Medienschau

"Ein Basel ohne Art Basel?"

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Das KHM-Kuratorium stärkt nach Mobbingvorwürfen den Geschäftsführern den Rücken, Italien lockt mit Casa-Museen und Basel kämpft um die Art Basel: Das ist unsere Medienschau am Donnerstag

Museen

Die Nachrichtenagentur APA (via "Die Presse") berichtet, dass das Kuratorium des KHM-Museumsverband den Geschäftsführern Jonathan Fine und Paul Frey nach Prüfung der Mobbing- und Bossingvorwürfe einstimmig das Vertrauen ausgesprochen hat. Grundlage ist ein Gutachten der Arbeitsrechtsexpertin Sieglinde Gahleitner, die nach Gesprächen mit mehr als 30 Beteiligten und der Auswertung von Unterlagen zu dem Schluss kommt, dass die von Veronika Sandbichler erhobenen Vorwürfe "nicht als Mobbing oder Bossing der Geschäftsführung angesehen werden können". Gleichzeitig habe die Gutachterin Kommunikationsmängel festgestellt; diese sei in mehreren Situationen "nicht optimal" verlaufen. Das Kuratorium betrachtet die rechtliche Aufarbeitung damit als abgeschlossen, fordert die Geschäftsführung aber auf, ihre Kommunikation im Zuge des laufenden Reformprozesses zu verbessern. Das Kulturministerium prüft laut APA eine teilweise Veröffentlichung des Gutachtens.

Luisa Taliento reist in "Artribune" zu ungewöhnlichen italienischen Casa-Museen, die als Gegenmodell zu überfüllten Großmuseen wie dem Louvre oder den Vatikanischen Museen stehen, deren Millionenbesuch zwar "ein Verlangen nach Schönheit" zeige, aber oft in einer "Überfülle der Erfahrung" ende. Im Zentrum stehen Künstlerhäuser als Gesamtkunstwerke: Das Museo Casa Mollino in Turin etwa ist eine bewusst inszenierte, nie bewohnte "spirituelle Wohnung", die laut Text den Zugang "buchstäblich in seinen Geist" erlaubt. In der Casa Museo Lodovico Pogliaghi in Varese wiederum "leben Antike und Moderne zusammen"in einem eklektischen Raumgefüge aus Sammlung und Architektur. Die Casa Museo Remo Brindisi wird als radikales Gesamtkunstwerk beschrieben, in dem Werke von Picasso bis Warhol "in das Design selbst eingelassen sind". Die Häuser erscheinen so als "ästhetische Testamente" ihrer Schöpfer – als begehbare Denk- und Lebensräume, in denen Kunst und Alltag untrennbar verschmelzen.

Architektur

In der "Zeit" nutzt Hanno Rauterberg den bevorstehenden Auszug von Frank-Walter Steinmeier aus Schloss Bellevue als Anlass für eine Reflexion über das Amt des Bundespräsidenten. Acht Jahre lang wird der Amtssitz für rund 600 Millionen Euro saniert; der Bundespräsident zieht in einen Neubau des Architekturbüros Sauerbruch Hutton um. Rauterberg sieht in dem farbenfrohen, offenen Gebäude ein Gegenmodell zu staatlicher Schwere und deutet die Architektur als Sinnbild einer Demokratie, die auf "freies Spiel" und "verbindliche Form" zugleich setzt. Die Ausstellung "Freiraum Kunst", die am Wochenende im Schloss Bellevue eröffnet, sieht Gesine Borcherdt in der "Welt" indes als missglückten Versuch, an die Tradition Berliner Pop-up-Ausstellungen anzuknüpfen. Die Schau der Akademie der Künste zeige zwar Werke namhafter Künstler wie Katharina Grosse, Wolfgang Tillmans und Jochen Gerz, bleibe aber konzeptlos. Borcherdt fragt spöttisch: "Hallo? Wieso denkt die AdK, es reiche aus, Kunst jenseits von jedwedem ästhetisch-atmosphärischem Zusammenhang in ausgeräumten Sälen zu zeigen?" Was einst im Palast der Republik funktioniert habe, scheitere hier. Die Autorin sieht darin auch ein Symptom des heutigen Berlins: Die Zeit der improvisierten Freiräume sei vorbei in einer Stadt, die ihre einstigen Experimentierräume längst "mit Investorenarchitektur oder gleich mit einer Schlosskopie zubetoniert hat". Die Ausstellung spiele, so hingegen Tobias Timm in der "Zeit", bewusst mit der Verschiebung von Macht und Maßstab. Für Monopol hat Saskia Trebing die Ausstellung besucht.

Kunstbetrieb

Claude Bühler geht im Baseler Nachrichtenportal "Prime News" der Frage nach, ob Basel im Zuge der Expansion der Art Basel nach Paris an Bedeutung verliert. Ausgangspunkt ist der Basler Galerist Stefan von Bartha, der schon 2022 in einem offenen Brief warnte: Die Stadt riskiere "Ein Basel ohne Art Basel", da Preise in Hotellerie und Gastronomie "horrend" seien und das Rahmenprogramm nicht mithalte. Bühler zeigt, dass die Stadt darauf reagiert hat: 2023 entstand das Programm "Ohne Basel keine Art Basel", ergänzt durch eine Hotel- und Gastronomie-Charta gegen Preisspitzen. Laut Basel Tourismus liege die Beteiligung "bei etwa 80 Prozent", zudem würden während der Messe Preise naturgemäss steigen. Von Bartha selbst hat inzwischen in seine Galerie investiert und spricht indirekt von notwendiger Eigeninitiative: "Wenn ich schon die Stadt kritisiere, muss ich ja selbst auch vorwärts machen", wird er zitiert. Trotz Kritik und Spannungen zieht der Text ein nüchternes Fazit: "Es geht schrittweise voran."

Der deutsche Gründer Magnus Resch würdigt in "Texte zur Kunst" die verstorbene Künstlerin und Kunstwelt-Kommentatorin Hilde Lynn Helphenstein als prägende Stimme der Kunstszene. Hinter der Kunstfigur Jerry Gogosian habe eine "außergewöhnlich sensible" Person gestanden, die Künstlern und dem Kunstbetrieb gleichermaßen verbunden gewesen sei. Resch schreibt, ihre Kritik, ihr Humor und selbst ihre Frustrationen seien stets daraus entstanden, dass sie sich um Künstler und Institutionen sorgte. Kurz vor ihrem Tod habe Helphenstein ihn gefragt, ob die Kunstwelt sie noch haben wolle. Die Reaktionen auf ihr Ableben gäben darauf eine eindeutige Antwort: "Ja, Hilde. Die Kunstwelt wollte dich. Deine Stimme hatte Bedeutung." Resch beschreibt sie als jemanden, der die Absurditäten des Kunstbetriebs offenlegte und zugleich "zu seinen größten Gläubigen" gehörte. Die Kunstwelt sei für sie nicht nur Thema gewesen, sondern "ihre Gemeinschaft". Das "Whitehot Magazine", das direkt nach dem Tod von Helphenstein vage Cybermobbing-Vorwürfe gegen eine Autorin veröffentlichte, hat jetzt ebenfalls einen Nachruf veröffentlicht.