Medienschau

"Mode war damals nicht primär Geschäft, sondern Passion"

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Der Streit um angebliche Zensur in Deutschland, die Trump-Provokation für die Venedig-Biennale und ein Abschied von der Mode-Heldin Carrie Bradshaw: Das ist unsere Presseschau am Freitag
 

Debatte

In der "NZZ" berichtet Philipp Meier über den New Yorker Fotokünstler Andres Serrano, der sich um den US-Pavillon auf der Biennale von Venedig 2026 beworben hat – mit einem Projekt, das vor allem auf eines ziele: Provokation. Serrano wolle Donald Trump ein Denkmal errichten, eine Art Altar aus Memorabilien der Make-America-Great-Again-Bewegung, signierten Dollarnoten und kitschiger Devotionalien. Der Titel des Projekts: "The Game: All Things Trump". Es sei, so Serrano, "ein Porträt von Donald Trump, gemalt mit den Pinseln seines eigenen Lebens". Meier ordnet das Vorhaben als kalkuliertes Spiel mit Skandalpotenzial ein. Gleichzeitig vermutet er hinter dem Projekt weniger eine ideologische Übereinstimmung als vielmehr eine Faszination für Trumps tabubrechende Selbstinszenierung. Auch die politische Dimension bleibe nicht ohne Ironie: Ausgerechnet das National Endowment for the Arts, dem Trump während seiner Amtszeit mit der Abschaffung drohte, entscheidet darüber, wer die USA in Venedig vertreten darf. Meier spekuliert, dass Trump seine Haltung zur Kunstförderung womöglich revidieren könnte – zumindest dann, wenn ihm jemand ein Denkmal errichten will. "Serranos Rechnung könnte dabei aufgehen", schreibt Meier. "Denn sein Projekt dürfte dem Narzissten in Washington zweifellos schmeicheln. Zumindest die Unterstützung des Präsidenten könnte Serrano gewiss sein. Und so könnte es geschehen, dass Trump an der nächsten Kunstbiennale eine Art Wallfahrtsort für seine Anhänger und eine Skandal-Ausstellung in den Augen seiner Gegner eingerichtet wird. Der Gewinner dabei wäre Andres Serrano."

Dass Künstlerinnen und Kuratoren Angst hätten, öffentlich Kritik an Israels Kriegsführung in Gaza zu üben, dass man in Deutschland seine Meinung nicht mehr frei sagen könne – für Gesine Borcherdt ist das nichts als eine hartnäckige "Mär". Die Autorin bezieht sich in der "Welt" auf eine anderthalb Jahre alte Reportage der "New York Times", die von einem "Klima der Angst" in der Berliner Kunstszene sprach; und sie erinnert an die Fotokünstlerin Nan Goldin, die im vergangenen Jahr die Eröffnung ihrer Retrospektive in der Neuen Nationalgalerie "für ihre Anklage gegen Deutschlands Unterstützung Israels nutzte", so Borcherdt. "Sie wurde beklatscht und gepostet, genau wie all die anderen propalästinensischen Künstler seltsamerweise hierzulande alle weiterhin ausstellen und Unsinn verbreiten dürfen". Dass Zensur im deutschen Kulturbetrieb herrsche, sei ein "Märchen"; es gäbe nur eine Grenze, weiß Borcherdt: "Tatsache ist vielmehr, dass laut §130 des Strafgesetzbuches Volksverhetzung hierzulande verboten ist – also alle Handlungen, die gegen bestimmte Bevölkerungsgruppen zu Hass und Diskriminierung anstacheln, wozu auch die Verharmlosung und Verbreitung solcher Inhalte zählt."
 

Mode

In der "Zeit" nimmt die Literaturwissenschaftlerin und Modetheoretikerin Barbara Vinken Abschied von Carrie Bradshaw, der Hauptfigur der US-Serie "Sex and the City". Gerade wurde bekannt, dass nun auch das (gemischt beurteilte) Fortsetzungsformat "And Just Like That" nach drei Staffeln enden soll. Vinken sieht die von Sarah Jessica Parker gespielte Modejournalistin Bradshaw als Symptom ihrer Zeit, einer Ära vor Trump und #MeToo. "Es war, als hätte die Stadt auf die Serie gewartet, Carrie Bradshaws Stadt, das New York Ende des vorigen Jahrtausends." Mode sei damals "nicht primär Geschäft, sondern Passion" gewesen, meint die Autorin. Die Serienfigur verkörpere in diesem Milieu eine materielle Erfolgsgeschichte, wie sie heute kaum noch möglich sei. "Ikonisch ist Carrie Bradshaw aber vor allem deshalb geworden, weil die Aufstiegserzählung ironisch gebrochen wird und man lernt, trotz allem weiterzuleben. Nicht die Allmacht des Individuums in einer geschäftig-vernünftigen Fortschrittsgeschichte der Selbstoptimierung wird da gefeiert, sondern ein verletzliches, sensibles Ausgeliefertsein an den Wortwitz einer unvergleichlich kosmopolitischen Stadt. In ihr brach Carrie Herzen, Absätze und Gewohnheiten."


Film

Filmemacher Wim Wenders hat es mit einer schwer zu überzeugenden Kritikerin zu tun - seiner Frau. "Es gibt immer ein paar Freunde, an die ich denke und denen ich auch den Schnitt zeige", sagt er der Deutschen Presse-Agentur über die Arbeit an einem neuen Werk. So berichtet es unter anderem die "Süddeutsche Zeitung". Umgekehrt werde er auch von einigen Filmemacher-Freunden gefragt, ob er ihre Ideen im Arbeitsprozess anschauen könne. "So hat damals das 'Neue Deutsche Kino' angefangen: Wir haben uns alles gezeigt. Wir waren keine Konkurrenten, wir waren im selben Boot", berichtet Wenders. Aber: "Mein erster Kritiker ist immer meine Frau." Die lasse allerdings nur selten ein gutes Haar an seinen Werken. "Es ist sehr schwer, sie zu überzeugen. Aber das ist auch gut so!" Wim Wenders gilt als einer der bedeutendsten Regisseure Deutschlands ("Buena Vista Social Club", "Paris, Texas", "Der Himmel über Berlin", "Der amerikanische Freund"). Am Donnerstag, 14. August, wird er 80 Jahre alt.


Hip-Hop- und Hollywood-Star Will Smith (56) hat bei einem Auftritt in Dänemark Einblicke in sein Seelenleben seit der aufsehenerregenden Ohrfeige gegen Oscar-Moderator Chris Rock gewährt. In den vergangenen drei Jahren habe er große Scham und Schuldgefühle wegen dieses Abends mit sich herumgetragen, sagte er laut Nachrichtenagentur Ritzau und weiterer dänischer Medien auf der Hauptbühne des Smukfest-Musikfestivals in der Kleinstadt Skanderborg. Die Jahre seit dem Vorfall seien schwierig gewesen, berichtete der Rapper und Filmschauspieler. Dann holte er plötzlich seine Oscar-Statue aus einer Tüte und reckte sie zum Jubel des Publikums in die Höhe, wie unter anderem auf Fotos des dänischen Rundfunksenders DR und der Zeitung "B.T." zu sehen war. "Ich habe meine gesamte Karriere der Aufgabe gewidmet, Freude und Liebe in diese Welt zu bringen. Ich möchte einfach euch allen danken, dass ihr an meiner Seite geblieben seid", wurde er zitiert. Die besagte Statue hatte Smith für seine Verkörperung des Vaters der Tennis-Stars Serena und Venus Williams in "King Richard" bei der Oscar-Verleihung 2022 erhalten, die seitdem seine Musik- und Filmkarriere überschattet hat. Damals hatte Rock einen Witz über den krankheitsbedingten Haarausfall von Smith' Frau Jada Pinkett Smith (53) gemacht - Smith stürmte daraufhin auf die Bühne und verpasste dem Moderator vor den Augen der Weltöffentlichkeit eine Ohrfeige. In der Nacht, die der Höhepunkt seiner Karriere hätte werden sollen, sei etwas ziemlich schiefgelaufen, sagte Smith dazu.


Kunst im öffentlichen Raum

Wie schauen Bäume auf die Stadtgesellschaft? Was haben sie erlebt, was haben sie zu erzählen? Diese Fragen inspirierten die Künstlerin Julia Nordholz zu ihrem Kunstprojekt "Parlament der Bäume", in dem sie Hamburger Laub- und Nadelholz mit den Stimmen von Schauspielenden wie Lisa Hagmeister und Bjarne Mädel sprechen lässt. "Mir ist es wichtig, dass wir den Bäumen als einem Teil unserer Stadtgesellschaft zuhören. Es geht darum, sich einmal in ihre Position hineinzuversetzen und sich so Gedanken über die Stadtnatur zu machen", erzählt Nordholz im Interview mit der "Taz". Für die Texte habe sie in verschiedenen Hamburger Stadtarchiven recherchiert. "Diese alten Bäume sind ja schon viel länger Teil der Stadtgesellschaft als die Zeitspanne eines Menschenlebens, und so haben sie einen umfassenderen Blick auf die Entwicklung der Stadt", sagt die Künstlerin. So ist der älteste Baum ihres Projektes über 200 Jahre alt. "Die Klopstock-Linde in Altona wurde 1805 auf dem Grab des Dichters Friedrich Gottlieb Klopstock gepflanzt. Und ich erzähle in dem Text nicht nur Geschichten zu dem Baum selber, sondern auch zu der Stadtgeschichte um ihn herum, denn in der fanden in den 220 Jahren viele Transformationen statt."