Museen
Im "Spiegel" warnt die Historikerin Sarah Jones Weicksel vor Donald Trumps Eingriffen in die Smithsonian-Museen. Die US-Regierung fordere eine Rückkehr zu "Wahrheit und Vernunft" und wolle Ausstellungen auf "spaltende Narrative" prüfen. Weicksel nennt das "äußerst besorgniserregend", da so die Geschichte vereinfacht und "auf triumphale Aspekte reduziert" werde, während Erfahrungen marginalisierter Gruppen verschwänden. Ziel sei offenbar das Narrativ US-amerikanischer Einzigartigkeit, sichtbar etwa im Founders Museum, wo Washingtons und Jeffersons Sklavenhaltung verschwiegen werde. Eine solche "weichgespülte Version der Vergangenheit" gefährde laut Weicksel Forschung, Bildung und das Vertrauen der Öffentlichkeit in Museen.
In der "Guardian"-Leserbriefdebatte über die geplante Präsentation des Teppichs von Bayeux in London verteidigt Nicholas Cullinan, Direktor des British Museum, den Leihverkehr. Er betont, dass auf beiden Seiten des Kanals "gründliche Planung und Sorgfaltspflicht" betrieben würden und sogar ein "kompletter Probelauf der Reise" vorgesehen sei. Ein spezieller Tisch solle die 1000 Jahre alte Stickerei nicht nur in London, sondern später auch in Bayeux optimal konservieren. Cullinan spricht von "einer der bedeutendsten kulturellen Kooperationen der letzten Zeit". Dem widerspricht Mark Vaughan aus Bristol: Der Teppich sei "viel zu wertvoll und zerbrechlich" für den Transport. Der Plan sei ein politisches Symbol, doch das Risiko für das Objekt und die Beziehungen zwischen Frankreich und Großbritannien sei zu hoch – moderne digitale Reproduktionen könnten eine sichere Alternative bieten.
Kunstmarkt
"Now Media" berichtet, dass Christie’s seine Digital-Art-Abteilung schließt. Zwei Mitarbeiter, darunter Vizepräsidentin Nicole Sales Giles, mussten Ende August gehen, ein Spezialist soll in New York bleiben. Eine Sprecherin erklärte, man habe "eine strategische Entscheidung getroffen, digitale Kunstverkäufe neu zu formatieren", künftig werde sie im Bereich Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts angesiedelt. Unter der neuen CEO Bonnie Brennan bedeutet das einen Kurswechsel: Noch 2021 hatte Christie’s mit Beeples Werk "Everydays: The First 5000 Days", das 69,3 Millionen Dollar erzielte, den NFT-Hype befeuert und 2022 sogar die Onchain-Plattform Christie’s 3.0 gestartet. Deren Zukunft gilt nun als ungewiss. Der Schritt fällt in eine Phase, in der auch andere NFT-Plattformen wie MakersPlace, KnownOrigin oder Async Art schließen mussten.
"Artnews" berichtet, dass die Galerie Gmurzynska ihre New Yorker Dependance ins Fuller Building an der Madison Avenue verlegt. Dort hatten früher renommierte Galerien wie Pierre Matisse, André Emmerich oder Marlborough-Gerson ihren Sitz. Das Art-Déco-Gebäude von 1929 war einst ein Zentrum der New Yorker Kunstszene, beherbergt heute aber nur noch wenige Galerien, darunter Luxembourg + Co. Die 1965 in Köln gegründete Galerie Gmurzynska ist bekannt für ihr Programm zu Klassischer Moderne, mit Ausstellungen u. a. von Picasso, Schwitters und Léger. Ihr bisheriger Standort an der East 78th Street wurde im Mai geschlossen. Ein Eröffnungsdatum im Fuller Building steht noch nicht fest.
Malerei
Georg Imdahl berichtet in der "FAZ" über einen Besuch bei Dana Schutz in ihrem Brooklyner Atelier. Schutz erklärt, dass sie früh provokative Motive auf Leinwand brachte, etwa "Face-Eater", in dem Gesichter sich selbst aufessen – ein Bild, "das buchstäblich zeigt, wie es wäre, sein eigenes Gesicht zu essen". Inspiriert von Baselitz, Rembrandt und Goya sowie der düsteren Gegenwart des Irakkriegs, malte sie, was sie sehen wollte. Frühere Bilder von niesenden Mädchen vereinten Komplementärfarben mit abstrakt-expressionistischer Geste. Schutz reflektiert auch über ihr kontrovers diskutiertes Werk "Open Casket" und betont, dass sie die Kontexte heute klarer sehe, damals aber froh war, "sich im Orkan der Debatte ins Studio zurückziehen zu können". Ihr Atelier offenbare den Hang zu Metapher, Allegorie und eigentümlichem Storytelling, während sie in Farbe lebe: "I am a painter that’s in the paint."
Architektur
Im "Spiegel" verrät der 90-jährige Architekt Norman Foster anlässlich der Auszeichnung mit der "London Design Medal" sein persönliches Lieblingswerk. Überraschend erklärt er: "Ich glaube, mein bestes Gebäude ist gar kein Gebäude." Wichtiger seien öffentliche Räume, die "wirklich die DNA einer Stadt, der urbane Klebstoff" seien. Als Favoriten nennt er den von ihm neugestalteten Trafalgar Square und die Millennium Bridge über die Themse. Bedauern äußert er darüber, dass seine Vision eines gläsernen Parlamentsbaus nie realisiert wurde. Foster spricht auch über seine frühen Nebenjobs, mit denen er sein Studium finanzierte, und kritisiert es als "gewisse Perversion", dass sich heute viele Menschen das Leben in London nicht mehr leisten können.
Anna Solomon berichtet in "Wallpaper" über den Verkauf eines Duplex-Apartments in Le Corbusiers ikonischer Cité Radieuse in Marseille, gelistet für 495.000 Euro. Das 100 Quadratmeter große Apartment mit zwei Schlafzimmern und zwei Bädern spiegele Le Corbusiers Philosophie "form follows function" wider. Solomon beschreibt, dass die offene Wohn- und Essbereichsfläche von einer verglasten Fassade durchflutet wird und die Küche – ursprünglich von Charlotte Perriand entworfen – noch immer einen praktischen, effizienten Ansatz verfolgt. Über eine von Jean Prouvé entworfene Treppe gelangt man zu den Schlafzimmern mit Privatterrassen. Die Autorin betont, dass die Cité Radieuse als "vertikales Dorf" konzipiert wurde, in dem Bewohner leben, arbeiten und soziale Kontakte pflegen können, ohne das Gebäude zu verlassen. Solomon zitiert Le Corbusier mit den Worten: "A house is a machine for living in" und merkt an, dass das Apartment diese Idee noch heute "wunderschön umsetzt".
Kunst im öffentlichen Raum
In der "New York Times" beschreibt Aruna D’Souza das neue Klangkunstprojekt "If you hear something, free something" der Konzeptkünstlerin Chloë Bass. Bis 5. Oktober sind in 14 U-Bahn-Stationen New Yorks ungewöhnliche Durchsagen zu hören: "Was wir hören, verändert, wie wir uns fühlen. Wie wir uns fühlen, verändert, was wir tun." Mit solchen poetischen Sätzen will Bass das bekannte Sicherheitsmotto "If you see something, say something" umkehren. Statt einander zu misstrauen solle die U-Bahn "ein Ort sein, an dem wir uns mit anderen verbinden". Die 24 Ansagen laufen in sechs Sprachen, auch auf Videoscreens, und enden stets mit dem Titel-Satz. Bass betont: "'If you hear something, free something' sagt niemandem je, was er tun soll." Die Verkehrsbehörde M.T.A. spricht von einer Intervention, die "einen Moment der Freude, ein wenig Kunst im Alltag" schaffe.
Siddhartha Mitter berichtet in der "New York Times" über die Ausstellung "Monuments" in Los Angeles, in der umgesetzte Denkmäler der Konföderierten mit zeitgenössischen Kunstwerken kombiniert werden. Im Zentrum der Schau, die im Geffen Contemporary at MOCA und im The Brick zu sehen ist, steht Kara Walker, die die Statue von Stonewall Jackson zerlegte und zu einem "Frankenstein-Monster seiner selbst" zusammensetzte. Mitter beschreibt, dass Walker damit nicht nur die Statue, sondern den Mythos der "Lost Cause" dekonstruiere. Hamza Walker, Kurator der Ausstellung, betonte, dass diese künstlerische Transformation der Statue ihr "psychisches Zentrum" verleihe. Mitter berichtet weiter, dass die Ausstellung zeigen wolle, wie "estrangement" Betrachter neue Perspektiven auf historische Objekte eröffne. Walker selbst sagte, sie wolle "einfach offener und spekulativer mit dem Material umgehen" und dadurch Lernen und Erkenntnis ermöglichen.
Technologie
Bestseller-Autor Dan Brown hält Tech-Milliardär und Tesla-Chef Elon Musk durchaus tauglich als Figur in einem literarischen Werk. "Musk hat dieser Gesellschaft auch ganz schön viel ermöglicht und gegeben. Allein deshalb wäre er auch als literarische Figur spannend", sagte der 61-Jährige dem "Stern". "Es ist leicht, den Stab über ihn zu brechen, aber ich halte ihn für mindestens so bedeutend wie, sagen wir (…) Louis Pasteur." Der französische Chemiker Pasteur (1822-1895) war durch die Haltbarmachung von Wein und das Abtöten von Keimen (Pasteurisierung) bekanntgeworden. Über Musk sagte Brown: "Wenn jemand wie Elon Musk mit seinen enormen Ressourcen neue Technologien entwickelt, selbstfahrende Autos erfindet, die Weltraumforschung revolutioniert, dabei stets mit vollem persönlichem Risiko, sollten wir ihn nicht pauschal aburteilen."