Porträt
In der "FAZ" beschreibt Jonathan Guggenberger die Arbeit der Künstlerin Klára Hosnedlová als "Phänomen" und Sinnbild eines Kunstmarkts, in dem "Größe Sichtbarkeit bedeutet". Die 1990 geborene Tschechin, einst für feine Stickereien bekannt, habe ihre Kunst zu raumfüllenden Filzlandschaften ausgedehnt – zuletzt im Berliner Hamburger Bahnhof, wo sie mit Unterstützung von Chanel eine ganze Halle füllt. Guggenberger fragt skeptisch, ob diese Expansion "nur ein Marketing-Trick" sei, und beschreibt die Schau als "aufgeblasen und leer, wie ein ausgestorbenes Filmset von 'Mad Max'". Das Modehaus profitiere ebenso wie das Museum vom Hype, der Preise bis 275.000 Euro treibe. Hosnedlovás Erfolg zeige, so Guggenberger, wie sehr der Kunstmarkt am Prinzip "size matters" festhalte.
Kunstgeschichte
Florian Thalmann berichtet im "Berliner Kurier", dass ein lange verschollenes Gemälde aus dem legendären Berliner Bordell "Salon Kitty" wieder aufgetaucht ist. Es zeigt die Betreiberin Kitty Schmidt, deren Haus in der NS-Zeit angeblich für Spionagezwecke genutzt wurde. Thalmann schreibt, das Bild sei "ein Schatz aus dem Nazi-Bordell", der Jahrzehnte als verschollen galt. Laut der Autorin Julia Schrammel, die gemeinsam mit Urs Brunner das Buch "Kittys Salon. Legenden, Fakten, Fiktion" verfasst hat, hing das Porträt zuletzt in einer Berliner Wohnung, wo es zufällig entdeckt wurde. Schrammel erklärte, sie habe schon früher "beinahe alle Auktionshäuser und Antiquitätenhändler in Berlin angeschrieben". Nun solle das Werk, so Thalmann, möglichst in einem Museum gezeigt werden.
Nachruf
In "Texte zur Kunst" erinnert Künstler Heinz Mack an seinen Weggefährten Günther Uecker, der im Juni im Alter von 95 Jahren gestorben ist. Mack schreibt, ihre Freundschaft habe "bereits in der ZERO-Zeit" begonnen und sei "von hohem gegenseitigem Respekt" getragen gewesen. Er würdigt Uecker als Künstler, den "das Elend der Welt zutiefst berührt" habe und der seine Werke teils verletzte, "um sie zu verletzen und zugleich mit Affektion ihr Dasein zu sichern". Ueckers Schaffen habe zwischen Zerstörung und Poesie geschwankt – sein "Terror-Orchester" sei ebenso unvergesslich wie seine lichterfüllten Reliefs. Mack betont, Uecker habe "sein ganzes Leben ausschließlich für die Kunst gelebt" und mit Fleiß und Disziplin einen Rang erreicht, "dass seine Werke für immer in der Welt bleiben werden".
Ausstellung
"Was macht es mit uns, wenn wir nicht wissen, vor wessen Werk wir stehen?", fragt Angelika Drnek in der "NZZ". Der Grund: Im Kunsthaus Bregenz verzichte eine neue Schau vollständig auf Autorschaft: kein Name, kein Hinweis auf Herkunft oder Biografie, stattdessen ein schwarzer Balken auf dem Plakat und geschwärzte Presseunterlagen. Zu sehen sei ein aus Aluminiumteilen konstruiertes, bewohnbares Haus, das nach der Ausstellung als mobile Künstlerresidenz weiterreisen solle. Direktor Thomas D. Trummer spreche von einem "antikapitalistischen Angebot": keine Editionen, kein Marktwert, keine Einzahl auf eine Marke. Drnek betont, das Projekt sei kein PR-Gag, sondern ein Versuch, die Routinen des Kunstbetriebs zu durchbrechen – die Neigung, Werke über Namen und Identität zu legitimieren. Die Schau verlange, das Nichtwissen auszuhalten, und spiegle zugleich die Sehnsucht nach Eindeutigkeit und Selbstinszenierung im Kunstsystem. "Leerstellen", schreibt die Autorin, eigneten sich schlecht, um das eigene Ich auf Hochglanz zu bringen – "aber vielleicht täte es uns ganz gut, einmal aus dem Licht zu treten und uns für einen Moment selbst zu vergessen."
Mode
Tanja Rest zeigt sich in der "Süddeutschen Zeitung" begeistert von Matthieu Blazys erstem Auftritt bei der Paris Fashion Week – "schlicht grandios", nennt sie die Chanel-Schau unter der Glaskuppel des Grand Palais. Kein Posten in der Modewelt sei härter, schreibt Rest: Zehn Kollektionen im Jahr, 600 Boutiquen, 38.000 Mitarbeitende – und das Erbe eines französischen Heiligtums. Blazy, zuvor bei Bottega Veneta, habe Chanel nicht auf den Kopf gestellt, sondern "endlich wieder modern" gemacht. Tweed, weiße Hemden, perfekt geschnittene Mäntel – alles vertraut, aber leichter, befreiter, mit Nonchalance. Klassiker wie die Tasche 2.55 oder die Kamelien habe er behutsam dekonstruiert, ohne den Zauber zu zerstören. Statt jugendlicher Provokation, so Rest, setze Blazy auf Eleganz, Handwerk und Haltung – "ein plausibles Angebot an viele Generationen". Und sie hofft, ganz im Sinne von Coco Chanel, "dass Matthieu Blazy seine Arbeit liebt". Auch Ramona Nickl zeigt sich in "Harper’s Bazaar" beeindruckt: ein "einschneidendes Ereignis in der Geschichte des Hauses", schreibt sie. Nach Monaten der Spekulationen und hitzigen Debatten über die Nachfolge von Virginie Viard habe Blazy die Erwartungen "mit Leichtigkeit erfüllt". Unter einer gläsernen Milchstraße habe er Chanel "in ein neues Universum getragen" – und damit Coco Chanels Credo zitiert: "Ich glaube an die Sterne." Nickl deutet die Inszenierung als symbolischen Aufbruch – weg vom gepflegten Erbe, hin zu kosmischer Weite. Blazy übersetze die DNA von Chanel in eine Gegenwart, die "glänzt, ohne zu blenden". Seine Show, schreibt die Autorin, vereine alles, was das Haus groß gemacht habe – Präzision, Handwerkskunst, Eleganz – und füge etwas hinzu, das zuletzt gefehlt habe: Zukunft. Für Monopol berichtet Leonie Wessel von der Präsentation.