Im "Guardian" irritiert Ai Weiwei den Autor Lanre Bakare mit Aussagen zur AfD und Alice Weidel: Der Künstler verteidigt ein Selfie mit der AfD-Chefin von 2018 und erklärt, ihre politischen Forderungen könnten zwar "falsch" sein, sie sei jedoch "rationaler als andere politische Gegner in Deutschland". Auch ihre migrationskritische Haltung weist er nicht grundsätzlich zurück: Deutschland habe viele Geflüchtete aufgenommen, eine spätere Begrenzung sei "nichts Falsches". Zudem lobt Ai Weidels Wunsch nach größerer Unabhängigkeit von den USA. Eingebettet sind diese Aussagen in Ais breitere Kritik am Westen, dem er einen Verlust moralischer Autorität und verdeckte Zensur vorwirft, während er China als technologisch und gesellschaftlich "aufwärts" beschreibt. Lanre Bakare zeichnet das Bild eines Künstlers, der Machtkritik radikalisiert – und dabei bewusst politische Reizlinien überschreitet.
Auf "Artnet News" schreibt Judy Chicago eine schonungslose Abrechnung mit Google als Auftraggeber – und ein Lehrstück darüber, wie öffentliche Kunstprojekte scheitern können. Die Künstlerin schildert detailliert, wie sie für Googles geplanten Chicago-Hauptsitz im Thompson Center eine monumentale Bodenarbeit und eine Gestaltung des gläsernen Aufzugschachts entwickeln sollte – ohne Vertrag, ohne Budgettransparenz und mit ständig wechselnden Vorgaben. Entscheidungen seien durch eine anonyme Befehlskette gelaufen, direkte Kommunikation verboten worden, notwendige Tests gestrichen, künstlerische Kontrolle massiv eingeschränkt. Am Ende habe eine Projektmanagerin verlangt, das Werk müsse exakt wie der ursprüngliche, kleinformatige Computerentwurf aussehen – unabhängig von Material, Maßstab oder Raum. Für Chicago steht der Fall exemplarisch für Arroganz, Inkompetenz und strukturelle Geringschätzung künstlerischer Arbeit in Konzernen: viel "Vision", wenig Verständnis für Prozesse. Das Ergebnis: Monate Arbeit, hohe Kosten – und ein Rückzug, der schmerzt: "Auch wenn es uns das Herz brach, viele schlaflose Nächte bereitete und wir über fünf Monate Arbeit und viele tausend Dollar verloren hatten – wir hatten keine andere Wahl, als Abschied zu nehmen."
In "Le Monde" zeichnet Ivanne Trippenbach das Porträt eines tief gefallenen Kulturstars. Auslöser ist die Affäre um Jeffrey Epstein, die Jack Lang zum Rücktritt als Präsident des Institut du monde arabe zwang. Über Jahre habe Lang, so der Bericht, von seiner Aura und seinen Netzwerken profitiert und einen luxuriösen Lebensstil gepflegt – auf Kosten anderer. Weggefährten berichten von unbezahlten Rechnungen, Selbstverständlichkeit im Luxus und einem ausgeprägten Anspruchsdenken. Ex-Kulturministerin Rima Abdul Malak sagt: "Alle wussten, dass er nie etwas bezahlte", Lang habe geglaubt, "überall eingeladen sein zu müssen – unter luxuriösen Bedingungen". Trippenbach beschreibt einen Mann, der sich als unersetzlich empfand und zunehmend ein Gefühl der Unantastbarkeit entwickelte. Die Epstein-Enthüllungen lassen diese Fassade nun endgültig bröckeln.
Johannes Franzen denkt im "Merkur" mit Peter Jelavichs neuem Buch "Kunstfreiheit. Eine deutsche Ideologie" darüber nach, wie sich Konflikte um Kunstfreiheit bis in die Gegenwart fortsetzen. Franzen konzentriert sich auch auf die Documenta Fifteen: Hier hätten die errungenen Freiheitsrechte der Kunst genutzt werden können, um politische Angriffe zu legitimieren; die problematische Kunst habe "Juden beleidigt, verleumdet und herabgewürdigt". Franzen erläutert Jelavichs These, wonach die Kunstfreiheit im deutschsprachigen Raum historisch eine "deutsche Ideologie" sei, und betont, dass in modernen Kontroversen – von Balthus bis Gomringer – die Grenzen zwischen Zensur und Freiheit verschwimmen. Alfred Döblin wird zitiert: "Wir wollen wirken – und darum haben wir ein Recht auf Strafe."
Rebecca Mead porträtiert im "New Yorker" den britischen Künstler Andy Goldsworthy, der seit über 40 Jahren in Penpont, Schottland, lebt und mit Naturmaterialien arbeitet. Goldsworthy schaffe flüchtige Werke, die nur kurz bestehen, und überträgt Ideen in großformatige, dauerhafte Installationen weltweit. Für sein neues Projekt "Gravestones" sammele er Steine aus Friedhöfen, um Mauern zu errichten, die den Kreislauf von Leben und Tod reflektieren. Er erklärt: "Die flüchtigen Werke sind am stärksten, und dann verfallen sie, sie ändern sich, sie kollabieren, und das kann auch schön sein." Mead beschreibt, dass er Landschaft als Raum für Ideen, Gefühle und menschliche Interaktion versteht und bewusst mit Vergänglichkeit arbeitet.