ich glaube, die Frankfurter wünschen sich Kunst, mit der man sich tatsächlich identifizieren kann." Andere bezeichneten das Projekt als "reine Steuergeldverschwendung" und argumentierten, das Geld wäre angesichts maroder Schulen, Obdachlosigkeit und sozialer Probleme besser investiert gewesen. Auch die "FAZ" hat sich auf der Straße umgehört. Ein Rentner nennt die Installation "völlig sinnlos, ein Witz" und findet: "Das sieht einfach aus wie ein Vorhang auf dem Balkon." Andere zeigten sich begeistert. Ein Besucher sagt, er sei "fasziniert" und könne "nicht verstehen, dass sich so viele darüber aufregen". Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) äußert im "hessenschau"-Interview Verständnis für die Kritik an den Kosten. Gerade in diesen Zeiten könne sie den Reflex nachvollziehen: "Mensch, braucht ihr jetzt ein teures Kunstwerk?" Aber es werde dafür nicht an anderer Stelle gespart, betont Hartwig. "Es gab Geld, das im Stadtmarketing gewissermaßen übrig war für die Illumination unserer Stadt." Die Direktvergabe an Echelman - ohne Ausschreibung, ohne Wettbewerb - erklärt Hartwig so: Die Stadt habe sich gezielt für die US-Künstlerin entschieden, weil sie "Erfahrung in der Gestaltung des öffentliches Raumes mitbringt, aus vielen Städten dieser Welt."

Museen

Oliver Meiler beschreibt in der "SZ", wie die nach dem Diebstahl der französischen Kronjuwelen wiedereröffnete Galerie d’Apollon im Louvre selbst zur Touristenattraktion geworden ist. Besucher strömten nun vor allem zu jenem Fenster, durch das die Täter 2025 eingestiegen waren. Kulturministerin Catherine Pégard sagte bei der Wiedereröffnung: "Dieser Überfall war ein Trauma für die ganze Welt." Meiler bezweifelt jedoch, dass "Trauma" der richtige Begriff sei, und schildert den Tatort eher als neue Sehenswürdigkeit. Die acht gestohlenen Juwelen blieben weiterhin verschwunden, die Galerie sei mit Gittern und zusätzlichen Kameras gesichert. Zugleich stehe der Louvre vor einer milliardenschweren Modernisierung, für die noch 360 Millionen Euro fehlten. Direktor Christophe Leribault warne: "Das wird sehr teuer."

Kunstgeschichte

Hannes Stein schreibt in der "Welt" über Marcel Duchamps "Fountain", das hundert Jahre nach seiner Entstehung erneut im Museum of Modern Art in New York zu sehen ist. Das Urinal mit der Signatur "R. Mutt" sei "das Alpha und Omega der zeitgenössischen Kunst", weil Duchamp damit die Grenzen dessen verschoben habe, was als Kunst gelten könne. Stein erinnert daran, dass Duchamp die "retinale Kunst" ablehnte und mit Readymades Alltagsgegenstände in den Rang von Kunstwerken erhob. "Die Malerei ist am Ende", habe Duchamp einst gesagt – angesichts eines Propellers, der ihn mehr beeindruckte als traditionelle Malerei. Stein fragt kritisch, ob die Folgen dieses Umsturzes nicht auch in einer Flut bedeutungsloser Objekte mündeten. Zugleich betont er, dass Duchamps Provokation nur möglich gewesen sei, weil sich zuvor die Idee des individuellen Künstlergenies durchgesetzt hatte. Das Original der "Fountain" existiert nicht mehr; die heute gezeigte Version ist eine Replik.

Das besondere Kunstwerk

An der Berliner Volksbühne wird jetzt geplanscht. Der neue Chef Matthias Lilienthal hat zu Beginn seiner Intendanz einen Pool aufbauen lassen und will mit dem Projekt auch Menschen anziehen, die sonst vielleicht nicht ins Theater gehen. Für ihn sei es auch das Anprangern eines sozialen Missstandes, meinte Lilienthal in einem rbb-Interview. Nämlich: dass Infrastruktur wie Bäder, S-Bahnen und Schulen unzureichend funktioniere. "Und das Volksbad ist ein politischer Protest dagegen." Lilienthal verstehe etwas von Werbung für sein Haus, sagt Journalist Arno Frank, der etwa für den "Spiegel" schreibt, im RadioEins-Kommentar. Dass die Spielzeit im Oktober mit "House of Hopes" von Rimini Protokoll eröffnet werde, wisse nur, wer sich wirklich für Theater interessiere. "Über das Volksbad aber redet schon jetzt die ganze Stadt. Und bald - jede Wette - das ganze Land." Lilienthal verlagere die Bühne ins Freie, öffne sie für das ganze Volk und übe mit dem Projekt auch Kritik an einer Kommerzialisierung öffentlicher Räume. Wann sei zuletzt ein neues öffentliches Freibad eröffnet worden? Die Volksbühne nehme das Geld in die Hand und setze darauf, dass in den Köpfen der Menschen wieder eine Ahnung keime, was diese Stadt sein könnte. Inspiriert ist das Projekt von Performance-Künstlerin Florentina Holzinger, die gerade den österreichischen Pavillon auf der Kunstbiennale in Venedig bespielt. Sie flutete das Gebäude und lässt Frauen dort nackt Jetski fahren. Oder in einem Tank abtauchen, der angeblich mit geklärtem Urin gefüllt ist. An der Volksbühne zeigte sie neben "Sancta" (über die Kirche) und "A Year Without Summer" (mit lesbischer Orgie und Fäkalienschlacht) auch "Ophelia's Got Talent". Eine Art Talentshow nackter Performerinnen mit großem Wasserbecken. Das hat Lilienthal auch auf die Idee des "Volksbads" gebracht, so nennt die Volksbühne das temporäre Freibad. Holzinger soll 2028 an der Volksbühne wieder ein neues Stück inszenieren, bereits zum Ende des Freibads plant sie dort eine Aktion.

Temporärer Pool vor der Volksbühne; frontal, großes Becken dominiert den Vorplatz.
Foto: Sebastian Christoph Gollnow/dpa

Temporäres Schwimmbad vor der Volksbühne