Kunstmarkt
In "Artnet News" fragt Margaret Carrigan, welchen Zweck ein Gallery Weekend heute überhaupt noch erfüllen kann. Das London Gallery Weekend mit mehr als 120 teilnehmenden Galerien komme zu einem Zeitpunkt, an dem der Kunstmarkt unter Druck stehe und viele Akteure ihre Reisetätigkeit reduzierten. Zwar fordert Galerist Thaddaeus Ropac, die Veranstaltung müsse internationaler werden, doch Carrigan widerspricht: London sei bereits eine der internationalsten Kunststädte der Welt. Das eigentliche Problem liege näher. "Ein gutes Gallery Weekend dient nicht dazu, die Kunstwelt um sich selbst zu versammeln", schreibt sie, sondern müsse zeigen, "warum die Kunstwelt für alle anderen relevant sein sollte". Statt immer neue Sammler anzulocken, brauche es mehr Austausch mit Politik, Förderern und Öffentlichkeit. Denn die Londoner Galerieszene sei zwar weiterhin stark, das Ökosystem aber fragil. Die eigentliche Gefahr sei nicht nur die Wirtschaftslage, sondern dass Kultur von politischen Entscheidungsträgern chronisch unterschätzt werde. Eine Branche, die "größtenteils nur mit sich selbst spricht", sei schlecht aufgestellt, um das zu ändern.
Daniel Cassady berichtet in "ArtNews", Sotheby’s habe versucht, Jackson Pollocks "Number 19, 1951" aus dem Besitz von Arne Glimcher in einer geheimen Privatauktion für rund 50 Millionen Dollar zu verkaufen. Im Breuer Building sei dafür eine Etage abgesperrt worden, selbst Mitarbeiter hätten nicht gewusst, was geschieht. Laut Quellen sei der Versuch gescheitert: "Sotheby’s konnte nicht genügend Bieter finden, um die Auktion zu starten." Die Versteigerung sei abgebrochen worden; der Verbleib des Werks sei unklar. Cassady ordnet dies als ersten ernsthaften Test des Private-Auction-Formats ein.
Olga Kronsteiner berichtet im "Standard" über eine in New York eingebrachte Klage auf Rückgabe des Klimt-Gemäldes "Fräulein Lieser" gegen die österreichische Eigentümerin und das Auktionshaus im Kinsky. Laut "New York Times" ist der Fall nun vor dem Obersten Gerichtshof des Staates New York anhängig. Das 2023 in einer Privatsammlung wiederaufgetauchte Werk wurde 2024 für rund 30 Millionen Euro versteigert, nachdem wegen Provenienzlücken von 1925 bis nach dem Zweiten Weltkrieg ein präventiver Restitutionsvergleich mit zwei Erbengemeinschaften geschlossen worden war. Kronsteiner betont die "mangelnde Provenienzforschung" des Auktionshauses. Kurz vor der Auktion kamen neue Erbenansprüche auf. Nach dem Verkauf scheiterte die Einigung, weil Patricia Leahy eine Schadloshaltungserklärung verweigerte. Der Käufer aus Hongkong trat zurück.
Kunstszene
In "Vanity Fair" erinnert Nate Freeman noch einmal an die vor über einer Woche verstorbene Hilde Lynn Helphenstein, die als Schöpferin des Instagram-Accounts "Jerry Gogosian" zu einer der einflussreichsten Stimmen der Kunstwelt wurde. Helphenstein sei weit mehr gewesen als eine Meme-Produzentin: Mit scharfem Witz habe sie die "Absurditäten des Kunstbetriebs" offengelegt und dabei eine ungewöhnliche Nähe zu Künstlern, Sammlern und Händlern aufgebaut. Ihr Account habe "die Kunstwelt gleichzeitig verspottet und verstanden". Freeman schildert, wie Helphenstein aus einem anonymen Social-Media-Projekt ein eigenes Medienunternehmen entwickelte und zuletzt an neuen künstlerischen Vorhaben arbeitete.
Design
Christian Schröder berichtet im "Tagesspiegel" über 100 Jahre Stahlrohrmöbel: Mit Marcel Breuers Wassily Chair beginne 1926 die Stahlrohrrevolution. "Man biegt die Röhren wie Makkaroni", erinnert Breuer später. Im Kontext des Bauhaus wird daraus eine Serienidee; entscheidend sei der vergessene Architekt Kálmán Lengyel, der mit Anton Lorenz die Standard Möbel mitgründet. Breuer warnt später: "Er taugt nichts." Lengyel wird als "sehr unruhiges Leben" beschrieben. Die NS-Zeit bricht die Karriere: Lengyel, jüdischer Herkunft, flieht, wird deportiert und 1945 ermordet.
Kunstfreiheit
Die iranische Justiz hat die einjährige Haftstrafe gegen den renommierten Regisseur Jafar Panahi bestätigt. Sein Anwalt Mostafa Nili teilte dem Onlineportal Emtedad mit, dass der Einspruch gegen das Urteil vom Revolutionsgericht in Teheran abgelehnt worden sei. Damit bleiben auch das zweijährige Ausreiseverbot sowie das Verbot jeglicher Mitgliedschaft in politischen und sozialen Gruppen bestehen, so Nili. Panahi war wegen "Propaganda gegen das System" und der Unterstützung der Proteste – insbesondere der Frauenbewegung 2022 – verurteilt worden. Als zentralen Beweis führte das Gericht seinen heimlich gedrehten Film "Ein einfacher Unfall" an. Das Werk gewann 2025 die Goldene Palme in Cannes und war zudem für die Golden Globes und die Oscars nominiert. Der Regisseur war während des Krieges überraschend in den Iran zurückgekehrt, um seine Haftstrafe juristisch anzufechten. Panahi gilt seit Jahren als prominenter Kritiker des islamischen Systems und wurde mehrfach festgenommen. Seine berufliche Tätigkeit und seine Reisefreiheit unterliegen seit langem strikten Einschränkungen.