Medienschau

"Die Farbe Rot macht kommerziell gesehen einen Unterschied"

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Rot als auf dem Kunstmarkt erfolgreiche Farbe, Umbruch in der New Yorker Upper-East-Side-Galerieszene und Édouard Glissant als Kunstsammler: Das ist unsere Presseschau am Mittwoch

Kunstmarkt

Melanie Gerlis schreibt in der "Financial Times", Rot sei nicht nur "die auffälligste aller Farben", sondern mache "kommerziell einen Unterschied", wie der Kunstberater Henry Wyndham sagt. Tatsächlich erzielten Mondrians rote Kompositionen die höchsten Preise. Eine Londoner Ausstellung bei Pilar Ordovas widmet sich nun der "Farbe des Lebens". Rot stehe für Liebe, Macht und Gewalt, könne aber auch Märkte bewegen – befeuert zuletzt durch asiatische Käufer, für die die Farbe als glücksbringend gilt. Entscheidend seien jedoch auch Faktoren wie Entstehungsjahr, Provenienz und Format.

Nate Freeman ist zurück aus der Elternzeit und berichtet in "Vanity Fair" vom Umbruch in der New Yorker Upper-East-Side-Galerieszene: Die Mnuchin Gallery hat geschlossen, Gagosian verlässt 980 Madison. Doch statt Niedergang sieht Freeman Aufbruch. Jüngere Galeristen wie der Deutsche Felix Rödder (hier im Monopol-Interview) entdecken das Viertel neu. Er finde es "aufregend, gleich um die Ecke von den spannendsten Museen der Welt" zu sein, sagt Rödder, und schätzt das Publikum, das "wirklich etwas lernen" wolle. Freeman beschreibt eine neue "Lebendigkeit" im traditionell betuchten Viertel – mit internationalen Playern, ehrgeizigen Neugründungen und viel Bewegung uptown.

Elisa Carollo berichtet im "Observer" über die Eröffnung der neuen US-Zentrale von Bonhams an der 57th Street in New York. Mit dem rund 4.000 Quadratmeter großen Haus wolle das Auktionshaus "neu definieren, wie Bonhams erlebt wird", zitiert sie CEO Lilly Chan. Nach 970 Millionen Dollar Gesamtumsatz 2025 setze Bonhams verstärkt auf spartenübergreifendes Sammeln, bei dem Schmuck, Design und Kunst als zusammenhängende Kultur verstanden würden. Die Auftaktausstellungen – vom Steinway-Flügel bis zu Brancusi – spiegelten diesen Cross-Category-Ansatz.

Kunstgeschichte

Jenny Wu beleuchtet in "Art Review" Édouard Glissants kaum erforschte Rolle als Sammler und Ausstellungsmacher. Zwar sei sein Denken in der Kunsttheorie allgegenwärtig, seine konkrete Verstrickung in die Kunstwelt jedoch weitgehend "unerforscht". Wu zeigt, wie Glissant Künstler wie Roberto Matta und Wifredo Lam nicht nur sammelte, sondern emphatisch würdigte: Matta "entwurzelt uns, ergreift uns", schrieb er 1969. Lam verortete er in "Archipelen des Exzesses, der Revolte und der konvulsiven Schönheit". Eine Ausstellung im Martinican Museum of the Arts of the Americas in New York greift Glissants Museumsutopie auf – und macht zugleich die Ambivalenzen seiner Idee von "Relation" sichtbar, so Wu.

Venedig-Biennale

Sophie Jung berichtet in der "taz" über Zhanna Kadyrovas geplanten Beitrag zur Venedig-Biennale, die im Mai startet: Die Künstlerin lässt im ukrainischen Pavillon ihre 2019 entstandene Skulptur "The Origami Deer", einst im Park von Pokrowsk nahe der Front aufgestellt, als "Menetekel über den Köpfen" der Besucher hängen. Der Betonhirsch wurde 2024 vor der Zerstörung gerettet und außer Landes gebracht. Die Installation trägt den Titel "Sicherheitsgarantien" – eine Anspielung auf das Budapester Memorandum von 1994. Damals seien der Ukraine Sicherheitszusagen gemacht worden, die sich, so Jung, als trügerisch erwiesen hätten.