Kunstmarkt
"The Independent" berichtet, dass die Galerie Hauser & Wirth von dem Vorwurf freigesprochen wurde, mit dem Verkauf eines Werks von George Condo gegen britische Russland-Sanktionen verstoßen zu haben. Die Staatsanwaltschaft hatte argumentiert, das Werk sei an den in Russland ansässigen Sammler Alexander Popow verkauft worden. Richter Tony Baumgardner habe die Anklage jedoch abgewiesen, weil nicht nachgewiesen werden konnte, dass Popow zum Zeitpunkt des Verkaufs tatsächlich als mit Russland verbunden galt. "Die Staatsanwaltschaft konnte nicht beweisen, dass er eine mit Russland verbundene Person war", zitiert die Zeitung den Richter. "Dieses Versäumnis ist für alle Anklagepunkte entscheidend." Die Ermittlungen galten als erster britischer Strafprozess wegen mutmaßlicher Verstöße gegen die Sanktionen im Kunsthandel. Prinzessin Eugenie, seit 2015 Direktorin von Hauser & Wirth, sei in dem Verfahren nicht persönlich beschuldigt worden.
Performance
APA (via "Der Standard") berichtet über Florentina Holzingers neue Performance "Bodensee Étude", die am Samstag in den Bregenzer Seeanlagen uraufgeführt wird. Die speziell für das Kunsthaus Bregenz entwickelte Arbeit knüpfe an ihren Biennale-Beitrag "Seaworld Venice" an und verbinde Mythen, Ökologie und die Infrastruktur des Bodensees. Holzinger bezeichnete den Auftritt als "feuchten Traum" und kündigte ein "Bergungsszenario" an. Man habe sich intensiv mit versunkenen Städten, Glockenlegenden und weiblichen Unterwasserwesen beschäftigt und wolle sich "jetzt unsere eigene Legende machen". Die rund 40-minütige Performance mit zehn Performerinnen und Performern, vier Schlagzeugern, einem Kran und einer Glocke finde unter freiem Himmel statt. Holzinger beschreibe den Körper dabei als Instrument: "Er ist da, um die Pauke zu schlagen."
Malerei
Gemma Tipton berichtet auf der Website der Independent Art Fair über den Londoner Galeristen Michael Hoppen, der seit mehr als zwei Jahrzehnten Fotografien aus dem Umfeld von Francis Bacon sammelt. Die Werke werden im September auf der Independent 20th Century gezeigt und dokumentieren Bacons künstlerisches Milieu im Londoner Soho der 1950er- und 1960er-Jahre. Hoppen beschreibt seine Recherche als eine Art archäologische Spurensuche: "Ich bin von Francis Bacons Malerei besessen", sagt er. Besonders fasziniere ihn das "chaotisch schöne Atelier" des Künstlers und die Lebenswege der Fotografien. Bilder seien mehr als bloße Abbilder: "Ein Foto ist ein Objekt" und trage "Vorstellungskraft, Kreativität, Informationen und Geschichte"“ in sich. Für Hoppen liege gerade in den Gebrauchsspuren und der Materialität der Abzüge der eigentliche Schatz.
Venedig-Biennale
In seiner Kolumne im "Philosophie Magazin" beschreibt Wolfram Eilenberger Venedig als Gegenbild zu den Krisenerzählungen Europas. Zwar räumt er Probleme wie Übertourismus und Kommerzialisierung ein, doch nichts nehme der Stadt ihre "offenbarende Wucht". Venedig sei für ihn "der eigentliche Ursprungsort des modernen Europa" und zeige, dass Kultur und Natur, Ökonomie und Ökologie oder Technik und Kunst zusammenfinden könnten. Eilenberger deutet die Lagunenstadt als historische Vision einer offenen, innovativen Gesellschaft und schreibt, Europa brauche heute "eine Vision, an die es glauben kann". Sein Appell lautet: "Ihr Völker Europas, ihr Völker der Welt: Schaut auf diese Stadt! Noch ist nicht aller Tage Abend."
Das besondere Kunstwerk
Zum ersten Mal seit seiner Entstehung vor fast 1.000 Jahren ist der legendäre Teppich von Bayeux wieder in England eingetroffen. In der Nacht auf Freitag wurde der extrem zerbrechliche 70 Meter lange Wandteppich unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen und mit äußerster Vorsicht in einer besonderen Kiste mit schützendem Rahmen ins Londoner British Museum gebracht. Das Meisterwerk des Mittelalters ist mehr als 950 Jahre alt. Der Teppich gehört eigentlich dem französischen Staat, von September 2026 bis Juli 2027 wird das Stück nun jedoch in London zu bestaunen sein. Die Leihgabe, im vergangenen Jahr von Frankreich und Großbritannien verkündet, erfüllt einen lang ersehnten Wunsch der Briten: Schon 1953 und 1966 hatten sie um eine Ausleihe gebeten. In einem Beitrag für die Zeitung "The Times" bezeichnete Frankreichs Präsident Emmanuel Macron die Leihgabe als "greifbarer Ausdruck einer langjährigen Freundschaft". Sie zeige, was Frankreich und Großbritannien "erreichen können, wenn sie ihre Kräfte bündeln". Die britische Kulturministerin Lisa Nandy sprach laut der Nachrichtenagentur PA von einem "historischen Moment". Der Teppich von Bayeux erzählt in 58 Szenen und mit mehr als 600 Figuren und 500 Tierabbildungen die Geschichte der normannischen Eroberung Englands im Jahr 1066. Seit 1983 wurde das Unesco-geschützte Werk in der Normandie in Bayeux im Wandteppich-Museum aufbewahrt. Es gilt als eines der wichtigsten Bildzeugnisse des Hochmittelalters. Auch deshalb hatte sich zuletzt Widerstand bei Kunstexperten und Restauratoren geregt. Gewarnt wurde etwa wegen des fragilen Zustandes des Teppichs, der beim Transport beschädigt werden könnte. "Dies war eine gewaltige Leistung von Mitarbeitern des British Museum und unseren Partner in Großbritannien und Frankreich", sagte der Direktor des British Museum, Nicholas Cullinan, laut PA über den Transport.
Mitarbeiter des British Museum laden eine Kiste, in der sich der Teppich von Bayeux befindet, aus einem Lastwagen