Medienschau

"Galerien sind nicht der Motor der Kunstwelt. Das sind die Künstler"

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Leserreaktionen auf Marc Spieglers Bestandsaufnahme des Galeriemarkts, die Idee einer Museumsflatrate und warum sich die Pet Shop Boys wegen Wolfgang Tillmans eine Wohnung in Berlin kauften: Das ist unsere Medienschau am Mittwoch

Museen

Frauke Steffens kommentiert in "FAZ", Donald Trump verschärfe seinen Kampf gegen die Smithsonian Institution und wolle künftig stärker auf Programm und Personal Einfluss nehmen. Ein Bericht aus Trumps Umfeld wirft dem Smithsonian "extremen politischen Aktivismus" und eine "marxistische" Ausrichtung vor. Die Autorin argumentiert jedoch, die Angriffe folgten "den Bedürfnissen rechter weißer Identitätspolitik". Trump verlange eine "grandios-erbauliche Geschichtserzählung" und störe sich daran, dass Museen auch Sklaverei, Rassismus und Kolonialismus thematisierten. Steffens meint, wenn Trump von "Amerika" spreche, meine er ein Land, "in dem Weiße die maßgeblichen Akteure wie Adressaten der nationalen Erzählung sein sollen". Dass Exponate zur Bürgerrechtsbewegung als beschämend dargestellt würden, verrate daher vor allem, "mit wem er und seine Berater sich identifizieren".

Der Brand im künftigen Brüsseler Kunstzentrum Kanal-Centre Pompidou sorgt kurz vor der geplanten Eröffnung für Verzögerungen. Die belgische Zeitung "Le Soir" berichtet, dass am Montagabend die Klimaanlagen auf dem technischen Dach des Gebäudeteils Kanal Architecture Feuer gefangen hatten. Die Feuerwehr konnte den Brand zwar löschen, doch Löschwasser verursachte erhebliche Schäden. Die Eröffnung des gesamten Museums am 28. November sei nicht gefährdet, einzelne Bereiche des Architekturzentrums könnten jedoch nicht wie geplant öffnen. Projektleiter Yves Goldstein bezeichnete den Vorfall als einen "enormen Rückschlag" – in der letzten Phase vor der Eröffnung. Die Ursache des Feuers wird noch untersucht. Gebrannt hat es gestern Nacht auch am Atelier des Bildhauers Tony Cragg in Wuppertal.

Der WDR berichtet, dass der Geschäftsführer des Deutscher Kulturrat, Olaf Zimmermann, eine bundesweite Museumsflatrate nach dem Vorbild des Deutschlandtickets ins Gespräch bringt. Ziel sei ein unkomplizierter und spontaner Zugang zu Museen. Zimmermann sagt: "Ich finde, ich muss eben auch spontan ins Museum gehen können" und verweist auf die niederländische Museumkaart, mit der sich rund 500 Museen besuchen lassen. Vertreter nordrhein-westfälischer Museen bewerten die Idee grundsätzlich positiv, sehen aber praktische und finanzielle Hürden. Die Vorsitzende des Museumsverband Nordrhein-Westfalen, Gundula Dicke, betont: "Ich sehe da viel Potenzial drin, dass Museen zugänglicher gemacht werden können". Voraussetzung sei jedoch eine breite Finanzierung durch Bund und Länder, da ein günstiges Flatrate-Modell sonst kaum tragfähig wäre.

In der "Welt" beobachtet Manuel Brug , dass Museen Homosexualität und queere Themen zunehmend als Besuchermagneten entdecken. Manuel Brug schreibt, im Kunstbetrieb falle "kunsthistorisch betrachtet" inzwischen vielerorts "die Hüllen", während Ausstellungen Sexualität offensiv vermarkteten. Queere Schauen könnten zwar neue Perspektiven auf bekannte Werke eröffnen, häufig entstehe jedoch vor allem ein neues Framing. Über die Basler Ausstellung "The First Homosexuals" urteilt Brug, sie zeige "sehr kursorisch" queeres Begehren vor 1939 und biete interessante Einzelpositionen, doch "eine breitere gesellschaftliche Emanzipation des Queerseins ist bei den in Basel zu sehenden Beispielen nicht zu entdecken". Der Katalog führe "sehr viel weiter" als die Ausstellung selbst.

Kunstmarkt

Die "New York Times" veröffentlicht Leserreaktionen auf den Gastbeitrag "Art Galleries Are Not OK" des ehemaligen Art-Basel-Direktors Marc Spiegler. Mehrere Stimmen teilen dessen Diagnose einer kriselnden Galerieszene, widersprechen aber seinen Schlussfolgerungen. Der Berliner Galerist Andrew Wagner kritisiert besonders die Dominanz von Kunstmessen wie Art Basel: Die hohen Teilnahmegebühren setzten Galerien unter Druck und führten dazu, dass Künstler "inoffensive Werke produzieren müssen, die ihre Galerien verkaufen können". Steven Lutzer aus Los Angeles meint dagegen, Galerien müssten ihre Verkaufsstrategien modernisieren, da sich Kunstkäufe durch Onlineplattformen und soziale Medien verändert hätten. Die New Yorker Kunstberaterin Victoria Burns warnt zugleich davor, die Globalisierung des Marktes zurückzudrehen: Sammler müssten weiterhin Zugang zu Kunst aus aller Welt haben. Der Künstler David Kramer sieht in der Krise auch Chancen für weniger etablierte Akteure: Marktumbrüche könnten neue Türen öffnen. Der Maler Lari Pittman fasst seine Kritik knapp zusammen: "Galerien sind nicht der Motor der Kunstwelt. Das sind die Künstler und ihre Kunst." Für Monopol kommentiert Sebastian Frenzel die Marktlage für Galerien.

Kunstszene

Gabi Vidal-Irizarry berichtet auf "Artnet" über die ungewöhnliche Zusammenarbeit der Künstlerinnen Eliza Douglas und Anne Imhof nach ihrer Trennung. Bei einer Begegnung vor der Performa-Gala in New York schildert sie, wie beide gemeinsam mit dem Pianisten Jacob Madden zur Kostümprobe unterwegs waren. Douglas und Imhof, die fast ein Jahrzehnt als Paar und Künstlerduo gearbeitet hatten, darunter an "Faust" und "DOOM", sprachen über die Herausforderung, nach dem Ende ihrer Beziehung erneut zusammenzuarbeiten. "Als wir darüber nachdachten, zusammenzuarbeiten, habe ich mich gefragt: 'Schaffen wir das?'", zitiert Butler Douglas. Imhof habe die Wiederaufnahme von "DOOM" als "einen ziemlich gewagten Schritt" bezeichnet und erzählt, sie habe zunächst befürchtet, es könne eine "Katastrophe" werden. Zugleich habe die Trennung eine neue Nähe ermöglicht: "Ich kann Eliza jetzt eher von außen betrachten", wird Imhof zitiert. Beide seien sich einig gewesen, dass die gemeinsame Arbeit heute ihre beste Erfahrung sei. Ein weiteres gemeinsames Großprojekt ist für 2028 geplant.

Den Pet Shop Boys gefällt der Westen Berlins besser als der Osten. Seit vielen Jahren hat das Duo eine Wohnung im Westteil der Stadt – in Wilmersdorf. "Wir sind mit dem Künstler Wolfgang Tillmans befreundet", sagte Chris Lowe (66) dem "Tagesspiegel". "Er hatte sich damals so eine typische Berliner Wohnung mit hohen Decken gekauft. Das wollten wir auch haben." Der Westen sei viel cooler, "wie wir alle wissen. Ich mag die Architektur rund um den Bahnhof Zoo." Sein Partner und Sänger Neil Tennant (71) ergänzte: "Ich gehe gerne auf den Trödel- und Antiquitätenmarkt am Fehrbelliner Platz, genieße diese 20er-Jahre-Atmosphäre in der Pariser Straße." Die Musiker erzählten zudem von einem verstörenden Erlebnis mit Paparazzi in der Paris Bar. "Wir wurden einmal von Paparazzi verfolgt, ich glaube, einer aus der Bar hat uns verpfiffen", berichtete Lowe. "Es war wirklich schrecklich. Mit einer Videokamera hat uns ein Typ die Straße runter gejagt. Als wir in ein Taxi gesprungen sind, kam es zu einer regelrechten Verfolgungsjagd durch Berlin. Wahnsinn." Es gebe insgesamt zu viele Paparazzi in der Stadt, aber nicht genug Promis. Die Pet Shop Boys haben dem "Tagesspiegel" zufolge seit rund 16 Jahren auch eine Wohnung in Berlin. Lange dachten sie, diese liege in Charlottenburg. "Nach ein paar Jahren haben wir allerdings gemerkt: Moment mal, wir sind gar nicht in Charlottenburg, das ist schon Wilmersdorf", sagte Tennant. Das Elektropop-Duo aus London hat bald drei Auftritte hintereinander in Berlin: am kommenden Samstag in der Waldbühne, am Sonntag und am Montag im Huxleys Neue Welt. Für die Waldbühne gibt es noch Tickets.