Medienschau

"Die zeitgenössische US-Kunst ist von Problemen krank"

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Josh Klines düsteres Bild der US-Kunstszene, Kolbes geraubter Tänzerinnen-Brunnen wird versteigert und wann man den Pergamonaltar wieder sehen kann: Das ist unsere Medienschau am Freitag

Debatte

Im Journal "October" zeichnet Josh Kline im März ein düsteres Bild der US-Kunstszene: "Die zeitgenössische Kunst im Amerika des 21. Jahrhunderts ist von Problemen krank", schreibt er und beschreibt New York als "zentrales Problem", geprägt von Mieten, Ungleichheit und Marktlogik. Erfolg sei an Privilegien gebunden, Arbeiten in der Stadt "völlig untragbar". Kline fordert, die Kunstwelt müsse "über die Institutionskritik hinaus zu einer Branchenkritik gelangen" und auch Fragen von Klasse und Macht adressieren; junge Künstler sollten New York verlassen, da es ihre "Ambitionen und Ideen" nicht mehr verdiene. Bei "ARTnews" betont Kline im Gespräch mit Alex Greenberger, er habe den Text als "Vorschlag" für eine solche "Branchenkritik" geschrieben; klare Sprache sei "eine politische Entscheidung", um Machtstrukturen sichtbar zu machen. In "ArtReview" hält Jenny Wu Klines Vision günstiger Alternativen für "weltfremd" und warnt, der Ausweg aus New York unterschätze die strukturelle Logik des Spätkapitalismus.

NS-Raubkunst

Nach einer Einigung mit den Erben jüdischer Vorbesitzer wird der "Tänzerinnen-Brunnen" von Georg Kolbe versteigert. Wie Ursular Scheer in der "FAZ" berichtet, kommt das Werk im Juni beim Auktionshaus Grisebach unter den Hammer, mit einer Schätzung von bis zu 1,5 Millionen Euro. Der Brunnen war 1922 für den Unternehmer Heinrich Stahl geschaffen worden, wurde jedoch im NS-Regime enteignet; Stahl starb in Theresienstadt. Erst nach intensiver Provenienzforschung und Kritik an der zögerlichen Rückgabepraxis kam es zur Restitution. Grisebach bezeichnet das Ensemble als "eines der eindrucksvollsten" Werke der klassischen Moderne und hebt seine "tiefbewegende Geschichte" hervor.

In der "Süddeutsche Zeitung" schildert Nicolas Freund die Wiedereröffnung der umstrittenen Bührle-Sammlung im Kunsthaus Zürich als Balanceakt zwischen Kunstgenuss und moralischer Last. Kunst stehe "immer in Beziehung" zu ihrer Geschichte – im Fall von Emil Bührle besonders problematisch, da viele Werke womöglich NS-Raubkunst seien. Ein Gutachten habe gezeigt, die Provenienzforschung sei "ungenügend" gewesen; nun beginne eine fünfjährige Aufarbeitung. Freund beschreibt die dichte Präsentation als reizvoll, zugleich mache sie sichtbar, wie "belastend das Label 'Bührle'" wirke. Museumsdirektorin Ann Demeester betont, man könne "nicht fünf Jahre lang eine Zwischenschau zeigen" – die Forschung solle parallel laufen. 

Museen

Nach jahrelangen Sanierungsarbeiten sollen erste Teile des Pergamonmuseums im nächsten Frühjahr wieder öffnen. Sie hielten an einer Wiedereröffnung im Frühjahr 2027 fest, teilte die Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK) in Berlin fest. Dann soll auch der Saal mit dem berühmten Pergamonaltar wieder besichtigt werden können. Im Jahr 2034 soll der Altarsaal dann noch einmal für fünf Monate schließen, wie das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" berichtete. Grund sind die weiteren Bauarbeiten, die noch bis 2037 dauern werden. Der Altarsaal werde "in der zweiten Jahreshälfte 2034" für voraussichtlich fünf Monate noch einmal schließen, bestätigte die SPK. Die Begründung: Das Pergamonmuseum soll an die archäologische Promenade angebunden werden - sie soll vier von fünf historischen Häusern der Museumsinsel verbinden - und es sollen Anschlüsse an den Südflügel wiederhergestellt werden. Das Pergamonmuseum in Berlin gehört zu den bedeutendsten Museen der Welt. Der Südflügel bleibt wegen der Bauarbeiten noch mehr als ein Jahrzehnt geschlossen. Dort ist zum Beispiel das Ischtar-Tor mit der babylonischen Prozessionsstraße untergebracht. Vollständig öffnen soll das Museum erst 2037. Das genaue Datum steht nach Angaben der SPK noch nicht fest. Nächstes Jahr sollen erste Teile wieder öffnen. Zu Angaben des "Spiegel", mögliche Zeitpuffer seien aufgebraucht, teilte die SPK mit, man gehe von einer Wiedereröffnung im Frühjahr 2027 aus. Einige Bereiche öffnen dann nur vorübergehend. Ein neugestalteter Zugang zum Museum - das "Tempietto" - soll vorerst als Durchgangsraum genutzt werden, wie die SPK mitteilte. Ab 2030 werde es noch einmal schließen und seine Funktion als Eingangspavillon im Ehrenhof erst nach Vollendung des Bauabschnitts B erfüllen. Auch der Schlütersaal soll laut "Spiegel" ab 2032 erneut für mehr als fünf Jahre schließen. "Das ist korrekt und entspricht den bisherigen Planungen", teilte die SPK mit. In dem Saal sollen später Objekte aller vier im Museum vertretenen Sammlungen zu sehen sein: des Ägyptischen und Vorderasiatischen Museums, sowie der Antikensammlung und des Museums für Islamische Kunst.

Der Fall der russischen Museumsdirektorin Nailja Allachwerdijewa zeigt die wachsenden Repressionen gegen Gegenwartskunst: Wie die "New York Times" berichtet, versuchte sie lange, ihr Museum PERMM durch Kompromisse am Leben zu halten, trotz Durchsuchungen, Drohungen und Einschüchterung. Sie habe eine "Hyperverantwortung" gespürt und ihre Arbeit als "fast wie eine Mission" verstanden. Doch nach einem Ultimatum der Kulturpolitik verließ sie Russland Ende 2024. Allachwerdijewa beschreibt den Alltag als "ständigen Prozess, die eigenen Ängste zu managen", da Zensur oft indirekt wirke. Kritiker wie Marat Guelman sehen solche Anpassungen als unzulässig, während andere sie als notwendige Strategie deuten. 

Nachwuchs

In der deutschen "Vogue" stellt Laura Helena Wurth fünf aufstrebende Künstlerinnen in Deutschland vor, "von denen wir noch viel hören werden". Selma Laura Köran verbinde etwa Keramik, Video und Gaming-Ästhetik zu feministischen Gegenmythen, während Marta Dyachenko mit Betonskulpturen Fragen von Wiederaufbau und Macht verhandle. Rebekka Benzenberg zeige, dass psychische Erkrankungen "kein rein privates Problem" seien, und Nicole L’Huillier verknüpfe Kunst und KI als experimentelle Wissensform. Olga Hohmann schließlich entwickle laut Wurth "eine ganz neue Kunstform" zwischen Literatur, Gesang und Performance – ein Beispiel dafür, wie vielfältig und politisch zeitgenössische Positionen heute seien.