Medienschau

"Der Kunstmarkt belohnt vor allem Zugehörigkeit"

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Volksbühnen-Chef Lilienthal verteidigt Exklusivstunden für Schwarze Community, Habermas' Wohnhaus - und wie Frauen den Kunstmarkt erobern: Das ist unsere Medienschau am Donnerstag

Debatte

Das temporäre Schwimmbecken vor der Berliner Volksbühne ist für einige Stunden exklusiv für einen Verein der Schwarzen Community reserviert. Intendant Matthias Lilienthal verteidigt im "Spiegel" das Konzept: "Wir versuchen damit, dem Berliner Landesantidiskriminierungsgesetz zu folgen, das vorsieht, Gruppen, die diskriminierende Erfahrungen machen, einen Rahmen zu bieten, in dem sie sich diskriminierungsfrei bewegen können." Seit dem 7. August und noch bis Anfang Oktober steht vor dem Theater ein 5 Meter langes und 1,30 Meter tiefes Freibad, das sogenannte Volksbad. Der Eintritt ist kostenlos. An einigen Tagen allerdings ist das Schwimmbecken für bestimmte Vereine reserviert. "Each One Teach One" (Eoto) ist einer davon und kann das Bad diesen Freitag zwischen 12 und 18 Uhr exklusiv nutzen. Anschließend öffnet das Becken für den regulären Badebetrieb. Eoto ist im Bereich der Rassismusprävention tätig und setzt sich für das Empowerment Schwarzer Menschen ein. Der Verein ist einer der Träger des Black Communities Center in Berlin-Wedding, das dieses Jahr eröffnet wurde. AfD-Chefin Alice Weidel sprach von "Apartheid", bezog sich also auf das frühere politische System in Südafrika. Obwohl die überwiegende Mehrheit der Menschen Schwarze waren, hatten nur die Weißen das politische Sagen. Auch eine junge Berliner CDU-Kommunalpolitikerin äußerte Unverständnis und sagte, sie dürfe nicht ins Freibad, weil sie weiß sei. Dies sei ein diskriminierendes Gefühl. Handelt es sich um Diskriminierung, wenn andere Personen das Bad an diesem Freitag für einige Stunden nicht nutzen dürfen? "Nein", hält Lilienthal dagegen. "Die Volksbühne setzt sich grundsätzlich und insbesondere mit diesem Programm für die Förderung strukturell benachteiligter Gruppen ein", sagte er dem "Spiegel". Neben Eoto ist das Bad an anderen Tagen zum Beispiel für den Verein Gangway-Crew, der Straßensozialarbeit mit jugendlichen und erwachsenen Menschen macht, oder den Verein Flussbad Berlin, der die Aufhebung des pauschalen Badeverbots in der Spree fordert, reserviert. "Hier geht es also um positive Maßnahmen für strukturell benachteiligte Menschen und um Verantwortung, die öffentliche Institutionen haben. Wir bitten um Respekt, dass wir bei der Veranstaltung nur den Besuch der betroffenen Gruppe erbeten", so der Volksbühnen-Chef. Im Übrigen seien auch die Berliner Bäder immer wieder für Vereinsveranstaltungen reserviert. Im "Tagesspiegel" weist auch Gerrit Bartels den Vorwurf zurück, die Volksbühne betreibe "Rassentrennung auf Staatskosten". Das Theater überlasse das Bad lediglich einem Verein, wie Schwimmbäder auch sonst bestimmte Zeiten für einzelne Gruppen reservierten. Bartels sieht im Streit vor allem eine rechte Kampagne gegen einen Safe Space. Weil es Problemen mit den Duschen gibt, ist das Volksbad seit Dienstag geschlossen. Laut Programmvorschau soll es am Freitag wieder öffnen. 

Jörg Lau analysiert in der "Zeit" den kulturpolitischen Kurs der AfD in Sachsen-Anhalt vor der Landtagswahl im September. Zum Feindbild der Partei sei ausgerechnet das Bauhaus geworden, das für Internationalismus und eine moderne, universelle Formensprache stehe. Im AfD-Programm werde behauptet, Deutschland leide unter einem "Nationalmasochismus" und einer "Identitätsstörung", die durch die Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit verursacht werde. Dagegen wolle die Partei mit einer "#deutschdenken-Kampagne" eine stärker national ausgerichtete Kulturpolitik setzen. Lau sieht darin mehr als einen regionalen Kulturkampf: Die AfD ziele auf "kulturelle Hegemonie" und wolle Sachsen-Anhalt zum "Musterland der Kulturpolitik" machen.

Kunstmarkt

Wir hatten in der Medienschau bereits über diese Studie informiert, nun erklärt der Mitautor Magnus Resch in einem "FAZ"-Gastbeitrag noch einmal, warum Künstlerinnen auf dem Kunstmarkt trotz Fortschritten weiterhin benachteiligt sind. Seine gemeinsam mit Netzwerkforscher Albert-László Barabási durchgeführte Studie mit Daten zu rund 65.000 Künstlern zeigt: Entscheidend für den späteren Markterfolg sei weniger das Geschlecht als das Netzwerk, in dem eine Karriere stattfindet. Männliche und weibliche Institutionen bildeten weitgehend getrennte Cluster, wobei die renommiertesten Häuser besonders männlich dominiert seien. Das Geschlecht habe dennoch einen messbaren Einfluss. Resch fordert deshalb, nicht nur mehr Künstlerinnen auszustellen, sondern Netzwerke gezielt zu verändern. Der Kunstmarkt belohne "vor allem Zugehörigkeit", nicht allein künstlerische Qualität.

Architektur

Jörg Häntzschel spricht in der "SZ" mit Mathias Pfeil, dem Leiter des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege, über das Wohnhaus von Jürgen Habermas am Starnberger See, das nun unter Denkmalschutz steht. Das 1972 von Heinz Hilmer und Christoph Sattler gebaute Haus sei ein bedeutendes Zeugnis des Übergangs von der Nachkriegsmoderne zur Postmoderne. Habermas habe selbst an seinem Entwurf mitgewirkt, erklärt Pfeil: "In dem Gebäude kann man in drei Dimensionen erleben, wie Habermas gedacht hat." Auch das eingebaute Bücherregal gehört zum geschützten Bestand. Eine öffentliche Nutzung sei allerdings nicht vorgeschrieben: Das Haus könne weiterhin ganz normal bewohnt werden. Pfeil sagt, er würde es begrüßen, "wenn eine Familie da einziehen" würde.

In der "FAZ" kritisiert der Architekturhistoriker Adrian von Buttlar den geplanten grünen Umbau der Münchner Ludwigstraße. Der Wettbewerb sehe vor, die historische Prachtstraße mit "Bauminseln" zu begrünen und den Odeonsplatz teilweise in eine "riesige Buddelkiste" zu verwandeln. Von Buttlar warnt, dadurch werde das denkmalgeschützte Ensemble "bis zur Unkenntlichkeit verhunzt". Die Klimaanpassung hält er grundsätzlich für sinnvoll, fragt aber, warum dafür ausgerechnet die Ludwigstraße umgestaltet werden müsse. Sie sei als streng gefasster "Saalplatz" konzipiert und nicht beliebig in einen "lässigen Boulevard" verwandelbar. Der Autor vermutet hinter dem Umbau deshalb auch eine Abwertung der historischen "Herrschaftsarchitektur".