Kunstszene
Der chinesische Künstler Ai Weiwei vermisst nach eigenen Worten sein Heimatland und würde gern nach China zurückkehren. "Ich möchte schon gestern zurückgekehrt sein", sagte Ai Weiwei in der ARD-Sendung "Maischberger". Er habe "viel zu lange schon nicht mehr die Gelegenheit gehabt, meine eigene Sprache zu sprechen". Der Künstler sprach über die Hürden, sich in einer fremden Sprache auszudrücken. Er spreche zwar gern in der Sendung, "aber nach dem Gespräch werde ich durchaus traurig sein, weil es einfach nicht meine Sprache ist, und ich kann kaum zehn Prozent dessen ausdrücken, was ich im Kopf habe", sagte Ai Weiwei. Es tue ihm "wirklich sehr leid", dass er kein Deutsch sprechen könne. Wenn er Deutsch könnte, hätte er "eine sehr viel lebendigere und reichhaltigere Erfahrung" an diesem Abend, sagte er. "Und ja, ich vermisse China, auch wenn ich dort so schlecht behandelt worden bin." Ai Weiwei lebt seit 2015 in Europa, lange in Deutschland, inzwischen unter anderem in Großbritannien und Portugal. Er hatte China nach eigenen Angaben verlassen, weil er dort politisch verfolgt wurde. Ai Weiwei gilt als Kritiker der Kommunistischen Partei und der Regierung in Peking.
In der "Financial Times" erzählt Christian House von James Cahills Buch "The Beverly Hills Housewife" über Betty Freeman, eine Mäzenin und Muse David Hockneys im Los Angeles der 1960er-Jahre. Cahill verbinde Bildanalyse und Biografie und zeichne Freeman als faszinierende Frau, deren Haus zum Salon für experimentelle Musik wurde. Hockney erinnerte sich an ein Konzert, bei dem "nur ein Ton stundenlang weiterging". Zugleich beschreibt House das damalige Los Angeles als offene, sich wandelnde Stadt: "Los Angeles könnte einen Piranesi haben, also bin ich hier", habe Hockney gesagt. Allerdings bezweifelt House, dass Cahill die behauptete besondere Nähe zwischen Künstler und Muse ausreichend belegen kann.
Freddy Langer würdigt in der "FAZ" den Fotografen, Sammler und Kurator Wilhelm Schürmann zu dessen 80. Geburtstag. Schürmann habe die deutsche Fotografie seit den 1970er-Jahren entscheidend geprägt, unter anderem mit der Galerie Lichttropfen und der Ausstellung "In Deutschland – Aspekte gegenwärtiger Dokumentarfotografie". Gemeinsam mit seiner Frau Gaby sammelt er Kunst, die "reflektiert, leichtfüßig, lapidar und uneitel" sei. Langer sieht darin eine Verbindung zu Schürmanns eigener Fotografie, die Deutschland in nüchternen Bildern von Neubausiedlungen, Wohnhäusern und Landschaften beobachtet. Schürmann selbst sagt: "Ich weiß ja selbst nicht, ob ich diese Kunst sammle, weil ich so auch fotografiere, oder ob ich so fotografiere, weil ich von dieser Kunst umgeben bin."
Stefan Trinks würdigt ebenfalls in der "FAZ" den Konzeptkünstler Hans Haacke zum 90. Geburtstag. Haacke habe die politische Kunst in Deutschland wie kaum ein anderer geprägt und mit seinen Arbeiten immer wieder Macht, Geschichte und gesellschaftliche Verhältnisse offengelegt. Trinks erinnert an zentrale Werke: die Kritik an Peter Ludwig 1981, Haackes Eingriff in den Deutschen Pavillon der Biennale von Venedig 1993 und die Reichstagsinstallation "Der Bevölkerung" von 2000. Auch auf der Documenta war Haacke fünfmal vertreten. Seine politisch-ökologische Kunst reicht bis zu den frühen Land-Art-Arbeiten zurück. Haacke selbst beschreibt seine Motivation idealistisch: "Indirekt spricht durch meine Arbeiten, was ich mir für eine humanere Welt erträume."
Museen
Renate Meinhof berichtet in der "SZ" über den Besucherboom im Bode-Museum seit der Präsentation von Angela Merkels Porträt: Statt 550 kommen täglich rund 900 Menschen. Doch nicht nur Fans der Ex-Kanzlerin pilgern zum Bild des jungen Malers Jérémie Queyras. Viele Besucher sagen, sie vermissten an Merkel vor allem "Besonnenheit", "Sicherheit", "Souveränität" und ihre "Uneitelkeit". Eine Frau sagt, Merkel habe "das Steuerrad gehalten und das Schiff sicher durch die Stürme gebracht". Auch Kritiker würdigen, dass sie einem unbekannten jungen Künstler die Chance seines Lebens gegeben habe. Meinhof beobachtet so weniger einen Merkel-Kult als eine Sehnsucht nach einer vergangenen politischen Ära.
Maximilíano Durón berichtet in "ARTnews", dass Elvira Dyangani Ose ab 1. Oktober künstlerische Direktorin des Zeitz MOCAA in Kapstadt wird. Sie folgt auf Koyo Kouoh, die das Museum bis zu ihrem Tod 2025 leitete. Dyangani Ose war zuvor Direktorin des MACBA in Barcelona und ist derzeit künstlerische Leiterin der Public Art Abu Dhabi Biennial. Die auf afrikanische und diasporische Kunst spezialisierte Kuratorin sagte, es sei "ein Privileg", dem Zeitz MOCAA beizutreten. Sie wolle dessen Entwicklung "als führende afrikanische Institution mit globaler Reichweite" fortsetzen und den Austausch zwischen Kulturen und Regionen fördern. Museumsmitgründer David Green betont, ihre Berufung stehe für ein Haus, das "in Afrika verwurzelt und mit der Welt verbunden" sei.