Medienschau

"Sich selbst Fallen stellen"

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Frankfurter Städel startet als erstes deutsches Museum eine Endowment-Kampagne, Sprüth Magers entfernt KI-unterstütztes Salle-Gemälde wegen Urheberrechtsdebatte und Danh Vo im Podcast: Das ist unsere Presseschau am Montag

Debatte

In der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" sprechen Meron Mendel und Saba-Nur Cheema über Eskalationen im Kulturbetrieb rund um Berlinale und Documenta. Besonders die Documenta 15 mit antisemitischen Bildelementen zeige, wie Empörungswellen durch Aktivisten und Politik gleichermaßen eskalieren. Mendel betont, dass propalästinensische und proisraelische Lager Kunstinstrumentalisierung betreiben; Cheema ergänzt, dass Staat und Aktivisten jeweils unterschiedliche Loyalitäts- und Erwartungslogiken durchsetzen. Beide warnen: Wenn diese Kräfte Deutungshoheit erlangen, wirke das wie eine "feindliche Übernahme" der Kultur, die Kunstfreiheit massiv bedroht. Strategisch raten sie: Debattenmuster erkennen, nicht vorschnell reagieren, Streit zulassen.

Die "SZ" bilanziert Wolfram Weimers bisherige Amtszeit. Jörg Häntzschel bezeichnet den Kulturstaatsminister als "Kulturkämpfer", obwohl dieser selbst sagte, er sei "kein Kulturkämpfer, sondern ein Kämpfer für die Kultur". Weimer habe in Talkshows eine idealisierte Vergangenheit beschworen, in der "die jungen Menschen noch pünktlich waren und auch Schiller lasen", und zugleich einen angeblichen Niedergang der Gegenwart beklagt. Häntzschel kritisiert, Weimer stelle die Kultur unter Generalverdacht, verteidigte das Streichen von Buchhandlungen vom Preis wegen "verfassungsschutzrelevanter Erkenntnisse" und verstehe sich eher als Aufseher denn als Anwalt der Kultur. Auch seine Weimer Media Group entlarvt Häntzschel als "reine Networkingbörse" ohne publizistische Relevanz; Weimer habe sich in Floskeln wie "bürgerliche Mitte" und "Freiheit" verheddert.

In einem "SZ"-Gastbeitrag erläutert der Staatsrechtler Christoph Möllers, dass das sogenannte Haber-Verfahren, auf das Kulturstaatsminister Wolfram Weimer sich bei der Ablehnung von Buchhandlungen für den Deutschen Buchhandlungspreis stützt, "im Gesetz nicht vorgesehen" sei. Möllers erklärt, dass ein Rundschreiben des Bundesinnenministeriums von 2017 nur ein Angebot formuliert, keine Pflicht, und dass die Bundesregierung keine gesetzliche Grundlage habe, Informationen des Verfassungsschutzes zur Kontrolle von Fördermitteln weiterzugeben. Er weist darauf hin, dass das Verfahren Grundrechtseingriffe berührt und eine ausdrückliche Rechtfertigung erfordert, die fehlt. Möllers merkt an, dass die betroffenen Buchhandlungen gegen diese Praxis vor Gericht ziehen werden: "Als Bürger wünscht man ihnen Glück, als Jurist zweifelt man, dass sie es brauchen werden." Er betont, dass der Staat sehr genau überlegen müsse, wen er fördere, aber dass die Einbindung eines Geheimdienstes "kein gutes Zeichen" sei.

Tessa Solomon berichtet auf "ARTnews" über eine Kontroverse um den Maler David Salle. In seiner Ausstellung "My Frankenstein" bei Sprüth Magers wurde das Bild "Hatchet" (2025) aus der Präsentation entfernt, nachdem Kritiker Ähnlichkeiten zu einem Werk der Künstlerin Kelly Reemtsen bemerkten. Das Gemälde erinnere stark an Reemtsens "Impact" (2021). Die Galerie erklärte, Salle habe "seit jeher Bilder aus Popkultur, Werbung, Kunst und anderen Quellen aufgegriffen", womit er eine lange Tradition der künstlerischen Aneignung fortsetze. Zugleich räume der Künstler ein, dass die Nutzung von Reemtsens Bild "eine jahrzehntelange Debatte über Autorschaft neu entfacht". Aus "Respekt gegenüber beiden Künstlern" sei das Werk daher aus der Ausstellung genommen worden. Laut der Juristin Amy Adler hätte Salle im Streitfall wohl Schwierigkeiten, sich auf Fair Use zu berufen, da beide Werke demselben Zweck dienten: bildender Kunst.

Museen

Um finanziell unabhängig zu bleiben, sammelt das Frankfurt Städel-Museum Geld. Dazu hat das Museum – nach eigenen Angaben als erstes deutsches Kunstmuseum – eine sogenannte Endowment-Kampagne gestartet. Vorbild sind US-amerikanischer Kultur- und Wissenschaftseinrichtungen. Seit seiner Gründung 1815 ist das Städel eine private, gemeinnützige Stiftung. "Unser Stiftungsvermögen besteht aus einer herausragenden Sammlung und einer ebenso prominenten wie kostenintensiven Immobilie. Das ist nicht wenig, aber es braucht ein dauerhaft stabiles Fundament an Kapital. Daran bauen wir jetzt", sagt Städel-Direktor Philipp Demandt in einem "FAZ"-Interview. Aktuell kämen 15 Prozent des jährlichen Budgets von Stadt und Land – und 85 Prozent von bürgerschaftlichem Engagement. Dazu zählen auch Mittel von Stiftungen und Unternehmen. Allerdings werde der finanzielle Spagat immer größer. Die großen Museen in den USA besäßen schon lange Endowments, also Grundstockvermögen, sagte Demandt. "Solche Rücklagen werden sicher und hochprofessionell angelegt und leisten über ihre Erträge einen maßgeblichen Beitrag zum Überleben der Institutionen." Ziel sei es nun, das Städel-Grundstockvermögen auf mindestens 100 Millionen Euro zu erweitern. Die Zinsen und Dividenden sollen eine wichtige Finanzierungssäule werden. Aktuelle Zuwendungen für den Grundstock kämen über Stiftungen, Privatpersonen und den Förderverein, erklärte Demandt. Über zehn Millionen Euro seien schon zusammengekommen. Es gebe auch Besucher, die das Haus künftig über Vermächtnisse unterstützen wollen.

In der "FAZ" kommentiert Ursula Scheer die Folgen der Eskalation zwischen den USA, Israel und dem Iran für die Kulturszene am Golf. Nach iranischen Drohnenangriffen nahe der Museumsinsel Saadiyat in Abu Dhabi sei die Vorstellung vom Golf als sicherem Hafen für den Kunstmarkt "in Rauch aufgegangen". Institutionen wie der Louvre Abu Dhabi und geplante Events wie Frieze Abu Dhabi oder die Messe Art Dubai stünden plötzlich unter sicherheitspolitischem Vorbehalt. Museen und Galerien in der Region müssten teils schließen, während Veranstalter die Lage beobachten. Scheer schreibt, für die reichen Golfstaaten sei Kulturpolitik mehr als Dekoration: Sie solle den Anspruch unterstreichen, als selbstbewusste Akteure zwischen den Großmächten aufzutreten. Angesichts des Krieges zeige sich jedoch erneut, dass Kunst und Politik "nicht voneinander zu trennen" seien.

Podcast

Im Podcast "A Brush With…" des "Art Newspaper" spricht der Künstler Danh Vo über seine Arbeitsweise und Biografie. Vo, 1975 in Vietnam geboren und in Dänemark aufgewachsen, lebt heute zwischen Brandenburg und Mexiko-Stadt. Seine Kunst gehe oft von persönlichen Erfahrungen aus, etwa seiner Geschichte als vietnamesischer Migrant und seiner queeren Identität, verweise jedoch zugleich auf größere soziale und politische Zusammenhänge. Der Künstler beschreibt seine Methode als bewusst offen und kollaborativ: Er arbeite häufig mit gefundenen Objekten, Archivmaterial und Beiträgen anderer Künstler, sodass seine Installationen eher Fragen aufwerfen als Antworten geben. Vo sagt, er versuche in seiner Kunst "Fallen für sich selbst zu stellen", um die eigenen Wünsche zu hinterfragen. Einflussreich seien für ihn etwa Felix Gonzalez-Torres sowie dessen Texte über die Arbeit von Roni Horn.

Malerei

In der "Welt" berichtet der Maler Michael Triegel über Bücher, die sein Denken geprägt haben – von Johann Wolfgang von Goethe über Dante Alighieri bis Marcel Proust. Der 1968 in Erfurt geborene Künstler, der 2014 zum Katholizismus konvertierte, schildert, wie Literatur, Renaissancekunst und seine DDR-Erfahrung sein Werk beeinflusst haben. Kunst dürfe sich nicht in bloßer Haltung erschöpfen, sagt Triegel: "Wenn sie vor allem Haltung ausstellen will, verliert sie ihren Kunstaspekt." Zugleich plädiert er dafür, politisch aufgeladene Begriffe nicht preiszugeben: "Ich möchte Begriffe wie 'konservativ' oder 'Abendland' nicht aufgeben", erklärt er, auch wenn sie heute oft vereinnahmt oder diskreditiert würden. Das "Abendland" sei für ihn schlicht der kulturelle Raum, in dem er sich bewege.

Fotografie

Im "Guardian" berichtet Sam Jones über einen Streit um das Haus in der Calle Peironcely 10 in Madrid, Schauplatz eines berühmten Fotos des Kriegsfotografen Robert Capa aus dem Jahr 1936. Das Bild zeigt Kinder vor einem von Bombensplittern beschädigten Gebäude im Bürgerkrieg. Aktivisten hatten jahrelang dafür gekämpft, das Haus als Erinnerungsort an die Bombardierungen und Capas Arbeit zu erhalten. Nun hat der konservativ regierte Stadtrat von Madrid die Pläne für ein Capa-Museum aufgegeben und stattdessen ein Jugendzentrum angekündigt. Das International Center of Photography droht deshalb, die Nutzung von Capas Namen nicht zu genehmigen. Der Ort sei "ein unersetzlicher Platz von universeller historischer Bedeutung". Aktivisten sprechen von einem politischen Manöver, das jahrelange Bemühungen um einen Gedenkort untergrabe.