Medienschau

"Man besitzt Kunst nicht, man ist nur ihr Verwalter"

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Venedig-Biennale eröffnet mit politischen Verwerfungen, berühmtes Cranach-Gemälde auf seltenem Foto von Hitlers Wohnung entdeckt und ein Jugendfreund erinnert sich an Keith Haring: Das ist unsere Medienschau am Montag

Venedig-Biennale

Nach all dem Ärger um die Teilnahme Russlands und Israels startete die 61. Kunstbiennale in Venedig am Samstag ohne Zeremoniell und Eröffnungsfeier. "Bei der Biennale hat Putin gewonnen", meint Italiens Kulturminister Alessandro Giuli. Hätte Biennale-Leiter Pietrangelo Buttafuoco die Regierung vor irgendeiner Zusage über Russlands Teilnahmewunsch informiert, dann hätte man das als Verhandlungsmasse nutzen können – vielleicht für eine Waffenruhe in der Ukraine, sagte er der italienischen Zeitung "Corriere della sera". Das sehen nicht alle so: Italiens rechter Vize-Regierungschef Matteo Salvini warnt vor Zensur. Und Israel? Immerhin wollte die Jury das Land gemeinsam mit Russland von der Preisvergabe ausschließen, bevor sie geschlossen zurücktrat. Über diesen Rücktritt habe er sich gefreut, sagte der rumänisch-israelische Bildhauer Belu-Simion Fainaru, der "Welt". Doch in Venedig sei er "völlig isoliert", berichtete der Gestalter des israelischen Pavillons. "Mit keinem einzigen Künstler und Kurator auf der Biennale gibt es Interaktion." Für die Politik der israelischen Regierung, gegen dessen Chef Benjamin Netanjahu ein Haftbefehl des Internationalen Strafgerichtshofs (IStGH) wegen Kriegsverbrechen im Gazastreifen vorliegt, will Fainaru nicht verantwortlich gemacht werden. "Ich jedenfalls bin als Künstler nach Venedig gekommen, und nicht, um meine politische Haltung oder diejenige meines Landes zu vertreten oder um mich zu Vorwürfen gegen einen Regierungschef zu äußern", sagte er der "Jüdischen Allgemeinen". "Das würde ich sehr gerne den Politikern überlassen." "The Art Newspaper" berichtet, dass mehr als 70 Künstlerinnen und Künstler der Biennale ihre Teilnahme an den diesjährigen Preisen zurückziehen. Der Protest richte sich gegen die Abschaffung der klassischen Jury-Entscheidung zugunsten eines Publikumspreises, nachdem die komplette Jury aus Protest gegen die Teilnahme Israels und Russlands zurückgetreten war. In Radio Eins kommentiert Monopol-Chefredakteurin Elke Buhr die politischen Verwerfungen dieser Biennale-Ausgabe. 

Kunstgeschichte

Im "Guardian" erinnert sich Kermit Oswald, Jugendfreund von Keith Haring, an Kindheit, Streiche und die Verbindung von Kunst und Alltag. "Wenn man jemanden liebt, liebt man ihn ganz, sein Herz und seine Seele." Über einen besonders intimen Moment berichtet er: "Ich habe seiner Familie gesagt, dass Keith HIV-positiv ist", da Haring selbst dazu nicht mehr in der Lage war. Zur Frage von Besitz und Kunst erklärt Oswald: "Man besitzt Kunst nicht, man ist nur ihr Verwalter." 

Martin Bailey berichtet im "Art Newspaper" über neue Hinweise zur Herkunft von "Venus mit Amor als Honigdieb" von Lucas Cranach dem Älteren, das heute in der Londoner National Gallery hängt. Ein bislang kaum beachtetes Foto aus den frühen 1940er-Jahren zeigt das Werk im Wohnzimmer von Adolf Hitler in München. Bailey rekonstruiert, wie das Bild 1945 von der US-Journalistin Patricia Lochridge aus einem Depot beschlagnahmter Kunstwerke in die USA gebracht wurde. Deren Sohn zitiert er mit den Worten: "Meine Mutter durfte in das Lager gehen und sich irgendein Bild aussuchen." Die zentrale Frage bleibt für Bailey ungeklärt: Wem gehörte das Gemälde vor 1935 – und wurde es jüdischen Besitzern geraubt oder unter Zwang verkauft? Möglicherweise sei "eine ganze Familie im Holocaust ausgelöscht". Besonders bitter erscheint Bailey die Ironie, dass Hitler ausgerechnet ein Bild besaß, in dem Cupido wegen gestohlenen Honigs bestraft wird.

Museen

Im "Handelsblatt" beschreibt Benjamin Ansari den Düsseldorfer Kunstpalast unter Direktor Felix Krämer als mögliches Zukunftsmodell fürs Museum. Krämer verstehe sich ausdrücklich "auch [als] Unternehmer" und wolle die "Marke Kunstpalast" entwickeln. Statt elitärer Ehrfurcht setzt das Haus laut Ansari auf "radikale Kundenorientierung", Kinder-Previews, Duft-Ausstellungen und sogar pöbelnde "Grumpy Guide"-Führungen. Museen seien oft "zu ernst, zu ehrfürchtig, zu leise", zitiert der Autor Krämer mit dem Satz: "Wir sind hier nicht in der Kirche." Ansari schildert den Erfolg des Kurses anhand steigender Besucherzahlen und Fördermitglieder und zeichnet das Bild eines Museums, das Hochkultur und Pop bewusst miteinander verbindet, ohne den eigenen Anspruch aufzugeben.