Medienschau

"In der Kunst konnte ich mich richtig ausschnörkeln"

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Mit der Malerin Ulrike Theusner durch Weimar, die Kunst strebt zum Übersinnlichen, und im Berliner Haushalt ist der Zuschuss für die Art Week nicht mehr enthalten: Das ist unsere Presseschau am Freitag

Kulturpolitik

Im "Handelsblatt" beschreibt Johannes Wendland, dass die Berlin Art Week erneut die vielfältige Kunstszene der Hauptstadt gebündelt habe – mit Messeformaten wie Positions in Tempelhof, internationalen Positionen von Petrit Halilaj im Hamburger Bahnhof oder Charmaine Poh im Palais Populaire und Highlights wie Ruprecht von Kaufmanns Ausstellung im Haus am Lützowplatz. Auch Galerien wie Neugerriemschneider (Michel Majerus), Sprüth Magers (Henni Alftan) oder Esther Schipper (Lee Bae) setzten starke Akzente. Wendland hebt die "überragende Qualität" hervor, warnt jedoch: Der Landeszuschuss von 300.000 Euro sei im Doppelhaushalt nicht mehr vorgesehen – ein "kleiner Betrag", der doch tiefgreifende Folgen haben könne. Kultursenatorin Sarah Wedl-Wilson verspreche, sich um die Sicherung zu kümmern. Einen Überblick zur Berlin Art Week finden Sie in unserem Monopol-Dossier.

In "Hyperallergic" kritisiert der Künstler Adam Broomberg die neue "Code of Conduct"-Politik der Documenta, die sich an der umstrittenen IHRA-Definition von Antisemitismus orientiert. Diese werde, so Broomberg, "primär benutzt (und ich argumentiere, grob missbraucht), um pro-palästinensische Rede zu unterdrücken". Er erinnert daran, dass unter Ruangrupa erstmals konsequent intersektionale Solidarität gedacht wurde, die jedoch an Deutschlands Staatsräson ende. Zwar betone Documenta, dass "künstlerische Freiheit ohne Einschränkung" gelte, doch in der Praxis heiße das, Werke mit Israel-Kritik zu vermeiden. Für Broomberg ist dies "die eigentliche kuratorische Aufgabe: das Auslassen". Schweigen gleiche einer Verlängerung der Gewalt, da es Opfer auslösche, als hätten sie nie existiert. Deshalb plädiert er am Ende für einen Boykott der Institutionen zugunsten "einer Kunst der Solidarität".

Museen

In der "Zeit" beschreibt Hanno Rauterberg, warum die Wiedereröffnung des Staatlichen Museums Schwerin am 30. Oktober ein Ereignis ist. Vier Jahre war das Haus geschlossen, nun strahlt die Sammlung im neuen Glanz – besonders die niederländische Malerei des 17. Jahrhunderts. Rauterberg hebt Carel Fabritius’ Torwache hervor: "Es passiert nichts auf diesem Bild … und doch ist es wunderbar unergründlich." Er betont, dass hier das Unsichtbare im Sichtbaren aufscheine. Neben Frans Hals, Rubens oder Caravaggio-Schülern sei auch Jean-Baptiste Oudrys lebensgroßes Rhinozeros Clara zu sehen. Schwerin zeige, wie fürstlicher Ehrgeiz Kunstlandschaften geprägt habe, und biete mit Caspar David Friedrich bis Günther Uecker immer wieder Überraschungen.

Porträt

Für die "Weltkunst" war Lisa Zeitz mit der Künstlerin Ulrike Theusner in Weimar unterwegs, wo die Malerin aufgewachsen ist und lebt. Im Residenzschloss schwärmt Theusner vom "kalkig-kühlen Schlossgeruch" und gesteht: "Ich liebe Putten!" Besonders fasziniere sie Ornamentik und Grotesken, die sie als "aus der Grotte erwachsende, surreale Merkwürdigkeiten" beschreibt. Auch ihr eigenes Schaffen sei vom Barock wie von klassizistischen Formen inspiriert, erzählt sie. Ein Architekturstudium habe sie abgebrochen, weil sie "zu viel geschnörkelt" habe – in der Kunst dagegen könne sie sich "richtig ausschnörkeln". Zeitz betont, wie stark die Weimarer Kulturgeschichte Theusners Arbeiten prägt, jetzt zu sehen in der Galerie Eigen + Art in Berlin.

In der "Zeit" porträtiert Peter Kümmel die Künstlerin Mika Rottenberg, deren Werk jetzt im Lehmbruck-Museum in Duisburg unter dem Titel "Queer Ecology" zu sehen ist. Kümmel beschreibt sie als "Meisterin der Heiterkeit", die Tunnel zwischen Welten aufspannt und Systeme ad absurdum führt. Rottenberg selbst erklärt, sie sei "besessen von Löchern" – wir bestünden aus ihnen, durch sie kämen wir auf die Welt. Ihre Filme zeigen groteske Produktionsketten, etwa in "No Nose Knows", wo Niesanfälle in New York mit Perlenzucht in China verbunden sind. Sie spreche von "trapped energy", eingeschlossener Energie, die freigesetzt werden müsse. Ihr Werk erinnere, so Kümmel, an Günter Eichs Idee eines "negativen Tischlers", der Material zurückverwandeln will – bei Rottenberg gehe es darum, das Belebte im vermeintlich Unbelebten hörbar zu machen.

Ausstellungen

In der "Zeit" widmet sich Jens Balzer dem aktuellen Kunsttrend zum Übersinnlichen. Er erinnert an Thomas Mann, der 1922 in einer Séance bei Albert von Schrenck-Notzing ein Taschentuch schweben sah und "erschüttert" ausrief: "Sehr gut! Sehr gut!" Diese Erfahrungen flossen später in den "Zauberberg" ein. Heute widmen sich gleich drei Ausstellungen dem Okkulten: Das Kunstmuseum Basel zeigt in Geister historische "Geisterfotografien", die, so die Kunsthistoriker Susan Owens und Andreas Fischer, das "Dasein im Dazwischen" offenbaren. Das Leopold Museum Wien erforscht in "Verborgene Moderne" die Verbindung von Okkultismus und Lebensreform um 1900, während die Kunsthalle Osnabrück ihr Programm bis 2026 unter das Motto Geister stellt.