Debatte
Frankreichs Kulturszene ist für mehr CO2-Emissionen verantwortlich als der Flugverkehr des Landes, hat das französische Kulturministerium mitgeteilt. Ulrich Seidler hält es in der "Berliner Zeitung" für sinnvoll, die CO₂-Bilanzen von Kulturbetrieben genau anzuschauen, um zu erkennen, wo sich sparen lässt – und wo nicht. Er warnt davor, beim Abwägen zwischen Kunstfreiheit und Klimaschutz "vom Pferd zu fallen". An ein Experiment wie Katie Mitchells energieneutralen Theaterabend, bei dem Schauspieler das Licht per Fahrraddynamo erzeugten, erinnert er sich mit gemischten Gefühlen: Man habe sich danach kaum noch zu atmen getraut, das könne keine Lösung sein. Seidler meint, Kunst sei unverzichtbar. Anders als beim Inlandsflugverkehr gebe es hier keine Alternative. "Am besten wäre es, immer qualitätvollere Kunst und Kultur zu produzieren. Umso schöner, wenn man dabei so wenig wie möglich CO₂ ausstößt."
Museen
Die verlorene Schadenersatzklage im Zusammenhang mit dem Einbruch in das Grüne Gewölbe in Dresden kostet den Freistaat mindestens 300.000 Euro. Das geht aus einer Antwort von Kulturministerin Barbara Klepsch (CDU) auf eine Kleine Anfrage des Linken-Abgeordneten Rico Gebhardt hervor, wie unter anderem die "Sächsische Zeitung" berichtet. Demnach muss der Freistaat für seine eigenen Anwälte rund 156.000 Euro zahlen. Dazu kämen fremde Anwaltskosten in ähnlicher Höhe, die ebenfalls vom Land getragen werden müssten. Die genaue Summe stehe noch nicht fest. Der Freistaat hatte der Sicherheitsfirma des Grünen Gewölbes ein Fehlverhalten von vier ihrer Wachleute vorgeworfen und Schadenersatz in Höhe von 15 Millionen Euro gefordert. Das Landgericht Dresden wies die Klage jedoch im April dieses Jahres ab. Der Einbruch in das berühmte Schatzkammermuseum am 25. November 2019 gilt als einer der spektakulärsten Kunstdiebstähle in Deutschland. Die Täter erbeuteten 21 Schmuckstücke aus Diamanten und Brillanten und verursachten zudem mehr als eine Million Euro Schaden. Ein Teil der Beute fehlt noch immer. Fünf Männer aus einer Berliner Großfamilie wurden im Mai 2023 zu mehrjährigen Freiheitsstrafen verurteilt.
Die Trump-Regierung kritisiert erneut das Smithsonian Museum of American History, diesmal wegen seines Dauerausstellungsteils "Entertainment Nation". Fox News berichtet, das Weiße Haus werfe dem steuerfinanzierten Museum vor, "einseitige, spaltende politische Narrative" zu verbreiten. Sprecherin Lindsey Halligan erklärte, die Ausstellung stelle US-Kultur als "gewalttätig, imperialistisch oder rassistisch" dar und missachte damit die Großartigkeit der Nation. Die Regierung fordert eine umfassende Überprüfung aller Inhalte, um sicherzustellen, dass diese "wahrheitsgetreu und im Sinne der amerikanischen Gründungsprinzipien" vermittelt werden. Obwohl sich das Smithsonian als "unabhängige Einrichtung" versteht, sieht es sich seit der Wiederwahl von Donald Trump mit mehreren Herausforderungen konfrontiert, die "Art News" zusammenfasst: "Im Januar schloss das Smithsonian seine DEI-Büros. Im März wurde das Smithsonian Board of Regents durch eine neu erlassene Verfügung angewiesen, 'unangemessene, spalterische oder antiamerikanische Ideologie' in seinen Museen zu beseitigen. Im Mai trat die Direktorin der National Portrait Gallery, Kim Sajet, zurück, nachdem Trump behauptet hatte, er habe sie wegen ihrer Unterstützung des DEI gefeuert." DEI steht für "Diversity, Equity and Inclusion" und bezeichnet Strategien, die Vielfalt fördern, Chancengleichheit sichern und alle Gruppen einbeziehen sollen.
Das Pariser Musée Guimet wird laut France24 mit Bezug auf die Nachrichtenagentur AFP von vier pro-tibetischen Gruppen verklagt, weil es seinen Saal "Nepal-Tibet" in "Welt des Himalaya" umbenannt hat. Laut den Klägern solle damit Tibets kulturelle Eigenständigkeit verwischt und seine Existenz politisch geleugnet werden. Auch der Begriff "tibetische Kunst" sei entfernt worden. Die Kläger werfen dem Museum vor, sich chinesischen Lobbyinteressen anzupassen. Das Museum bestreitet dies und erklärt, die neue Bezeichnung solle die kulturelle Vielfalt der Region betonen und keineswegs Tibet unsichtbar machen.
Kunstmarkt
Melanie Gerlis beschreibt in "The Art Newspaper" den Verkauf von Artnet für rund 65 Millionen Euro als Beleg für den Einfluss der deutschen Kunstplattform – und zugleich ihrer Grenzen. Sie erklärt, dass Artnet mit seiner Preisdatenbank ab 1985 Transparenz schuf und eine "Kunst-als-Investment"-Welle auslöste. Caroline Sayan spricht von einem "disruptiven Moment", als Banker Kunst wie Aktien behandelten. Gerlis merkt kritisch an, die Daten seien "selektiv und leicht zu manipulieren" und zitiert Gründer Neuendorf, der 2019 bedauerte: "Alles dreht sich um Zahlen und nicht um Kunst". Heute reiche das Modell nicht mehr, Preise seien längst "über Google zu finden" und um neue Käufergenerationen zu gewinnen, brauche "mehr Fantasie". Für Monopol hat Stefan Kobel den Deal kommentiert.
Hilka Dirks hat für die "F.A.Q. – Frankfurter Allgemeine Quarterly", Sammler gefragt, warum sie kaufen. Andrew Hall sieht Kunst als Weg zur Transzendenz in einem säkularen Zeitalter und gesteht: "Vielleicht ist das auch eine gewisse Eitelkeit". Artur Walther will "Vielfalt der menschlichen Existenz" zeigen und Vorurteile hinterfragen. Linn Born betont, Kunst sei für die Gesellschaft überlebenswichtig, "Spekulationsobjekte interessieren mich nicht". Axel Haubrok sammelt "Haltung" statt Schönes. Gil Bronner beschreibt das Sammeln als "Obsession" und will Begeisterung teilen. Rik Reinking sieht Kunst als Schutzraum in einer Wertekrise. Erika Hoffmann-Koenige hebt Austausch und Neugier hervor, während Steffen Hildebrand Kunst öffentlich zugänglich machen will, um Leipzig etwas zurückzugeben.